Doro Pesch "Ich hatte immer ein Faible für Langhaarige"
Rock-Röhre: Doro wurde am 3. Juni 1964 als Dorothee Pesch in Düsseldorf geboren, hat am selben Tag Geburtstag wie Rock-Kollegin Suzi Quatro (1950) und ist mit 1,54 m genauso groß wie sie. Der Glam-Rock der Siebzigerjahre begeisterte sie "schon als kleines Mädchen - Acts wie Sweet, Slade, Alice Cooper, T.Rex und Suzi Quatro", erzählt Doro im einestages-Interview. Inzwischen ist sie seit 25 Jahren im Geschäft und gilt als
Startschuss: Mit ihrer Band Warlock und Alben wie "True as Steel" oder "Triumph & Agony" erlangte Doro (Mitte) zwischen 1983 und 1987 Kultstatus in der Metalszene. 1989 erschien dann ihr erstes Soloalbum "Force Majeure". Zu singen begonnen hatte sie als 15-Jährige in einer Band namens Snakebite. Zu dem Namen kam es, weil sie kurz zuvor ihr erstes Konzerterlebnis hatte: Whitesnake mit meinem Lieblingssänger David Coverdale.
Underground: Im Heavy-Metal-Fanzine "Shock Power", das der Autor des einestages-Interviews gegründet hatte, hatten Doro und Warlock als "Newcomer-Tipp" im Herbst 1983 ihren ersten Presseartikel, später war Doro auch Titelheldin. Ihr Debütalbum "Burning the Witches" erschien 1984 beim belgischen Label Mausoleum Records. Warlock wechselten dann zu einer Majorfirma, berichtet Doro, "obwohl wir eigentlich lieber underground bleiben wollten. Aber die Verlockung, professioneller arbeiten zu können, war zu groß."
Königliches Doppel: "Metal-Queen" Lee Aaron (links) und "Queen Of Metal" Doro (rechts) bei einem Interview mit Autor Alex Gernandt 1990 in München. "Zwischen uns gibt es keinen Konkurrenzkampf, keine Rivalität. Im Gegenteil: Wir sind gute Freundinnen", sagt Doro über ihre kanadische Kollegin. Beide singen bis heute erfolgreich.
Das Debüt: Mit Warlock veröffentlichte Doro Pesch 1984 das Debütalbum "Burning the Witches" bei Mausoleum Records. Der Titeltrack gehört seither zum Live-Repertoire von Doro, die sich Ende der Achtzigerjahre von ihren Musikern trennte, um solo weiterzumachen.
Triumph und Schmerz: Das letzte und erfolgreichste Studioalbum von Warlock hieß 1987 "Triumph & Agony". Der Song "All We Are" wurde zu einer Hymne der Metal-Szene. Mit "Für immer" fand sich auch eine Nummer mit deutschem Text auf der Platte. "Mein Label war total dagegen", erinnert sich Doro heute. "Aber ich war gerade in die USA gezogen und hatte Heimweh. Daher der deutsche Text. Bei den Fans kam die Ballade überraschend gut an."
Dompteurin: Doro dirigiert die Fanmassen bei einem Open-Air in den Achtzigern. "Es war für uns unglaublich, als wir damals plötzlich neben unseren Helden wie Ozzy, Dio oder Judas Priest bei Festivals auftreten durften", erinnert sich die Metal-Frontfrau.
Energiebündel: Früher zwickte Doro schlimmes Lampenfieber, nervös vor Auftritten ist sie bis heute. Boxtraining gebe ihr "Power und Selbstvertrauen", erzählt sie.
Metal meets Techno: Doro Pesch (links) mit Techno-DJane Marusha ("Somewhere Over The Rainbow") bei der Echo-Verleihung 1995
Freunde: "Ich hatte schon immer ein Faible für Langhaarige", sagt Doro. Die Metal-Szene hat die schönste Mattenauswahl. Mit Metallica (Kirk Hammett, James Hetfield, Lars Ulrich und Cliff Burton, von links), die 1984 erstmals durch Europa tourten, freundete sich Doro schnell an: "Bald durfte ich mit Warlock bei ihnen im Vorprogramm auftreten, meist in Holland und Belgien. Da kamen damals so 400, 500 Fans. Wir hatten Spaß."
Der Über-Vater: Mit Lemmy Kilmister von Motörhead verband Doro eine jahrzehntelange Freundschaft. Kennengelernt hatten sich die beiden durch Zufall in den Achtzigerjahren in einem Londoner Pub. "Lemmy gab mir einen Whisky-Cola nach dem anderen aus", so Doro, "die Mischung war 90 Prozent Whisky, 10 Prozent Cola. Aber zu einem Lemmy sagst du nicht: Nein, danke!"
Unvergessen: Doro im August 2017 vor einer Lemmy-Statue in Wacken. "Er war ein echter Gentleman, ein herzensguter Mensch", so Doro über den Motörhead-Boss, der 2015 starb. "Ich habe immer darauf geachtet, dass keine romantischen Gefühle aufkommen, die unsere Freundschaft zerstören könnten."
Kreuzberger Nächte: Im Dezember 2010 spielte Doro ein Konzert mit Lemmy und Motörhead in Berlin.
Long live Rock'n'Roll: Doro im Dezember 2000 mit Rock-Legende Ronnie James Dio (3. von links) und dessen Band (Drummer Simon Wright, Keyboarder Scott Warren, Bassist Jimmy Bain und Gitarrist Craig Goldie, von links) in Florida. Heute hat Doro in der Nähe von Fort Lauderdale, Florida einen Zweitwohnsitz und lebt sonst teils auf Long Island (New York), teils in Deutschland.
Frauenpower: Mit Boxchamp Regina Halmich (links) aus Karlsruhe ist Doro seit vielen Jahren befreundet. "Regina trainierte immer mit Heavy Sound", erinnert sich die Sängerin, "daher habe ich ihr einige Einlauftitel wie 'Fight' oder 'Thunder' und das Abschiedslied "The Queen" geschrieben." Doro selbst ist seit ihrer Kindheit großer Boxfan: "Mein Papa weckte mich in den Siebzigern, wenn Muhammad Ali kämpfte." Seit 1995 trainiert sie selbst Kickboxen, Wing Tsun und Escrima.
Promi-Boxen: Doro in einem Showkampf für ProSieben gegen Michaela Schaffrath alias Gina Wild. Den Kampf verlor sie knapp. "Ich war für Samantha Fox eingesprungen und kam direkt von einer Russland-Tour in den Ring. Die Haare wollte ich unbedingt offen tragen, Kampfzöpfe gehen gar nicht", erinnert sie sich heute lachend.
Teutonen-Rocker: Doro (3. von links) 2016 mit den deutschen Kollegen von den Scorpions bei der Award-Verleihung des Vegas Rocks Magazins in Las Vegas
Aktivistin: Seit gut zehn Jahren engagiert sich Doro Pesch aktiv für den Tierschutz, wie hier auf einem Plakat der Organisation Peta. Alle Outfits, die sie privat und auf der Bühne trägt, sind aus Kunstleder.
Bang that Head! Im September 2015 spielte Doro beim gigantischen "Rock in Rio"-Festival in Rio de Janeiro, Brasilien, vor Hunderttausenden Fans.
Mit viel Herzblut: "Ich hatte immer das Ziel, mein Leben lang Musik zu machen", sagt Doro. Dieses Jahr feiert sie ihr Bühnenjubiläum, 35 Jahre sind es schon - und das in der Männerdomäne Metal.
Rocklady: Doro animiert ihre Fans, hier 2014 bei einem Konzert in Berlin. Sie lebt dafür, auf der Bühne zu stehen, auf Tour zu sein.
"All for Metal": Beim Wacken Open Air war Doro von Beginn an dabei. Dieses Jahr zeigte sie dort vor rund 80.000 Fans ihre Headliner-Show unter dem Motto "All for Metal". Als Gäste waren unter anderem ihre Jugendhelden The Sweet am Start, mit denen sie den Kulthit "Ballroom Blitz" performte.
Unter Kerlen: Doro rockt die Bühne mit ihrer Jungs-Band. "Ich fühle mich unter Männern am wohlsten", sagt sie im Interview. "Mein Vater war Fuhrunternehmer, ich war von kleinauf von Männern umgeben, wurde immer gut behandelt und unterstützt. Mit berühmten Rockstars habe ich nie was angefangen, das hat mir Respekt in der Szene eingebracht."
Für immer Metal: Doro will bis an ihr Lebensende Musik machen. "Mein Wunschgedanke war nie, eine Familie zu gründen und Kinder zu haben", sagt sie. 2018 feiert sie ihr 35. Jubiläum mit dem Doppelalbum "Forever Warriors, Forever United", auf dem sie neben der Single "All for Metal" auch ihre Lieblingsbands Motörhead ("Lost in the Ozone") und Whitesnake ("Don't Break my Heart Again") covert und mit Johan Hegg von Amon Amarth im Duett singt ("If I Can't Have You - No One Will").
Alte Bekannte: Doro Pesch im Gespräch mit Autor Alex Gernandt beim Bang Your Head Festival in Balingen im Juli 2018. Die beiden kennen sich seit 35 Jahren, seit Doros Karrierebeginn mit der Metal-Band Warlock. "1983 entstand in Deutschland ein Heavy-Metal-Boom", erinnert sie sich. "Und wir waren mittendrin, das war unser Glück."