Mordfall JonBenét Ramsey Der Tod einer Schönheitsprinzessin
JonBénet Ramsey gewann schon in jungen Jahren zahlreiche Titel wie hier 1996 ("America's Royale Little Miss National Beauty Pageant"). Sie wurde nur sechs Jahre alt. An Weihnachten 1996 wurde sie in ihrem Elternhaus ermordet - die Tat ist bis heute nicht aufgeklärt.
imago/ZUMA Press
Polizeiarbeit: Ein Ermittler verlässt am 3. Januar 1997 das Haus der Familie Ramsey in Boulder (Colorado). Die Spurensicherung war schwierig, weil die Leiche des Mädchens bewegt worden war und Freunde und Nachbarn der Ramseys ins Haus gekommen waren.
Aufgetakelt für Kinderwettbewerbe: Als Fotos von JonBénet als Schönheitsprinzessin nach dem Mord gedruckt wurden, explodierte das öffentliche Interesse an dem Fall.
JonBénets Eltern: John und Patsy Ramsey im Mai 1997, knapp ein halbes Jahr nach dem Mord an ihrer Tochter. Die Eltern gerieten im Laufe der Ermittlungen selbst unter Verdacht, wurden 2008 aber rehabilitiert.
JonBénet im Alter von fünf Jahren als Cowgirl bei einem Schönheitswettbewerb. Wenige Monate nach dieser Aufnahme wurde das Kind getötet.
Patsy Ramsey im Jahr 1993 mit ihren Kindern Burke und JonBénet. In einer Dokumentation legte der TV-Sender CBS im Herbst 2016 nahe, Burke Ramsey, zur Tatzeit selbst erst neun Jahre alt, habe seine Schwester umgebracht; die Eltern hätten die Tat vertuscht. Burke Ramsey verklagte CBS danach auf 750 Millionen Dollar. Man habe Rufmord betrieben, um Aufmerksamkeit für die Sendung zu bekommen und Gewinn zu machen, warf er dem Sender vor.
Im Labor: Die Ermittler hatten Tausende Spuren im Mordfall JonBénet gesichert, doch bis heute führte keine zum Täter.
JonBénet im Fotostudio (Oktober 1994): Noch immer gibt es zahlreiche Theorien, was Weihnachten 1996 im Haus der Ramseys geschehen sein könnte. Die Mutter hatte zunächst einen Erpresserbrief gefunden und bei der Polizei angerufen, dann entdeckte der Vater das Mädchen tot im Keller, gefesselt, geknebelt und mit Schlagverletzungen am Kopf.
Patsy Ramsey nahm in ihrer Jugend selbst an Schönheitswettbewerben teil. Das Foto zeigt sie 1977, als sie den Titel der Miss West Virginia gewann.
Kinderstar: Patsy Ramsey übertrug ihre Vorliebe für Schönheitskonkurrenzen auf ihre Tochter.
Grabstein: Patsy Ramsey starb 2006 an Krebs und wurde in Marietta (Georgia) beerdigt, an der Seite ihrer rund zehn Jahre zuvor ermordeten Tochter JonBénet.
Überraschende Spur: Im August 2006 wurde in Bangkok der amerikanische Lehrer John Mark Karr verhaftet. Zehn Jahre nach dem Mord schien die Aufklärung nah.
Der 41-jährige Karr, hier auf einem Computermonitor zu sehen, hatte zuvor verdächtige E-Mails an eine Professorin in Colorado geschrieben, angeblich mit Insider-Wissen. Und tatsächlich gestand er, den Tod des Mädchens verschuldet zu haben, angeblich ein "Unfall".
Karr schien von JonBenét besessen und lebte damals ebenfalls in Boulder; nach Thailand ging er auf der Suche nach einem Job als Englischlehrer. Doch für eine Täterschaft fanden sich keinerlei Beweise - trotz des Geständnisses verzichtete die Staatsanwaltschaft auf eine Anklage.
Haftbefehl aufgehoben: Ende August 2006 verkündete die Staatsanwaltschaft in Colorado, dass die Ermittlungen gegen Karr fallengelassen werden. Seine DNA stimmte nicht mit Spuren überein, die am Tatort sichergestellt werden konnten. Zudem verstrickte er sich in Widersprüche, und seine Familie versicherte, dass er Weihnachten in Atlanta statt in Boulder verbracht habe.
Filmemacher und Journalist Lawrence Schiller recherchiert seit über zwanzig Jahren an dem Mordfall. Seine Ergebnisse sind in ein Buch und in eine zweiteilige TV-Dokumentation eingeflossen, die nun auf SPIEGEL Geschichte zu sehen ist.
"Casting JonBonét": 2017 widmete sich auch Netflix dem Thema mit einer ungewöhnlichen Doku-Fiktion (Szenenbild). Für eine angebliche Spielfilmadaption des Falls bewarben sich Laiendarsteller vor der Kamera für die einzelnen Rollen. Sie sind aus Boulder, einige aus der direkten Nachbarschaft der Ramseys.
Darstellerin von JonBenét: Im Netflix-Film mischen sich Fiktion und Wirklichkeit. Es ist ein Bildschirmexperiment und, anders als andere Formate über ungeklärte Verbrechen, keine Spurensuche nach dem realen Täter.