Jazz Sound und Style
Wenige Meter neben dem Wohnhaus der Brunner-Schwers richtete Hans Georg in einer alten Nudelfabrik ein richtiges Studio ein. Im Aufenthaltsraum fläzten über die Jahre Hunderte Musiker und ließen sich inspirieren.
Der Raum, in dem alles begann: Musikzimmer in der Fabrikantenvilla der Brunner-Schwers. Hierhin lud MPS-Gründer Hans Georg Brunner-Schwer Ende der Fünfziger-, Anfang der Sechzigerjahre zunächst deutsche Jazzmusiker zu Hauskonzerten ein.
1963 kam erstmals Oscar Peterson in das Wohnzimmer, um vor handverlesenen Gästen zu spielen. Er war vom Klang der Aufnahmen derart fasziniert, dass er fortan jedes Jahr einmal in den Schwarzwald kam.
In den Pausen gab es Drinks und von Marlies Brunner-Schwer zubereitete regionale Delikatessen. In seiner Biografie zeigte sich Oscar Peterson beeindruckt von der "gemäßigten Opulenz" im Fabrikanten-Haushalt.
Heute ist die MPS-Gründergattin Marlies Brunner-Schwer 93 Jahre alt. In dem Raum, in dem MPS geboren wurde, hat sich seit 50 Jahren nichts verändert. Sie selbst hört noch heute über die Musikanlage, die ihr Mann einst zusammenstellte.
Wohnzimmerkonzert mit dem Dave Pike Set, einem Quartett, das in den 1970er Jahren auch beim jungen Publikum ungemein erfolgreich war.
Das Studio und das Interieur stehen genauso unter Denkmalschutz, wie die gesamte Technik und der Bösendorfer Grand-Imperial-Flügel, den Brunner-Schwer für Aufnahmen mit Friedrich Gulda angeschafft hat.
Brunner-Schwer war Perfektionist. Von allem musste es das Beste sein. Instrumente, Interieur, Imbiss. Auch deshalb kamen die Musiker aus aller Welt immer wieder in den Schwarzwald.
Es gibt nur noch eine Firma weltweit, die diese Magnetbänder für analoge Tonaufnahmen herstellt. Einmal aufgenommen, lässt sich nichts mehr verändern. Hop oder Top - misslingt ein Take, geht's von vorne los.
Die Positionierung der Mikrofone über dem Klavier machten den Unterschied: Drei Stück, so dass man links die tiefen Töne, rechts die hohen und in der Mitte die mittleren hört, dazu nur wenige Zentimeter über den Saiten. Damit waren die Nebengeräusche auf ein Minimum reduziert.
Die Ehepaare Brunner-Schwer und Peterson beim Abhören der Aufnahmen. Beide verband über Jahre eine enge Freundschaft.