Fünf Wahrheiten über... James Hetfield, notorischer Yeah-Sager
Wut auf Gott: Seine beiden Eltern starben an Krebs. Als sie Jahre vorher ihre Diagnose erhielten, hatten sie nichts unternommen. Weder riefen sie einen Arzt, noch nahmen sie Medikamente. Beide waren Anhänger der Sekte Christian Science und glaubten allein an die Heilkraft Gottes.
1979 starb die Operettensängerin Cynthia Hetfield, als James gerade erst 16 Jahre alt war. Der Jugendliche durfte noch nicht einmal um seine Mutter trauern, auch das lehnen die Anhänger von Christian Science ab. Drei Jahre zuvor hatte sich Cynthia Hetfield von ihrem Mann scheiden lassen - also zog James zu seinem älteren Halbbruder.
In den neunziger Jahren dann kämpfte James' Vater Virgil Hetfield gegen den Krebs, bis er diesen Kampf 1996 verlor - ebenfalls ohne jede ärztliche Hilfe. Der berühmte Metal-Sänger stand ihm in den letzten Stunden bei. Die Religion der Eltern und der Krebstod sind Traumata, mit denen er in Songs wie "The God That Failed" abrechnete.
Dieser Rockstar riss Frauen aus hygienischen Gründen auf: James und die Jungs von Metallica waren berüchtigte Herzensbrecher, als sie Anfang der achtziger Jahre in New York lebten. Allerdings ging es ihnen bei der Eroberung der Damenwelt weniger um die Erotik - sie waren scharf auf die Duschen in den Wohnungen der Mädels. Das lag daran, dass Metallicas großer Erfolg noch weit entfernt war und die Band ziemlich abgebrannt in einem heruntergekommen Fabrikgebäude hauste. Ab und zu eine Duschgelegenheit aufzureißen, galt daher mehr als amouröse Abenteuer.
Keiner yeaaaaahhhhhhttttt wie Hetfield: Ist es sein Gitarrenspiel? Ist es sein Kopfschwung beim Headbangen? Glaubt man einem Metallica-Fan, macht den Metalgott etwas anderes unverwechselbar: das "Yeah". Er hat alle "Yeahs!" aus mehr als 30 Jahren Metallica zusammengeschnitten und kommt auf beeindruckende drei Minuten und 16 Sekunden. Darunter kurze, energische "Yeahs", dann wieder ein langezogenes "Yeeeeaaaahhhhhh!". So erschallt es in allen denkbaren Versionen vom ersten Album "Kill 'Em All" bis zum derzeit letzten "Death Magnetic". Und man muss schon sagen: Keiner yeaht wie Hetfield!
Seine Stimme ist ein Folterinstrument: Dieser Aussage würden gewiss ganze Armeen genervter Eltern sofort zustimmen. Aber auch im amerikanischen Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba erklang Gerüchten zufolge die Musik von Metallica. Mit derartiger Dauerbeschallung wollten die Wachen dort ihre Häftlinge vor dem Verhör mürbe machen.
James Hetfield meint, dass die Musik von Phil Collins, die er manchmal bei Autofahrten mit seiner Frau hören muss, genauso Folter wäre. Aber im Ernst, der Sänger ist sogar etwas stolz darauf, dass ausgerechnet Metallica eingesetzt wird - weil ihre Musik Freiheit verkörpere. Es darf bezweifelt werden, dass die beschallten Häftlinge in Guantanamo, die sich stundenlang voll aufgedrehte Metalriffs anhören mussten, das auch so sehen.
Metallica in Beziehungstherapie: 40.000 Dollar pro Monat - für diese stolze Summe engagierte das Management von Metallica 2001 den Psychotherapeuten Phil Towle. Die Band musste in Therapie. Denn außer Hass und Verachtung brachten James Hetfield und die anderen Bandmitglieder zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viel für einander auf. Nach mehr als zwanzig Jahren, 90 Millionen verkauften Alben und gigantischen Mengen Alkohol war die Luft raus. "St. Anger", das achte Metallica-Album, das die Band eigentlich aufnehmen sollte, stand wie die Band vor dem Aus.
Nun hieß es für die harten Rocker Gefühle zeigen - Lars Ulrich machte gleich den Anfang, indem er auf Hetfield zuging, sich direkt vor ihn hinstellte und ihm ein wutentbranntes "Fuck" ins Gesicht schrie.
Doch der Psychotherapeut Phil Towle leistete ganze Arbeit - wenn auch auf unerwartete Weise. Frontmann James Hetfield, Drummer Lars Ulrich und Leadgitarrist Kirk Hammett verbündeten sich gegen den Seelenklempner - und bewältigten so ihre Beziehungskrise.