Science-Fiction-Filme Die schrägsten Kostüme
Modische Maschinenmenschen: Im ausgehenden 21. Jahrhundert traut sich der stilbewusste Sex-Android eigentlich nur noch in Satin-Frack und Lackschuhen auf die Straße. Okay, notfalls auch im Spiderman-Catsuit und mit Regina-Regenbogen-Haartönung. So zeigten es jedenfalls Jude Law und Ashley Scott 2001 in Steven Spielbergs "A.I. - Künstliche Intelligenz".
Schwanzfixiert war offenbar der Designer dieses haarigen Zukunftsoutfits mit puscheligem Tierschwanz, das Jane Fonda - neben zahlreichen anderen so exzentrischen wie knappen Outfits - 1968 in "Barbarella" trug. Aber keine Angst: Glaubt man der trashigen Zukunftsvision, die unter Regie von Fondas Ehemann Roger Vadim entstand, hat die Menschheit bis zum Eintreten derartiger Modesünden noch bis zum Jahr 40.000 Schonfrist.
Roll-Rapunzel: Einen überaus ansehnlichen Schalldämpfer hat Prinzessin Leia (Carrie Fisher) da in "Krieg der Sterne" von 1977 auf ihre Laserpistole montiert. Brauchen wird sie ihn nicht, denn unter den noch weit ansehnlicheren Zopfschnecken, zu denen sie ihre Zottelmähne aufgerollt hat, dürfte ohnehin kaum noch eine Schallwelle ihr Ohr erreichen. Leias schlichte Weltraum-Toga wirkte neben dieser außergewöhnlichen Frisurenkreation verblüffend brav.
Regisseur Mel Brooks nahm die exzentrische Zukunftshaarmode der Prinzessin im Jahr 1987 in seiner "Krieg der Sterne"-Parodie "Spaceballs" auf die Schippe - und offenbarte, dass es sich bei den Zopf-Röllchen in Wahrheit um haarige Kopfhörer handelte.
Haarleluja! Ist es noch Frisur oder schon Helm? Schwer zu beurteilen, was genau Königin Amidala, gespielt von Natalie Portman, da 1999 in "Star Wars: Episode One" eigentlich auf dem Kopf hatte. Amidalas prächtige Roben fielen angesichts dieser Haarpracht jedenfalls kaum noch auf. Bei dem Anblick der imposanten Kreuzung aus Krone, Pilotenhelm und Sumo-Ringer-Toupet wurde alten "Star Wars"-Fans zudem schlagartig klar, von wem Amidalas Tochter Prinzessin Leia ihre Vorliebe für exzentrische Haarmode geerbt haben musste.
Space-Suspensorium: Die wichtigen Fragen zuerst - nein, an mangelndem Selbstbewusstsein hat Sting offenbar noch nie gelitten. Und ja, es ist eine Unterhose. Um genau zu sein: Eine Kunstleder-Art-Deco-Weltraum-Unterhose, deren anmutige Schwingen in "Der Wüstenplanet" von 1984 aufs Erhabenste die (gut eingeölten) Lenden des Popmusikers zierten. Sting spielte in David Lynchs Sci-Fi-Flop den Weltraumschurken Feyd-Rautha Harkonnen - und konnte sich trotz des albernen Outfits wohl noch glücklich schätzen, denn immerhin...
...nötigte ihn Regisseur David Lynch nicht, wie etwa seine Kollegen Kyle MacLachlan und Sean Young, einen sonderbaren Fummel aus alten Fahrradreifen zu tragen und sich permanent Schläuche in die Nasenlöcher zu stopfen, die ganz nebenbei einen irritierenden Gummi-Hitlerbart abgaben.
Haute Couture fürs übernächste Jahrhundert: Niemand geringeren als Jean-Paul Gaultier heuerte Regisseur Luc Besson beim Dreh von "Das fünfte Element" (1997) an, um eine glaubwürdige Vision der Mode im Jahr 2263 zu entwickeln. Der Modeschöpfer kam offenbar zu dem Ergebnis, dass, falls eines Tages eine mythische Retterin vor dem unfassbar Bösen im Universum auftauchen sollte, diese auf jeden Fall eine Mischung aus Grobripp-Unterhemd und knallorangenem Gummi-Monokini tragen werde. So jedenfalls gestaltete er das Outfit von Fotomodell Milla Jovovich in der Rolle der Leeloo.
Nach der Apokalypse ist vor der Apokalypse: Von "Borat" 2006 popularisiert und dann schnell wieder in Vergessenheit geraten, feiert der Mankini im Jahr 2293 auf der postapokalyptischen Erde endlich wieder ein Comeback - modifiziert mit Patronengurten. So zeigte uns jedenfalls 1974 der britische Film "Zardoz" mit Sean Connery und Charlotte Rampling die modische Zukunft.
Im Weltraum hört dich jeder scheppern: Lautlos wie eine Katze schlich sich Vin Diesel 2004 in "Riddick: Chroniken eines Kriegers" durch die fliegende Festung der bösen Necromonger. Eine völlig unnötige Vorsichtsmaßnahme, wie sich bei einem Blick auf deren Legionärsoutfit herausstellt. Bei dem Geschepper, das sie mit jedem Schritt verursacht haben müssen, hätten sie Riddick vermutlich selbst dann nicht kommen hören, wäre er auf einem Moped mit kaputtem Auspuff hinter ihnen den Gang hinabgeknattert gekommen.
Halb Borg, halb Boxenluder: Mit hautengen Catsuits, wie sie sonst höchstens bei Rennsportveranstaltungen oder Computerspielmessen zu finden sind, wurde die Schauspielerin und ehemalige Schönheitskönigin Jeri Ryan ab 1997 in der Serie "Star Trek: Raumschiff Voyager" zum feuchten Traum vieler männlicher Trekkies.
Für die Serienmacher zahlte sich das enganliegende Zukunftsoutfit unmittelbar aus: Nachdem Ryan zum "Raumschiff Voyager" dazustieß, stiegen die Einschaltquoten laut "New York Times" um 60 Prozent.
Pyjama-Party im Weltraum: Unbekannte Lebensformen, ferne Randbereiche des Universums und Schlafanzüge in gedeckten Farben - so lautete das Erfolgsrezept der Kult-Fernsehserie "Raumschiff Enterprise", die von 1966 bis 1969 produziert wurde.
Das verblüffendste an der körperbetonten Weltraummode von Mr. Spock, Captain Kirk und Scotty (Leonard Nimoy, William Shatner, James Doohan, v.l.) war dabei, dass sich der scheinbar simple Pyjama-Stoff offenbar dank hypermoderner Hightech-Fasern jedweden klimatischen Bedingungen anpassen konnte - nie sah man die Enterprise-Crew darin frösteln oder schwitzen.
Superagentin im Straps-Trauerkleid: Angesichts der Frage, was die Agentin einer Untergrundbewegung im Jahr 2415 wohl tragen würde, entschied sich Regisseurin Karyn Kusama 2005 in "Aeon Flux" für eine Kreuzung aus Burka, Badekappe und Stripper-Outfit. Darstellerin Charlize Theron trug es mit Fassung.
Schwarzlicht-Party für Computerprogramme: Nicht zuletzt aufgrund seines eigenwilligen Looks wurde Disneys Science-Fiction-Film "Tron" 1982 zum Kultfilm. Für eine überzeugende Darstellung der Welt im Inneren eines Computers heuerte das Unternehmen den französischen Comiczeichner Jean Giraud alias "Moebius" als Kostümdesigner an. Er entwarf die futuristischen Outfits der im Film von Menschen verkörperten Computerprogramme.
Atmungsaktiv: In der postapokalyptischen Zukunftswelt von "Mad Max - Jenseits der Donnerkuppel" aus dem Jahr 1986 waren offenbar nicht nur Wasser und Benzin auf der verödeten Erde zur Mangelware geworden, sondern auch Textilien. Wie wäre es sonst zu erklären, dass Tina Turner als Aunty Entity in der Gluthitze der Wüste den lieben langen Tag freiwillig in Kettenkleid, Kettenhandschuhen, Kettenstrümpfen und Kettenstrumpfbändern herumlief? Vielleicht hielt sie die Hitze darunter ja nur dank ihrer Ohrringe aus - die frappierend an überdimensionale Prozessor-Kühlkörper erinnerten.
Fleischbeschau: Was ist der Unterschied zwischen Menschen und Androiden, wenn beide aus Fleisch und Blut sind? Dieser Frage ging 1982 Ridley Scotts Science-Fiction-Klassiker "Blade Runner" nach. Da erschien es passend, dass der Kunstmensch Zhora (gespielt von Joanna Cassidy) im durchsichtigen Regenmantel durch das Los Angeles der Zukunft rannte und dabei unter dem Kunststoff sein Kunstfleisch zur Schau stellte.
Cyberspace-Pastor: Für die Kleidung ihres Hacker-Helden Neo, gespielt von Keanu Reeves, ließen sich die Wachowski-Geschwister 2003 bei "Matrix Revolutions" deutlich von den Gewändern Geistlicher inspirieren. Anders als die Pfarrer der Gegenwart trägt Neo zu dem liturgischen Gewand im Jahr 2199 allerdings bevorzugt Sonnenbrillen.
Zurück in die Zukunft: Während es im Science-Fiction-Genre längst zum guten Ton gehört, sich gegenseitig mit exzentrischen Outfits zu überbieten, ging Regisseur Spike Jonze für seinen 2014 in Deutschland angelaufenen Film "Her" einen anderen Weg. Joaquin Phoenix spielt darin den einsamen Theodore Twombly, der sich in sein mit einer weiblichen Stimme sprechendes Computerbetriebssystem verliebt. Er trägt statt glänzender High-Tech-Astronautenfummel an die siebziger Jahre erinnernden Retro-Chic.