Kretschmer in Chemnitz Dialog und Protest
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat die Chemnitzer dazu aufgerufen, eine klare Grenze zu Rechtsextremisten zu ziehen. Gleichzeitig erklärte der CDU-Politiker am Donnerstagabend, er werde sich gegen eine pauschale Verurteilung aller Bürger als Anhänger rechter Losungen stemmen.
Kretschmer war nach Chemnitz gekommen, um mit Einwohnern in den Räumen des Stadions der Stadt über die fremdenfeindlichen Ausschreitungen am Sonntag und Montag zu sprechen. Der Ministerpräsident begann seine Ansprache vor rund 500 Menschen in den Räumen des Stadions mit der Aufforderung zu einer Schweigeminute: "Wir erinnern an einen Chemnitzer Bürger - Daniel -, um den heute seine Familie, Angehörige, Freunde trauern." Der Deutsche war in der Nacht zum Sonntag getötet worden.
Vor dem Stadion protestierten Hunderte Menschen lautstark gegen Kretschmer. Sie waren dem Aufruf der rechten Bürgerbewegung "Pro Chemnitz" gefolgt.
Kerzen und Blumen für Daniel H.: Die Staatsanwaltschaft verdächtigt zwei Männer aus dem Irak und Syrien, H. erstochen und zwei weitere Deutsche schwer verletzt zu haben. Es werde alles dafür getan, dass dieses Verbrechen aufgeklärt und gesühnt werde, sagte Kretschmer.
Nachdem die Polizei in Chemnitz am Sonntag und Montag in deutlicher Unterzahl gegenüber den mehreren Tausend Demonstranten war, wurden für den Donnerstag Polizeikräfte aus anderen Bundesländern sowie Kräfte der Bundespolizei nach Chemnitz abkommandiert. Hier sind Polizeifahrzeuge vor dem Stadion in Chemnitz zu sehen.
Bei dem Bürgerdialog am Donnerstagabend wurde vor allem Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (hier rechts neben Kretschmer) kritisiert. Sie wurde für ihren Aufruf zur Mäßigung und zum friedlichen Zusammenleben heftig ausgebuht.
Kretschmer sagte, die Stimmung bei den Kundgebungen (hier am Montag in Chemnitz) habe dazu geführt, dass mancher "völlig außer Rand und Band" geraten sei. "Dem müssen wir alle miteinander, mit aller Kraft, entgegentreten." Wenn bei einer Demonstration der Hitlergruß gezeigt werde, "dann ist es an der Zeit, zu sagen, mit denen haben wir nichts zu tun. Wir suchen uns einen anderen Ort."