Modeklassiker Leute machen Kleider
Verräterisches Kleidungsstück: "Der Bikini ist so klein, dass er alles über die Trägerin verrät - bis auf den Geburtsnamen ihrer Mutter", soll der Ingenieur Louis Réard einmal über den Zweiteiler gesagt haben, den er 1946 erfand. Filmemacher nutzen ihn vor allem, um alles über die körperlichen Vorzüge ihrer Darstellerinnen zu verraten - wie hier jene der ehemaligen Schönheitskönigin Halle Berry im James-Bond-Film "Stirb an einem anderen Tag" von 2002. Berrys Bikini-Szene war eine direkte Anspielung auf jene Szene, durch die der Bikini-Boom erst ausgelöst wurde, nämlich...
...die Szene in "James Bond - 007 jagt Dr. No" aus dem Jahr 1962, in der Ursula Andress als Honey Rider vor den Augen des britischen Superagenten Bond, gespielt von Sean Connery, im cremefarbenen Bikini aus dem Karibischen Meer auftauchte. Der Filmauftritt des damals noch als skandalös freizügig verschrienen Kleidungsstücks machte es erst gesellschaftsfähig. Der von Andress selbst mitentworfene Original-Filmbikini wurde 2001 bei einer Auktion in London für die Rekordsumme von 41.000 Pfund versteigert - und wurde damit zur teuersten Badebekleidung der Geschichte.
Kürzungsmaßnahmen: Ähnlich wie der Bikini zeigen auch die Hotpants mehr von ihrer Trägerin, als sie verhüllen. In den sechziger Jahren, zur Hochzeit der Sexuellen Revolution, wurden sie gemeinsam mit dem Minirock zum modischen Wahrzeichen der Überwindung bürgerlicher Prüderie. Und noch heute wird das beinfreie Beinkleid dazu genutzt, sich betont sexy in Szene zu setzen - wie hier von Jessica Simpson in "Ein Duke kommt selten allein" von 2005. Weltbekannt wurden die heißen Höschen ausgerechnet durch...
...einen gesellschaftskritischen Film des italienischen Neorealismus: 1949 ließ Regisseur Guiseppe De Santis die Schauspielerin Silvana Mangano in seinem Erntehelferinnen-Drama "Bitterer Reis" in einem für damalige Verhältnisse unerhört freizügigen Kostüm auftreten. In bis zum Schritt hochgerafften Shorts und mit zerrissenen Nylonstrümpfen watete Mangano durch die überfluteten Reisfelder der Poebene und sang kommunistische Lieder. Doch mehr als ihr Gesang trugen wohl ihre nackten Beine zum Kassenerfolg des Filmes bei.
Popsternchen im Rollenkorsett: Sängerin Jeanette Biedermann inszeniert sich bei einem Auftritt im Oktober 2006 im Stil der boomenden Neo-Burlesque - mit einer rüschenbesetzten Korsage. Lange vor Biedermann war jedoch eine andere blonde Sängerin zur Wegbereiterin der Korsage als Bühnenoutfit geworden, nämlich...
...Madonna Louise Ciccone alias Madonna, die 1990 auf ihrer "Blond Ambition"-Tour mit einer ganzen Reihe äußerst freizügiger Kostüme auf sich aufmerksam machte. Legendär wurde ihr Auftritt in einer von Jean Paul Gaultier entworfenen Korsage zu dem Song "Like a Virgin", bei dem sie eine Masturbation simulierte. Papst Johannes Paul II. rief in Italien zu einem Boykott ihrer Tourneen auf. Dabei hatte die Korsage in Italien Jahrzehnte zuvor ihren ersten großen Auftritt im Showgeschäft überhaupt gefeiert, als...
...1963 die Schauspielerin Sophia Loren im Film "Gestern, heute und morgen" in Korsage vor ihrem Filmpartner Marcello Mastroianni auftrat und einen Striptease hinlegte, der Filmgeschichte schrieb. Die Szene wurde so legendär, dass Regisseur Robert Altman sie 31 Jahre später noch einmal für seinen Film "Prêt-à-Porter" nachspielen ließ.
Sex & Drogen & Minirock: 1993 trat Patricia Arquette im Gangsterfilm "True Romance" als Callgirl Alabama auf, das mit einem Kofferraum voller Kokain vor der Mafia flieht. Arquettes Kleidung - ein kurzer Minirock - unterstrich den Sexappeal ihrer Figur. Während dieses Kostüm jedoch 1993 schon lange nicht mehr für Aufregung sorgte, war es bei seinem ersten Filmauftritt noch mehr als anstößig. Denn seinen Durchbruch erlebte der Minirock ebenfalls auf der Leinwand, allerdings bereits...
...1956 in dem Science-Fiction-B-Movie "Alarm im Weltall". Die Kostümbildnerin Helen Rose hatte für den Streifen mehrere Kleidungsstücke für die Schauspielerin Anne Francis gestaltet, die kürzer als alles waren, was damals auf dem Markt an Frauenbekleidung erhältlich war. Doch seinen Namen erhielt der Minirock erst einige Jahre später, als...
...die Designerin Mary Quant den über den Knien endenden Rock 1963 der Londoner Modewelt präsentierte. Zur ersten großen Ikone des Minirocks wurde ironischerweise eine Frau, die durch das knappe Kleidungsstück kaum Kurven entblößen konnte, da sie ihre Figur fast bis zu einer geraden Linie herunterhungerte - das Londoner Model "Twiggy" (auf deutsch etwa: "wie ein dünner Zweig").
Zeitloser Klassiker: Womanizer Brad Pitt posiert im Juli 2009 in Berlin bei einer Filmvorstellung ganz klassisch im weißen T-Shirt. Bereits seit dem 19. Jahrhundert wurde das T-förmige Baumwollhemd getragen, jedoch zunächst ausschließlich als Unterhemd. Das änderte sich jedoch schlagartig, nachdem...
...das T-Shirt am Körper von Sexsymbol Marlon Brando 1951 im Film "Endstation Sehnsucht" seine Filmpremiere feierte. Brando gelang in der Rolle des animalischen Stanley der Durchbruch - und dem T-Shirt ebenfalls: Nach dem Erfolg des Filmes begannen viele junge Männer, das einst nur verschämt unter der Kleidung getragene Hemd aus seinem Schattendasein hervorzuholen.
Das Blaue vom Himmel: Für viele gilt die Jeans als der Modeklassiker schlechthin - und selbst Supermodels wie Elle Macpherson, hier 2006 in London, tragen sie in ihrer Freizeit. Der Name "Jeans" stammt vom französischen "bleu de Gênes" (das Blau von Genua). Denn schon während der Renaissance wurden Jeans von der Marine der Republik Genua als Arbeitskleidung getragen. Zum Kultobjekt wurden die blauen Hosen jedoch erst durch den Sexappeal von...
...Marilyn Monroe, die erstmals 1954 im Western "Fluss ohne Wiederkehr" in den für ihre Verhältnisse ungewöhnlich maskulinen Denim-Hosen auftrat. Scheinbar wollte die platinblonde Diva sich mit diesem Outfit von ihrem Sexbomben-Image distanzieren, doch sie erzielte genau das Gegenteil: Durch ihren Film wandelte sich das Image der Jeans von der derben Arbeitshose zum sexy Modeaccessoire. Und dass das nicht nur an Frauenbeinen gut aussieht, bewies wenig später...
...Monroes männlicher Schauspielkollege James Dean, der in "...denn sie wissen nicht, was sie tun" von 1955 und ein Jahr später in "Giganten" in den derben blauen Hosen eine ausgesprochen gute Figur machte. Dean - hier in einer Szene aus "Giganten" mit Elizabeth Taylor - wurde zur Stilikone für eine ganze Generation und machte die Jeans zur Uniform rebellischer Jugendlicher.
Hochwasser auf Capri: Die dreiviertellange Caprihose, hier an Moderatorin Anastasia Zampounidis, sollte vor allem bei Hitze angenehmer zu tragen sein als normale Hosen. Doch das Kleidungsstück stammt nicht, wie der Name suggeriert, aus Italien, sondern wurde 1948 von der deutschen Modedesignerin Sonja de Lennart erfunden. Aus Liebe für die Insel taufte Lennart ihre Schöpfungen des Jahres 1948 auf den Titel "Capri-Kollektion". Doch den Durchbruch feierte die Hose erst ein Jahrzehnt später an den Beinen von...
...Schauspielerin Sandra Dee, die in Filmen wie "Zu jung" von 1958 oder "April entdeckt die Männer" von 1959 immer wieder die Rolle des unschuldigen Mädchens gab. Die Caprihose war für Dee eine Möglichkeit, Bein zu zeigen, ohne anzüglich zu wirken. Während Dees Karriere in den sechziger Jahren durch Drogenprobleme und Magersucht endete, blieb die Popularität der Caprihose ungebrochen.
Schwarz in der City: Kim Cattrall, Sarah Jessica Parker, Cynthia Nixon und Kristin Davis, die Hauptdarstellerinnen der Serie "Sex and the City", posieren 1998 auf einem Fotoshooting im "Kleinen Schwarzen". Erstmals wurde das schlichte schwarze Kleid 1926 von Coco Chanel in der amerikanischen Ausgabe der "Vogue" vorgestellt. Doch zur Legende wurde es erst, als...
...Audrey Hepburn 1961 als Partygirl Holly Golightly in "Frühstück bei Tiffany" (hier mit George Peppard) auftrat - gekleidet in ein Kleines Schwarzes des Designers Hubert de Givenchy. Der Film wurde zu Hepburns größtem Erfolg und das Kleine Schwarze fortan zum Standard des eleganten Cocktailkleides schlechthin. Das von Hepburn im Film getragene Exemplar wurde 2009 für 607.000 Euro bei Christie's versteigert.
Mode aus dem Schützengraben: Der leichte, wetterfest imprägnierte und meiste beigefarbene Trenchcoat, hier getragen vom englischen Schauspieler Clive Owen im Film "Hautnah" von 2004, ist heute einer der großen zeitlosen Klassiker der Herrengarderobe. Doch seinen Ursprung hatte das elegante Kleidungsstück auf dem Schlachtfeld: Nach dem ersten Weltkrieg wurde er von Thomas Burberry als leichter Mantel für Offiziere des Britischen Militärs entwickelt. Armeeangehörige niederer Ränge durften ihn nicht tragen. Den ersten großen Modeboom des Trenchcoats verursachte jedoch erst Jahre später...
...Humphrey Bogart, der im Filmklassiker "Casablanca" von 1942 und vielen seiner Filmauftritte als Detektiv Sam Spade und Philip Marlowe in den Militärmantel gekleidet auftrat. Der von Bogart getragenen Form des Trenchcoats sah man seinen militärischen Ursprung noch deutlich an: Die Schulterklappen des Mantels dienten ursprünglich der Befestigung von Rangabzeichen, der Gurt wurde im Militär zur Befestigung von Kartentaschen verwendet.
In den fünfziger Jahren war der Rollkragenpullover - in der hier von Uma Thurman getragenen schwarzen Variante - das Erkennungszeichen von linken Intellektuellen und Existenzialisten. Als Element eines neuen, burschikosen Schicks unter Frauen jedoch etablierte ihn erst...
...die französische Schauspielerin Jeanne Moreau in der Dreiecksgeschichte "Jules und Jim" von 1962, in der sie wie ein Mann gekleidet im Rollkragenpullover und mit gemaltem Schnurrbart mit ihren beiden Liebhabern um die Wette rennt und Zigarren raucht. In den sechziger Jahren galt der Rolli eine zeitlang als Erkennungszeichen von Feministinnen.
Carla Bruni-Sarkozy erscheint an der Seite ihes Gatten beim Empfang von Papst Benedikt XVI. in Paris im September 2008 ganz klassisch im Kostüm. Seit seinen Anfängen wurde das Kostüm, die strenge Kombination von Jacke und Rock, in Regentenhäusern getragen: So wurde das erste Kostüm schon 1885 vom englischen Schneider John Redfern für Prinzessin Alexandra von Dänemark entworfen. Doch als wahre Wegbereiterin des Kostüms gilt bis heute...
...Jacqueline Kennedy, Ehefrau des US-Präsidenten John F. Kennedy. Wie keine andere amerikanische First Lady zuvor machte "Jackie" Kennedy, hier am 28. März 1962 in London auf dem Weg zur Queen, durch ihr Gefühl für Mode auf sich aufmerksam: Bevorzugt erschien sie auf öffentlichen Auftritten im Kostüm - auch am 23. November 1963, als ihr Mann in Dallas erschossen wurde.
Spitz wie ein Bleistift: Im 19. Jahrhundert wurden eng geschnittene, nach unten spitz zulaufende Röcke noch "Humpelröcke" genannt, weil sie ihre Trägerinnen beim Gehen deutlich einengten. Doch in den fünfziger Jahren entwickelte Modedesigner Christian Dior den kürzeren, nur etwa knielangen "Bleistiftrock", hier getragen von Schauspielerin Jennifer Garner bei einer Filmpremiere 2011. Bekannt gemacht wurde der spitz zulaufende Rock maßgeblich durch...
...die amerikanische Schauspielerin Debbie Reynolds, hier bei ihrer Ankunft in Rom am 27. März 1959. Reynolds war abonniert auf die Rolle der braven Verlobten und trat dementsprechend bevorzugt im züchtigen Bleistiftrock auf.