Motorsport - DER SPIEGEL
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Motorsport Tiefflieger auf vier Rädern

Renngeschosse mit mehr als 500 PS und Zuschauer mitten auf der Piste: Mit einem neuen Klassement hielt 1983 der Wahnsinn Einzug in den Rallyesport. Fahrer und Fans riskierten ihr Leben, die Verantwortlichen schauten weg. Dann starben Menschen - und mit ihnen die legendären Monstermaschinen der sogenannten Gruppe B.
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Walter Röhrl im Audi Quattro: Alltag für Rallyfahrer zu Zeiten der Gruppe B Mitte der achtziger Jahre - die Zuschauer standen nicht sicher und weit entfernt von der Piste, sondern direkt am Rand. Und oft genug auch mitten darauf. Für die Piloten war das ein unlösbares Dilemma: Wollten sie nicht Menschenleben riskieren, mussten sie vom Gas gehen - und vergaben damit oft genug ihre Chance auf den Sieg.

Foto: Audi
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Hannu Mikkola auf Kollisionskurs: Rallye San Remo 1983 - und die Zuschauer stehen mitten auf der Piste. Viele Fans suchten Mitte der Achtziger bei Rallyes den absoluten Nervenkitzel - und sprangen erst im letzten Moment zur Seite.

Foto: Audi
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Peugeot 205 T16 in voller Fahrt: Bruno Saby zeigt den italienischen Fans bei der Rallye San Remo 1985, wie man ein Gruppe-B-Auto fährt.

Foto: McKlein
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Unfall in Portugal: Der Ford RS200 von Joaquim Santos nach dem tragischen Unfall bei der Rallye Portugal 1986. Santos hatte in einer Linkskurve die Kontrolle über seinen Wagen verloren und war ungebremst in die direkt an der Strecke stehenden Zuschauer gerast. Drei Fans starben, 31 wurden teilweise schwer verletzt.

Foto: McKlein
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Boykott nach dem Unfall: Im Hotel Estoril Sol in Portugal beschließen die Fahrer den Boykott der Rallye Portugal. Bereits am ersten Tag der Rallye war es zu einem tragischen Unfall gekommen, bei dem drei Menschen getötet und 31 teils schwer verletzt worden waren. Vor allem in Portugal gab es damals kaum eine Zuschauerkontrolle. Die Fans standen direkt and der-, teilweise auch mitten auf der Piste - und sprangen erst im letzten Moment zur Seite.

Foto: McKlein
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Brutale Beschleunigung: Stig Blomqvist 1985 in Finnland. Trotz des umfangreichen Aerodynamik-Paketes des Audi Quattro hob der Wagen wegen der brachialen Leistung beim Beschleunigen die Frontpartie. Von Null auf Hundert in 2,5 Sekunden, von Null auf Zweihundert in 9,8 Sekunden - da halfen auch die Flügel nicht, die Nase des Wagens auf den Boden zu pressen.

Foto: Audi
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Ari Vatanen auf dem Weg nach oben: Seinen ersten WM-Sieg feierte der Peugeot 205 T16 mit Ari Vatanen am Steuer im August 1984 bei der 1000-Seen-Rallye in Finnland.

Foto: McKlein
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Der erste Gruppe-B-Renner: Miki Biaison bei der Rallye San Remo 1983 im Lancia 037 mit Totip-Lackierung. Der Lancia 037 war das erste waschechte Gruppe-B-Rally-Fahrzeug und deswegen noch regelrecht zahm - zumindest im Vergleich mit den späteren Gruppe-B-Monstern.

Foto: McKlein
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Stig Blomqvist im Ford RS200: Der Schwede gibt seinem Gruppe-B-Ford bei der Akropolis-Rallye 1986 die Sporen. Ford war von der Tragik der Gruppe B besonders betroffen: Bei der Rallye Portugal raste Joaquim Santos auf einem RS200 in die an der Piste stehenden Zuschauer. Drei Fans starben, 31 wurden teilweise schwer verletzt. Bei der Hessen-Rallye 1986 kam der RS200 von Ex-Formel-1-Pilot Marc Surer bei voller Fahrt von der Strecke ab, prallte gegen einen Baum und ging in einem Feuerball auf. Surer hatte Glück: Er wurde aus dem Auto geschleudert und überlebte schwer verletzt. Sein Beifahrer Michel Wyder starb.

Foto: McKlein
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Notizen für das Roadbook: Ikka Kivimäki bei der Arbeit während der Rallye Korsika 1984. Den Co-Piloten kamen im Rallyesport eine zentrale Bedeutung zu. Aus ihrem sogenannten Roadbook lasen sie dem Fahrer aus kryptischen Kürzeln bestehende Fahranweisungen vor. "Kuppe ++ eins Rechts" zum Beispiel bedeutete: Kuppe langsam anfahren, anschließend kommt eine spitze Rechtskurve.

Foto: McKlein
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Fans direkt an der Piste: Juha Kankkunen auf dem Weg zum Sieg in Neuseeland. Man beachte den direkt an der Strecke sitzenden Fotografen.

Foto: McKlein
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Röhrl in San Remo: Walther Röhrl bei der Rally San Remo im Audi Quattro. Audi hatte als erster Hersteller im Rallyesport seinen Fahrzeugen ein umfangreiches Aerodynamik-Paket verpasst. Gigantische Front- und Heckspoiler pressten den Quattro auf die Piste.

Foto: McKlein
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Blick in den Motorraum des Peugeot 205 T16: Während die zivile Straßenversion des Peugeot 205 mit Front-Motor und Vorderradantrieb auskam, mutierte die Gruppe-B-Variante zum Mittelmotor-Monster mit Allradantrieb. Das Triebwerk wurde vor die Hinterachse verlegt und mittels eines Turboladers auf gut 500 PS gepumpt. Um den Wagen auf Rallyes schneller warten zu können, ließ sich die Heckhaube komplett abnehmen - und gab den ungehinderten Blick auf das Herzstück des Peugeot 205 T16 frei.

Foto: McKlein
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Heckansicht des Audi S1: Blick auf den Kühler des Audi Quattro E2. Obwohl der Audi als einziges Gruppe-B-Fahrzeug einen Frontmotor besaß, hatten die Ingenieure die Kühler ins Wagenheck verfrachtet. Der Trick: So besaßen sie eine Legitimation für den gigantischen Heckspoiler des Audi S1 - er leite die Luft in Richtung Kühler, so ihre Argumentation.

Foto: McKlein
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Innenansicht des Rallye-Audi: Das Cockpit des Gruppe-B-Sport-Quattro von 1984.

Foto: McKlein
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Minuten vor Toivonens Tragödie: Henri Toivonen (r.) bei der Rally Korsika im Gespräch mit seinem Teamkollegen Markku Alén kurz vor dem Unfall. Wenig später kam er mit seinem Lancia Delta S4 von der Strecke ab, stürzte eine Böschung hinunter auf prallte gegen einen Baum. Die gerade frisch aufgefüllten Tanks des Lancia zerbarsten und verwandelten den Wagen in einen Feuerball. Toivonen und sein Beifahrer hatten keine Überlebenschance.

Foto: McKlein
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Motorraum des Lancia Delta S4: Die Heckansicht des S4 ähnelt eher einem Gas- und Elektrizitätswerk als einem Automobil.

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Verrückte Rallye-Fans: Zuschauersicherheit à la Gruppe B in San Remo 1986. Erst 1990 griff die oberste Motorsportbehörde FIA hart durch und machte die Piste für die Autos frei.

Foto: McKlein
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Rallye Monte Carlo: Rennszene in Monte Carlo 1986. Die "Monte" war eine der anspruchsvollsten Rallyes überhaupt. Asphalt-Etappen wechselten sich mit Schnee- und Eisetappen ab, die Fahrer konnten sich hier auf kaum etwas verlassen, die Reifenwahl war das reinste Glücksspiel.

Foto: Audi
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Am Servicepunkt: Der Audi Quattro mit demontierter Frontpartie bei einem Service während der Rally Portugal 1985 - kein Vergleich zu den sterilen Arbeitsbedingungen in den Boxen der Formel eins. Bei den Rallyes wurde noch ehrlich geschraubt - oftmals legten die Fahrer, vor allem bei Pannen oder kleinen Unfällen auf den Etappen, noch selbst Hand an.

Foto: Audi
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Die Allrad-Monster: Walter Röhrl 1985 im Audi Sport Quattro S1 bei der Rallye San Remo. Die allradgetriebenen Fahrzeuge der Gruppe B mit ihrer überbordenden Leistung beraubten den Rallysport aber auch seiner Eleganz. Mit ihnen konnte nicht mehr gepflegt gedriftet werden. "Das war eine Rakete", sagt Walther Röhrl über seinen Audi S1. "Du hast das Auto nur irgendwie in die richtige Richtung gestellt und dann gezündet."

Foto: Audi
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Im Cockpit: Walter Röhrl hinter dem Lenkrad seines Audi. Röhrl war der erste Fahrer seiner Generation, der sich konsequent fit hielt fürs Fahren - ein Riesenvorteil für den Regensburger. Viele seiner Kollegen hingegen, vor allem aus skandinavischen Ländern, gingen es eher locker an. "Die ließen sich am Abend gerne mal eine Flasche Wein schmecken und stiegen am nächsten Morgen wieder ins Auto", so Walther Röhrl.

Foto: Audi
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