Mondschwindel 1835 - DER SPIEGEL
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Mondschwindel 1835 Fledermausmenschen auf dem Erdtrabanten

Sensationsfund im All! Mit einer großen Artikelserie versetzte die Tageszeitung "New York Sun" 1835 die Welt in Aufruhr: Ein Wissenschaftler hatte mit einem gigantischen Fernrohr Wesen auf dem Mond beobachtet. Am Ende wusste nur einer nichts von der bahnbrechenden Entdeckung - der Entdecker selbst.
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Fröhliche Mondgesellschaft: Bei seinen Mondbeobachtungen, so schrieb die "New York Sun", habe John Herschel zwei verschiedene Arten von "Fledermausmenschen" gesehen. Genauso fantasievoll wie der Autor der Artikelserie setzen die Zeichner die angeblichen Beobachtungen des Forschers ins Bild.

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Die Mondwelt: Eine fabelhafte Welt auf dem Mond beschrieb die "New York Sun", in der es weiße Sandstrände gab, gesäumt von farbigen Felsen, riesige Amethystkristalle in der Form von Pyramiden, Bisons, Minizebras und Ziegen-Einhorn-Verschnitte.

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Das Wundergerät: So stellte sich ein Zeichner der New York Sun das gigantische Teleskop vor, mit dem der Astronom Herschel die Wunderwelten auf dem Mond gesehen haben wollte. Angeblich konnte man damit auf dem Erdtrabanten selbst Objekte mit nur einem Durchmesser von 50 Zentimetern erkennen.

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Sir John Frederick William Herschel: Der britische Astronom war zur Zeit des großen "Moon Hoax" 1834 bereits für seine wissenschaftlichen Erkenntnisse weltbekannt. Der Sohn des Uranus-Entdeckers Wilhelm Herschel hatte bereits mehrere astronomische Schriften veröffentlicht. Darin ging es allerdings um Nebelflecken, Sternhaufen und Doppelsterne - nicht um geflügelte Fabelwesen.

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Wunderwelt: Dem "New York Sun"-Bericht zufolge war der Mond wie eine zweite Erde, mit Seen, Wäldern, Hügeln und einem rundum "romantischen Charakter", deren geflügelte Bewohner "zweifelsohne unschuldige und fröhliche Kreaturen" seien und den lieben langen Tag nichts weiter täten "als verschiedene Früchte in den Wäldern zu sammeln, zu essen, zu fliegen und zu baden".

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Ein Astronom auf Reisen: John Herschel war tatsächlich - wie die "New York Sun" geschrieben hatte - 1833 nach Südafrika gereist, um den südlichen Sternenhimmel zu erforschen. Wahr ist auch, dass er zwei der damals größten Fernrohre mit dabei hatte. Diese hatten allerdings bei weitem nicht die Ausmaße, wie die "New York Sun" sie beschrieben hatte - laut ihrer Story wog die größte Linse, die jedes Objekt 42.000 Mal größer erscheinen ließ, allein schon sieben Tonnen.

Foto: Getty Images
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Leben auf dem Mond: Ganz und gar fabelhafte Kreaturen lebten auf dem Mond - zumindest, wenn es nach den Märchenonkeln der "New York Sun" ging. Mondbisons, die sich vor allem durch eine Fleischwulst über den Augen von ihren irdischen Verwandten unterschieden - vermutlich um sie vor "den Extremen des Lichts zu schützen". Aber auch blaue, Ziegenartigen Wesen mit einem Bart und einem einzelnen Horn auf der Stirn würden auf dem Erdtrabanten leben.

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"Die Reise zum Mond": Phantastische Welten auf dem Erdtrabanten stellte sich auch 1902 der französische Regisseur Georges Melies in seinem Film vor. Allerdings waren seine, Seleniten genannten, Mondbewohner weit weniger friedlich als die von der "New York Sun" erdachten Fledermausmenschen.

Foto: ddp images
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?