Montagsdemos 1989 - DER SPIEGEL
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Montagsdemonstration am 4. September 1989 "Wir mussten uns dieses Land zurückerobern"

Sie wurde bespitzelt, gedemütigt, weggesperrt - und hat trotzdem gesiegt: Als 20-Jährige trat Katrin Hattenhauer gemeinsam mit ihren Mitstreitern die Proteste vom 4. September 1989 los und ohrfeigte den DDR-Staat vor laufenden Westkameras.
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Botschaften auf Bettlaken: Kaum hatten Katrin Hattenhauer und Gesine Oltmanns am 4. September 1989 ihr Transparent entrollt, rissen Mitarbeiter der Staatssicherheit den beiden Mädchen das Banner aus den Händen (Foto). Weil Katrin Hattenhauer nicht loslassen wollte, stürzte sie zu Boden und wurde ein paar Meter mitgeschleift. Bis zuletzt...

Foto: RAINER KLOSTERMEIER/ ASSOCIATED PRESS
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"Raus aus der Kirche": Rund 600 Demonstranten verliehen ihrem Ärger über das DDR-System am 4. September 1989 vor der Nikolaikirche in Leipzig Ausdruck. Die Proteste,...

Foto: Rainer Klostermeier/ ASSOCIATED PRESS
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...die nach dem traditionell montags stattfindenden Friedensgebet ausbrachen, waren der Katalysator für die berühmten Montagsdemonstrationen (Foto vom 4. September 1989). Initiiert wurde diese friedliche Revolution...

Foto: Rainer Klostermeier/ AP
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...von Menschen wie etwa Katrin Hattenhauer, Gesine Oltmanns, Jochen Läßig, Thomas Rudolph, Uwe Schwabe und Rainer Müller. "Uns war klar: Die Unzufriedenheit musste raus aus der Kirche und auf die Straße. Wir mussten uns dieses Land zurückerobern", sagt Katrin Hattenhauer im Rückblick. Das Foto zeigt Demonstranten am 4. September 1989.

Foto: imago
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"Ich kann etwas ändern am System": Katrin Hattenhauer als Teenager (Foto von 1983). Mit 15 Jahren begann sich die gebürtige Nordhäuserin, in einer örtlichen Umweltschutzgruppe zu engagieren. "Erstmals habe ich gemerkt: Ich kann etwas ändern am System", sagt die heute 45-Jährige im Interview.

Foto: Katrin Hattenhauer
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Widerstandskämpferin: 1988 ging Katrin Hattenhauer nach Leipzig und begann mit dem Studium der Theologie. Als eine der jüngsten Mitglieder wurde sie dort in den "Arbeitskreis Gerechtigkeit" aufgenommen: eine Ende 1987 von Studenten des Theologischen Seminars gegründete, international vernetzte Organisation, unter deren Dach sich verschiedene Oppositionsgruppen vereinten.

Foto: Katrin Hattenhauer
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DDR-Drohkulisse: In den Wochen nach dem 4. September 1989 brachten sich die DDR-Volkspolizisten regelmäßig in Stellung, um die Demonstranten im Anschluss an die Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche einzuschüchtern (Foto vom 18. September 1989). Die Gebete fanden seit 1982 immer montags statt, maßgeblicher Initiator war der Pfarrer Christoph Wonneberger.

Foto: imago
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Verkörperte Angst: Dieses Gemälde malte Katrin Hattenhauer in der Zeit um den 4. September 1989. "Zwei Freundinnen" heißt es, zu sehen sind zwei Frauen mit weit aufgerissenen Augen, die sich schützend aneinanderschmiegen. "Die Friedliche Revolution hat mit Einzelnen begonnen, die zusammengestanden haben, wie die Mädchen auf dem Bild. Es ist ein Bild, das von Angst und vom Hoffen handelt, noch nicht vom Sieg ", sagt Künstlerin Hattenhauer. Auch aus jener Zeit...

Foto: Katrin Hattenhauer
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...stammt ihr Gemälde des zwar knallbunten, aber in sich zusammen gesunkenen, völlig resigniert wirkenden Harlekins. Die Künstlerin wollte die Bilder aus jenem Herbst 1989 vernichten - doch ihr Ehemann hat die Gemälde gerettet. Heute hängt das Bild "Zwei Freundinnen" im Altarraum der Nikolaikirche.

Foto: Katrin Hattenhauer
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Politik der Gummiknüppel: Am 7. Oktober 1989 ging das SED-Regime mit großer Brutalität gegen seine Gegner vor. Ein gigantisches Polizeiaufgebot im ganzen Land sollte dafür sorgen, dass die Feiern zum 40. Jahrestag der DDR-Gründung nicht außer Kontrolle gerieten. Proteste während der Jubiläumsfeierlichkeiten wurden gewaltsam niedergeknüppelt.

Foto: © Str Old / Reuters/ REUTERS
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Sieg der friedlichen Revolution: Mehr als 70.000 Menschen zogen am Montag, dem 9. Oktober 1989, durch die Leipziger Innenstadt und riefen Slogans wie "Keine Gewalt!" und "Wir sind das Volk!" Anders als befürchtet kam es nicht zu einer blutigen Auseinandersetzung - die friedliche Revolution hatte gesiegt. Ungehindert strömte der Menschenpulk über den Ring bis hin zur Stasi-Zentrale. Während...

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-1989-1023-022
Zum digitalen Bildarchiv des Bundesarchivs

Foto: Das Bundesarchiv/ Friedrich Gahlbeck
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...die Menschen draußen auf den Straßen protestieren, saß eine der Initiatorinnen der Proteste, Katrin Hattenhauer, im Gefängnis und hatte nicht die geringste Ahnung, was in Leipzig vor sich geht. Sie wusste nicht: Feierten die Menschen dort draußen - oder trauerten sie?

Foto: © Reuters Photographer / Reuter / REUTERS
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"Gorbi, Gorbi, hilf uns!": Mit Transparenten wie "Gorbi, Gorbi, hilf uns!" oder "Visafrei von Rostock bis Shanghai" demonstrierten die Leipziger Bürger auch am 24. Oktober 1989 zu Tausenden gegen ihr eigenes Land.

Foto: AP
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Trauma der Haft: Knapp fünf Wochen lang war Katrin Hattenhauer im Stasi-Gefängnis inhaftiert. In der ersten Nacht nach ihrer Freilassung am 13. Oktober 1989 malte die Künstlerin dieses Bild - es trägt den Titel "Rückkehr in die Freiheit".

Foto: Katrin Hattenhauer
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?