Styropor, Plastik und Alu Aus Müll wird Kleidung
Diese kniende Frau wirkt wie einem Gemälde des altniederländischen Künstlers Jan Van Eyck entsprungen, doch schaut man genau hin, erkennt man einen Recycling-Code auf ihrer Kopfbedeckung, an ihrem Arm und Oberkörper.
Der große Ring am Finger der Porträtierten besteht nicht etwa aus Gold, sondern ist aus dem Deckel einer Blechdose, die große Haube ist aus Verpackungsmaterial geformt.
Die niederländische Künstlerin Suzanne Jongmans stellt aus Kunststoff, Luftpolsterfolien, Styropor, Filz und anderen Verpackungsmaterialien aufwendige Outfits her - wie diesen Kopfschmuck und das verzierte Jäckchen.
"Ich mag es, dass verwendete Materialien bereits eine Geschichte in sich erzählen", sagt Jongmans. "Ich benutze diese Bedeutungen, um eine neue Geschichte zu erschaffen."
In Kleidung, Posen, Ausdruck und Beleuchtung verweisen Jongmans Werke auf historische Porträts der Renaissance oder des Barock.
Dieses Foto entstand in Anlehnung an Prinzessin Margarita in Diego Velázquez' Gemälde "Las Meninas" aus dem Jahr 1656. Selten verweisen Jongmans Bilder auf konkrete Gemälde.
Jongmans macht Hunderte von Bildern, bis die Porträtierten vergessen, dass sie als Fotografin anwesend ist - und die Männer, Frauen und Kinder einen in sich gekehrten Gesichtsausdruck annehmen.
Alle Porträts nahm Jongmans vor einem schwarzen Hintergrund auf, so dass die Porträtierten deutlich hervortreten. Das Kostüm dieses Mädchens ist relativ schlicht gehalten.
Dieses imposante Kleid scheint jedoch sehr aufwendig gestaltet. Jongmans brauchte für manche der Kostüme wochen- selten sogar monatelang, um sie herzustellen.
Sogar die Windel dieses Babys nähte Jongmans aus Verpackungsmaterial. Das Foto erinnert an Mariendarstellungen.
Vor allem geht es Jongmans darum den alten Materialien ein neues Leben einzuhauchen: "Die Verwendung des Restmaterials ist eine Reaktion auf den Massenkonsum, der uns umgibt."
Die Kurzlebigkeit mancher Materialien und Kleider stünden im krassen Gegensatz zu einer Zeit, in der die Kleidung viel länger getragen wurde als nur eine einzige Saison.