Mossad Die Operation "Vitamin C"
Heinz Krug verschwand am 11. September 1962. Jahrzehntelang blieb sein Schicksal unklar. Im neuen SPIEGEL-Buch "Der Schattenkrieg" belegt der israelische Geheimdienstexperte Ronen Bergman jetzt: Der Münchner Geschäftsmann wurde vom israelischen Geheimdienst Mossad entführt, verhört und dann umgebracht.
In einer Dokumentation von SPIEGEL TV auf Grundlage von Bergmans Recherchen tritt dieser ehemalige Mossad-Agent als Oded auf und schildert, wie er Heinz Krug 1962 in den Münchner Hinterhalt führte, wo Mossad-Chef Isser Harel mit seinem Entführungsteam wartete. Der Doku zufolge, die am 22. Januar um 23.30 Uhr im Ersten läuft, wurde Krug in einem Geheimgefängnis monatelang verhört, dann erschossen und sein Leichnam über dem Meer abgeworfen.
Heinz Krug (links) in Ägypten: Der Jurist war in München Geschäftsführer der Firma Intra. Als deutsche Forscher, darunter Altnazis, im Auftrag Ägyptens Raketen entwickelten, sorgte Krug über Intra für das notwendige Material und den Transport nach Ägypten.
Ägyptens Staatspräsident Gamal Abdel Nasser setzte ab den Fünfzigerjahren auf deutsche Raketentechniker, um die Schlagkraft seiner Luftwaffe zu erhöhen. Das wurde in Israel als massive, als existenzielle Bedrohung wahrgenommen, die der Mossad verhindern wollte.
Raketen in Ägypten: Die Mossad-Operation gegen die bedrohlichen Flugkörper erhielt den Codenamen "Vitamin C". Heinz Krugs Hinrichtung war nur der Beginn der Geheimdienstaktionen gegen die Raketenbauer.
SPIEGEL-Ausgabe vom 8. Mai 1963: In dieser Titelgeschichte berichtete das Magazin darüber, wie "knapp 500 hochbezahlte deutsche Waffenschmiede die Rüstung für den neuen Pharao der farbigen Welt fertigen: Düsenflugzeuge und Raketen für Gamal Abd el-Nasser".
Otto Skorzeny war ehemals Obersturmbannführer der SS, Anfang der Sechzigerjahre soll der Mossad ihn angeworben haben. 2016 sorgte eine Geschichte für Furore, wonach Krug von Skorzeny erschossen und in Säure aufgelöst worden sei. Bergmans Spurensuche belegt nun, dass Krug auf andere Weise starb.
Wolfgang Pilz war zur NS-Zeit als Triebwerkspezialist im Raketenforschungszentrum Peenemünde tätig. Ins Visier Israels geriet er, weil er zur zweiten Generation deutscher Forscher in Kairo gehörte, die in Ägypten für Nasser arbeiteten. Auf Pilz wurde im November 1962 ein Briefbombenattentat verübt; seine Sekretärin öffnete den Umschlag und erblindete. 1965 kehrte Pilz nach Deutschland zurück und starb 1994.
Wolfgang Lotz konnte reiten - doch das war nur Teil seiner Tarnung. Spion war sein eigentlicher Beruf. Für den Mossad arbeitete er ab 1960 als vermeintlicher millionenschwerer Pferdezüchter in Kairo. In Wahrheit sollte er hochrangige ägyptische Militärs und die deutschen Raketenforscher ausspionieren - und verschickte an Israels Feinde Briefbomben.
Militärkarriere: Bevor Lotz in den Dienst des Mossad trat, diente er als Berufssoldat in der israelischen Armee. Als er deutsche Raketenentwickler und Alt-Nazis in Ägypten ausspionieren sollte, hießen sie ihn in ihren Reihen willkommen. Ein Grund: Der Mann mit den perfekten Deutschkenntnissen, zudem blond und blauäugig, gab vor, unter Wüstengeneral Erwin Rommel gedient zu haben. Erst 1965 flog Lotz nach vier Jahren auf und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, kam aber bereits nach drei Jahren wieder frei.
"Champagnerspion" a.D.: Mit seiner deutschen Frau kehrte Lotz zunächst nach Israel zurück und dann in die USA, doch seine Geschäftsideen in beiden Ländern floppten. Zuletzt verkaufte Lotz in einem Münchner Kaufhaus Angeln. 1993 starb er einsam und verarmt in München und wurde in Israel beerdigt.
Im neuen SPIEGEL-Buch Der Schattenkrieg beschreibt Ronen Bergman die Dimension der geheimen Tötungskommandos des Mossad, von der Staatsgründung Israels bis heute.