Möbel aus alten Flugzeugteilen Schöner Schrott
Vom Möbelfachschüler zum Unternehmer: Stephan Boltz verkauft gebrauchte Flugzeugtrolleys. Die Firma "Bordbar" hat er zusammen mit seinem Freund und ehemaligem Kommilitonen Valentin Hartmann nach Abschluss der Möbelfachschule in Köln gegründet. Im vergangenen Jahr erzielten die beiden mit ihrer Firma einen Umsatz von 1,5 Millionen Euro. Das Geschäft mit Schrott aus Flugzeugen boomt.
Schön stabil: Dieser fast zwei Meter lange Tisch war einmal ein Stabilisator einer Boeing C-97 Stratofreighter, eines militärischen Frachtflugzeugs. Ursprünglich waren die Stabilisatoren mit Leinen überzogen. Boeing habe nur 74 Maschinen dieses Typs gebaut, sagt Sabine Geis. Sie betreibt seit 2006 zusammen mit ihrem Mann die Firma "Private Wing" und stellt Designermöbel aus alten Flugzeugteilen her. Der Tisch ist streng limitiert und kostet 4950 Euro.
Skulptur oder Kleiderständer? Die Propeller gehörten zu Militärmaschinen aus den dreißiger bis fünfziger Jahren. Im Original hatten sie eine Farblackierung. Je nach Größe und Zustand dauern die Polierarbeiten zwischen zehn und 25 Stunden. Das erklärt auch den hohen Preis: 1199 Euro kostet das kleinste Propellerblatt bei "Private Wing", 1999 Euro das größte. Es gibt sie auch in einer Garderobenausführung - mit Kleiderhaken.
Vom Bomber zum Stehtisch: Der Kern dieses Stehtischs ist ein Turbinenschaufelrad einer Boeing B-52. Den Langstreckenbomber setzte die US-Luftwaffe unter anderem im Vietnamkrieg ein. Der Tisch hat einen Durchmesser von einem Meter und kostet 1599 Euro, es gibt ihn auch in einer größeren Ausführung als Esstisch.
Vollversammlung: Zwei Hinterkantenklappen einer Beechcraft Model 18 Twin Beech, eines zweimotorigen Tiefdeckers, bilden die Basis für diesen drei Meter langen Konferenztisch. Die Oberfläche wurde mit Sand bestrahlt, lackiert und versiegelt, alle Nieten sind noch drin. Acht Leute können locker daran Platz nehmen. Verkaufspreis: 5400 Euro.
Aus Tank wird Tisch: Diese Tischchen waren einmal Zusatztanks eines Alpha Jets. Sie sind geschliffen und mit Klarlack versiegelt, für einen Aufpreis von 400 Euro gibt es sie auf Hochglanz poliert. Kosten ohne Extra-Politur: 1699 Euro.
Fürs Großraumbüro: Dieser Schreibtisch zeigt das Innenleben einer Boeing B-747-Tür. 4450 Euro kostet das exklusive Stück, wer es erwerben will, sollte vorher sein Büro ausmessen: Der Tisch aus der Tür ist 2,12 Meter lang und 1,40 Meter breit.
Arbeiten auf dem Flugzeugsitz: Auch die Lufthansa hat das Geschäft mit Designermöbeln aus Flugzeugteilen erkannt und verwandelt alte Sitze in Drehstühle. 750 Euro kostet dieses Exemplar.
Der Herr der Stühle: Die Idee zu dem Drehstuhl stammt von Jürgen Rumstig. Der ehemalige Pilot leitet den Lufthansa-Flugzeugsitzverkauf - und erzielt mittlerweile mit dem Sitzverkauf eine Rendite, die prozentual über der des gesamten Unternehmens liegt. "Die Fliegerei war wunderschön, aber hier bin ich selbständig und habe die größtmögliche Freiheit", sagt Rumstig. "Ich würde nicht mehr tauschen wollen."
Zwischenlager: 27.000 Sitze kamen allein in den letzten zwölf Monaten in das Lager im hessischen Babenhausen; die Lufthansa hat 2011 ihre komplette Europa-Flotte mit neuen Sitzen ausgestattet. 70 Kfz-Mechaniker, Metaller und Lackierer einer externen Firma sind damit beschäftigt, die Sitze aufzubereiten. Die meisten sollen wieder in die Luft: Sie werden an ausländische Fluglinien verkauft.
Farbtupfer auf dem Rollfeld: Für die Aufbereitung alter Trolleys zu Designer-Schränkchen wurden Valentin Hartmann und Stephan Boltz 2011 mit dem renommierten Red Dot Award ausgezeichnet.
Vom BWL-Studenten zum Arbeitgeber: Am Anfang schraubte Valentin Hartmann noch selbst, mittlerweile erledigen das fünf Angestellte. Er kümmert sich jetzt in der Firma "Bordbar" hauptsächlich um Verwaltung und Finanzen.
Elch im Wohnzimmer: Bei der Gestaltung der Trolleys haben Kunden die Wahl zwischen 16 Designs - oder eigenen Entwürfen. 979 Euro kostet ein gebrauchter "Bordbar"-Trolley, Schubläden und Böden muss man extra kaufen, kann sie aber auch jederzeit auswechseln.
Für Flaschen: Bei der Inneneinrichtung des Trolleys stehen auch Flaschenböden zur Wahl, für 45 Euro pro Stück.
Mobiles Büro: Wer will, kann seinen Trolley auch zur Arbeit mitnehmen. Er kann auch jederzeit gegen die Wand gefahren werden, ohne Schaden zu nehmen.
Übernachten bei Ete: Der holländische Unternehmer Ben Thijssen hat für 450.000 Euro die frühere Regierungsmaschine von Erich Honecker zum Luxushotel umbauen lassen. Thijssen entdeckte die abgewrackte IL-18 nach eigenen Angaben in Sachsen-Anhalt in dem Dorf Harbke zwischen Braunschweig und Magdeburg unweit der einstigen innerdeutschen Grenze. Sie sei dort einige Zeit lang als Kneipe benutzt worden. "Ich habe sie sofort für den Schrottwert von 25.000 Euro gekauft, denn auf so eine Gelegenheit habe ich schon lange gewartet", sagt der Unternehmer.
Hereinspaziert: Die Hotel-Iljuschin steht jetzt auf dem niederländischen Flugplatz Teuge. Vom Übernachtungserlebnis lenkt die Gäste nichts ab: Die nächsten Städte sind Deventer, Apeldoorn und Zutphen. Eine Übernachtung mit Frühstück kostet für zwei Personen 350 Euro. Für 20 Euro kann man einen Strauß rote Rosen dazubuchen.
Fast wie neu: Nur das Cockpit der Iljuschin ist noch im Originalzustand. Wo früher Sitze waren, wurden Whirlpool, Infrarotsauna, Minibar und Doppelbett eingebaut. Sogar eine Teeküche mit Mikrowelle gibt es, außerdem drei Flachbildfernseher, einen Blu-Ray-DVD-Player und eine "großzügige DVD-Sammlung".