Nach 16 Jahren geklärt Der Fall Gertrud Ulmen
Gertrud Gabriele Ulmen wurde im März 1996 von ihrem Ehemann als vermisst gemeldet. Am 24. März benachrichtigte er Ulmens Familie: Seine Ehefrau habe soeben angerufen, sie sei wohlauf und habe sich mit ihrem Liebhaber - einem portugiesischen Geschäftsmann - ins Ausland abgesetzt. Sie habe sich für die letzten Ehejahre mit ihm bedankt und für die Sorgen, die sie ihm in den vergangenen Tagen bereitet habe, entschuldigt.
Der Leiter der Mordkommission der Bonner Polizei Werner Jüssen (v.l.), der Leiter der Kriminalinspektion 1, Hans-Willi Kernenbach, Polizeisprecher Harry Kolbe und Staatsanwalt Robin Fassbender bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Staatsanwaltschaft Bonn und der Bonner Polizei im Polizeipräsidium in Bonn am vergangenen Dienstag vor einem Fahndungsfoto von Gertrud Ulmen. Sie gaben bekannt, dass die vermisste 41-Jährige bereits im März 1996 getötet wurde.
Wolfgang Kaes, leitender Redakteur beim Bonner General-Anzeiger: Er hat den Vermisstenfall Gertrud Ulmen nach 16 Jahren neu aufgerollt - und dadurch die Polizei zu erneuten Ermittlungen aufgefordert. Kaes fragte bei der Polizei nach. "Die waren dort ganz perplex, wussten nicht mehr, ob sie überhaupt je ermittelt hatten", erinnert sich der 53-jährige Journalist. Eine Akte gab es nicht mehr. "Da stimmt was nicht", dachte Kaes.
Rekonstruktion der Ermittler von 1996: So könnte die Tote, die ein Radfahrer zufällig fand, ausgesehen haben - tatsächlich handelte es sich bei der Toten um die vermisste Gertrud Ulmen.
Fahndungsaufruf der Polizei: 16 Jahre lang blieb der Fall Gertrud Ulmen ungeklärt. Ulmens Ehemann verwickelte sich bei der Befragung der Polizei Bonn in Widersprüche. In der Nacht zum Dienstag legte er ein Geständnis ab: "Im Zuge eines Streits hat er seine Ehefrau mit einem Kissen erstickt und ihren Leichnam entsorgt", sagt Staatsanwältin Karin Essig. Gegen den 57-jährigen Physiotherapeuten erging Haftbefehl wegen Totschlags.