Militarismus im Kaiserreich - DER SPIEGEL
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Die beste Schule der Nation "Militärische Manneszucht"

Im Wilhelminismus galt die Armee als beste Schule der Nation: Doch viele Offiziere misshandelten ihre Rekruten auf bestialische Weise. Tausende junge Männer desertierten - viele, die sich dem Drill nicht gewachsen fühlten, flüchteten sich in den Suizid.
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In der Mitte der Gesellschaft: Um 1900 gehörten preußische Offiziere - wie hier in Berlin - zum Straßenbild. Ihre Werte wurden von der Gesellschaft glorifiziert.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 146-1969-022-39

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In gemütlicher Runde: Nicht zuletzt die Rüstungsindustrie versuchte zu Beginn des 20. Jahrhunderts massiv auf das Militär Einfluss zu nehmen. Unternehmer, so klagte der Sozialdemokrat Karl Liebknecht, würden ihre Söhne in die Armee schicken und in Offizierskasinos und im Parlament Lobbyarbeit für die Aufrüstung betreiben.

Hier sind deutsche Offiziere Mitte 1918 bei einer Feier in einem Casino in Schloss Lautzensee in Lettland zu sehen.

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Auf in den Krieg: Mit Begeisterung rückten Hunderttausende junge Männer 1914 aus in den "Großen Krieg". Überzeugt von der Überlegenheit der deutschen Armee und ihren soldatischen Tugenden hatten sie keine Zweifel an einem schnellen Sieg über die vermeintlich unterlegenen Gegner.

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Die Elite: Im Kaiserreich unterstand das Militär der Monarchie mit Kaiser Wilhelm II. an der Spitze (hier bei einer Parade am 18. Januar 1896 in Berlin). Die höheren Dienstgrade wurden in erster Linie mit Adeligen besetzt. Wer also gesellschaftlich nach Höherem strebte, versuchte sich innerhalb des Militärs nach oben zu arbeiten.

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Die Auserwählten: Ein besonders elitärer Teil des Militärs war die Königliche Garde, an der hier Kaiser Wilhelm II. gemeinsam mit seinen Söhnen und einigen Offizieren am Neujahrsmorgen 1912 vorbeischreitet.

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Zucht und Ordnung: Nach außen zeigte sich das Militär im Kaiserreich stets akkurat und diszipliniert - wie hier bei einer Parade vor Wilhelm II. 1901 in Potsdam. Hinter den Kulissen waren jedoch Misshandlungen und Schikane an der Tagesordnung. Bis zu 20.000 junge Rekruten flüchteten laut SPD-Politiker August Bebel jährlich aus den Kasernen und landeten vor Gericht.

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Gescheiterte Revolution: Mit der Revolution von 1848 sollte das Militär demokratischer werden. So sollten die Soldaten beispielsweise ihren Eid nicht mehr auf den Monarchen, sondern auf die Verfassung schwören und damit unter der Kontrolle des Parlaments stehen.

Diese und andere Forderungen waren dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. (hier bei einer Parade am 23. Mai 1848 in Berlin) zu modern. Er ließ die Bewegung blutig niederschlagen.

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Selbsternannter Offizier: Wie weit der blinde Gehorsam gegenüber militärischen Abzeichen ging, zeigte 1906 der berühmt gewordene Fall des Schusters Wilhelm Friedrich Voigt, besser bekannt als der "Hauptmann von Köpenick".

Verkleidet als Offizier schaffte er es, einige Unteroffiziere davon zu überzeugen, das Rathaus von Köpenick zu besetzen und den Bürgermeister in Gewahrsam zu nehmen. Voigt wurde anschließend zu vier Jahren Haft verurteilt. Hier ist er bei einer Reise nach seiner Entlassung in London zu sehen, wo er im grauen deutschen Offiziersmantel durch die Stadt spazierte.

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Gelernte Werte: Ein großer Anhänger des preußischen Militarismus und seiner Tugenden war auch der junge Gefreite Adolf Hitler (hier um 1915). Später glorifizierte er seinen Einsatz im Ersten Weltkrieg und seine militärischen Leistungen maßlos.

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
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Wie der Vater so der Sohn: In vielen Familien in Deutschland waren Väter und Söhne gleichzeitig in der Armee und ließen sich stolz in Uniform porträtieren. Dieses Bild wurde circa 1908 in München aufgenommen.

Foto: Karl Schillinger
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?