Musik im "Dritten Reich" - DER SPIEGEL
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Musik im "Dritten Reich" Der Dirigent von Görings Gnaden

Er war einer der größten deutschen Dirigenten: Der Jude Leo Blech durfte unter den Nazis weiter an der Berliner Staatsoper musizieren - Hermann Göring wollte mit seiner Hilfe seinen Konkurrenten Joseph Goebbels ausstechen.
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"Eine Art Rausch": So bezeichnete Leo Blech den Zustand, in dem er sich während des Dirigierens stets befand. Allerdings bekamen die Besucher seiner Aufführungen davon nichts mit. Denn rein äußerlich, so bescheinigte es ihm eine zeitgenössische Beobachterin, blieb er am Pult stets die Ruhe selbst.

Foto: Walter-A.-Berendsohn-Forschungsstelle
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Rollentausch: Für dieses heitere Gruppenfoto mit seinen Musikerkollegen hat Leo Blech (fünfter von links) ausnahmsweise den Taktstock aus der Hand gegeben. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1910. Zu dieser Zeit war Blech in Deutschland bereits berühmt - zwei Jahre zuvor hatte ihm Wilhelm II. den Roten Adlerorden verliehen.

Foto: Walter-A.-Berendsohn-Forschungsstelle
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Musikerwiege: In der Alexanderstraße in Aachen verbrachte Leo Blech seine ersten Lebensjahre. Das Geburtshaus ist mit "x" markiert.

Foto: Walter-A.-Berendsohn-Forschungsstelle
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Wunderkind: Bereits im Alter von fünf Jahren spielte der kleine Leo Blech nach Gehör die schwierigen Stücke, die seine größeren Brüder in zahlreichen Klavierstunden mühsam einstudierten.

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Zeit des Wartens: Als junger Schüler fand Leo Blech wenig Zeit zum Musizieren. Die Opern "Lohengrin" und "Don Giovanni" begeisterten ihn jedoch so sehr, dass in ihm der Wunsch reifte, selbst Musiker zu werden.

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Gefeierter Künstler: Zwei Jahre vor der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler wurde Leo Blech sechzig Jahre alt. In diesem Jahr erschienen in vielen Zeitschriften und Illustrierten Lobeshymnen auf den Dirigenten.

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Blech fürs Wohnzimmer: Die englische Firma EMI Electrola veröffentlichte zahlreiche Aufnahmen des bekannten Künstlers Leo Blech - auch nachdem die Nazis ihn bereits als "entartet" stigmatisiert hatten.

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Festschrift: Als Leo Blech sechzig wurde, veröffentlichte Freund und Regisseur Paul Walter Jacob für das Geburtstagskind eine Sammlung von Glückwünschen und Aufsätzen. Die Namen der Autoren lesen sich wie das Who-is-who der damaligen Musikszene.

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Grüße aus Schweden: Leo Blech schickte 1947 seinem Freund Paul Walter Jacob dieses Foto von sich. Darauf schrieb er: "Meinem sehr lieben Walter Jakob mit vielen herzlichen Grüßen. Leo Blech. Stockholm 8. II. 47". "Die Schweden waren reizend zu mir" hat er später über seine Zeit im Exil gesagt. Doch sehnte er sich jeden Tag zurück nach Berlin. Zwei Jahre sollte es noch dauern, bis dieser Traum Blechs Realität wurde.

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Rüstiger Pensionär: Als Leo Blech sich in den Ruhestand verabschiedete, wohnte er in Berlins modernster Gegend, dem Hansaviertel. Er blieb bis zu seinem Tode im Jahr 1958 ein interessierter und lebensfroher Mensch. Die Wochenzeitung "Die Zeit" beschrieb ihn in ihrem Nachruf als einen "weisen und witzigen uralten Raben".

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Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?