Mofa-Tuning Höllenritt für Halbstarke
Mokick-Traum: Dieses Garelli Bonanza Mokick wurde ebenso wie die Zündapps in den siebziger Jahren produziert.
Achim Oltersdorf
Malaguti Ronco 21: Ja, ein Mofa mit 4-Gang-Fuß-Schaltung. Eine richtige Koordinationsübung mit drei Handhebeln am Lenker. Und einen (Tuning-)Wettbewerbssatz mit 9,6 PS gab es auch. Der 22er Dellortho-Vergaser machte einen Riesenkrach, kein Auspuff mehr zu hören. Die drei Kilometer entfernte Polizeistation wußte sofort, wenn die Ronco wieder "on the road" war.
Mit Spiegelglanz: Es geht nicht immer nur um Geschwindigkeit - wie dieses Mofa im Stil einer Discokugel beweist.
Tandem: Ein Mofa war in den siebziger und achtziger Jahren ein garantierter Stich beim Werben junger Männer um die Gunst junger Damen. Blöd nur, dass auf den meisten Mofas das Herzblatt mangels Sozius gar nicht mitfahren konnte. Der Besitzer dieses Mopeds schuf Abhilfe - mit einem motorisierten Tandem.
Rasant auf der Straße: Robuste Marken wie etwa Zündapp waren vor allem in ländlichen Gebieten sehr beliebt. Jugendliche in Großstädten setzten dagegen bevorzugt auf Mofas vom Typ Ciao oder Bravo des italienischen Herstellers Vespa.
Velo Solex: Die junge Brigitte Bardot 1971 mit ihrem Solex-Mofa bei einem Ausflug ins Grüne. Die französische Velo Solex ist ein echter Klassiker: Der Hilfsmotor wird über einen Hebel auf das Vorderrad abgesenkt und treibt dieses dann über eine Reibrolle an. Ein simples, robustes Prinzip, für Geschwindigkeiten um die 25 Stundenkilometer absolut unbedenklich. Doch auch bei der Solex mögen's manche scheinbar heißer: Deutschen Polizeibeamten ging auch schon mal eine frisierte Solex ins Netz - mit 70 Sachen.
Ratte auf Rädern: Diese extrem modifizierte Puch Maxi S von Andreas Schoone aus der "Puch Maxi Schmiede Ostfriesland" läuft trotz aerodynamisch ungünstiger Teelichtlampe laut Prüfstand eine Höchstgeschwindigkeit von 106 Km/h.
Schnelles Ende: Mitte der achtziger Jahre verblasste das coole Image der Mofa-Fahrer. Geänderte Führerscheinbestimmungen, Helmpflicht, neue Klassen und einem dem Zeitgeist nicht entsprechendes Styling machten die kleinen Flitzer unpopulär.
Immer zuverlässig: Ein Mofa zu frisieren war gar nicht so schwer, zumal verschiedene Händler gleich ganze Tuning-Sätze anboten. Wie Weihnachtspakete waren die Auspuffanlagen, Ritzel und Vergaser im Verkaufsraum drapiert und versprachen mehr PS.
Choppermofa: Der Besitzer dieser Rizzato Automatic M 25 setzte nur bei der Motorisierung auf Understatement und beließ sie im Originalzustand. Die Eigenbau-Gabel aus hochfestem und säurebeständigem 5mm-Edelstahl hingegen kommt nicht ab Werk - hat hier jemand Easy Rider gesagt?
Mofa-Schönheit: Ob Schule, Disco oder Baggersee - wer in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern mit dem Mofa vorfuhr, war einfach cooler als der Rest.
Sonnenstrahl auf zwei Rädern: Diese eher unscheinbar wirkende Hercules HR 1 läuft lockere 105 Stundenkilometer.
Ciao-Werbung: Mit schönster Familienidylle bewarb der italienische Hersteller Vespa seine Mofa vom Typ Ciao. Die Wirklichkeit sah anders aus - mithilfe von Rennsätzen Marke Malossi und anderen Modifikationen verwandelten jugendliche das grazile Zweirad in wahre Geschosse, die dann weit über 100 Stundenkilometer liefen. Diesen Belastungen waren weder die Bremsen noch das Fahrwerk gewachsen. Nicht selten kam es zu einem Rahmen- oder Gabelbruch - mit oft tödlichem Ausgang für den Fahrer.
Fertig für den nächsten Ritt: Ebenfalls eine Puch Maxi N von Andreas Schoone und seinen Puch-Spezialisten. Diese läuft (nur) 95 Stundenkilometer, dafür hat sie neben allerlei anderen schnellen Extras einen 2-Liter Zusatztank.
Mit vergoldeten Speichenrädern: Diese kaum noch zu erkennende Hercules Hobby-Rider-Basis rennt dank einiger Modifikationen laut Besitzer echte 70 Stundenkilometer. Den Ordnungshütern war das wohl zu viel: Eigner Heinz S. ist stolz auf seinen Original-Bußgeldbescheid mit Zusatzvermerk "Die Weiterfahrt wurde untersagt!".
Noch im Ausbau:Diese vermeintlich nackte Hercules Prima 5 S steckt voller technischer Rafinessen. Alle Laien bitte Anschnallen: 15er Bing Vergaser, Rennluftfilter, Biturbo Rennauspuff, 28er Krümmer, 32er Kettenrad, 12er Ritzel vorne, stärkere Lager im ganzen Motor, aufgebohrte Benzindüse, anderer Tank, komplett umlackiert, 17er Alufelgen. Noch Fragen?
Der Popper und sein Mofa: "Das Mofa wird mehr geliebt als alles andere" schreibt der Popper-Knigge aus dem Jahre 1979 vor. Getunt hat der Popper das geliebte Wesen allerdings meistens nicht, zumindest nicht selbst - er wollte schließlich nicht mit ölverschmierten Fingern herumlaufen.
Heiße Öfen für coole Typen: Dieses Werbemotiv für eine Hercules GX war erfrischend ehrlich - in Wahrheit benutzten die meisten jugendlichen der achtziger Jahre ihre Mofas vor allem dazu, möglichst laut und Eindrucksstark vor der Eisdiele aufzufahren.
Malaguti Cavalone: Dieses Mockick hatte ich als 16-Jähriger. Es besaß sechs Gänge und war zum Friesieren prädestiniert.