Musikfotograf Herbert Schulze - DER SPIEGEL
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Musik-Fotograf in der DDR Udo im Osten

Maffay, Turner, Springsteen: Wenn die Superstars aus dem Westen im Osten auftraten, war DDR-Fotograf Herbert Schulze mit seiner Kamera dabei. Doch keinem kam er so nah wie Udo Lindenberg. Auf einestages erinnert sich Schulze an die skurrile Begegnung mit dem Panikrocker - und zeigt seine besten Bilder.
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Udos Ostmädchen: "Wir wollten doch einfach nur zusammen sein", textete Udo Lindenberg 1973 in seinem Song über das "Mädchen aus Ost-Berlin". 17 Jahre später wurde sein Traum Wirklichkeit, und Lindenberg durfte endlich durch die DDR touren. Vor dem Auftaktkonzert in Suhl am 6. Januar 1990 rockte er mit Ina Morgenweck, Wiebke Schröder und Judy Weiss durch den Schnee. Mit Morgenweck sang Lindenberg am Abend gemeinsam das "Mädchen aus Ost-Berlin", Schröder und Weiss traten als Background-Duo auf. Frenetisch feierten die Fans...

Foto: Herbert Schulze
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...den Rocker, hier bei seinem Auftritten in Leipzig. "Das war ein gigantisches Freudenfest", erinnert sich Fotograf Schulze. Die Tournee führte Lindenberg unter anderem nach Magdeburg, Schwerin und Rostock, anschließend spielte er in 28 Städten in der Bundesrepublik.

Foto: Herbert Schulze
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Pressekonferenz für den Frieden: Am 25. Oktober 1983 trat Udo Lindenberg erstmals in der DDR auf, im Rahmen des FDJ-Festivals "Für den Frieden der Welt". Vor dem Konzert vor 4000 ausgewählten FDJ-Anhängern im Ost-Berliner Palast der Republik gab der Panikrocker gemeinsam mit Janna Bitschewskaja, Hartmut König, Harry Belafonte und Perry Friedman (vorn, von links) eine Pressekonferenz.

Foto: Herbert Schulze
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Seltsam normal: Fotograf Herbert Schulze, der Lindenberg bei seinem ersten DDR-Auftritt 1983 fotografierte, erinnert sich im einestages-Interview daran, wie erstaunt er damals war, dass der Rock-Musiker so "normal, schüchtern und brav" aufgetreten sei. "Er hatte ja keine Ahnung, was da auf ihn zukommt", so Schulze.

Foto: Herbert Schulze
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"Keine Pershings und keine SS-20": Udo Lindenberg nutzte den Auftritt am 25. Oktober 1983 für ein vehementes Statement gegen Aufrüstung. "Weg mit allem Raketenschrott - in der Bundesrepublik und in der DDR! Nirgendwo wollen wir auch nur eine einzige Rakete sehen, keine Pershings und keine SS-20!", rief der Musiker ins Mikrofon. Das Fernsehen übertrug die Friedensgala im Palast der Republik unzensiert. Der eigentliche Star des FDJ-Festivals "Rock für den Frieden" hieß indes nicht Udo Lindenberg, sondern...

Foto: Herbert Schulze
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...Harry Belafonte. Konzertmanager Fritz Rau besorgte der DDR Belafonte für ihr Friedensfestival nur unter der Bedingung, dass auch Lindenberg auftreten dürfe.

Foto: Herbert Schulze
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Schlangenbeschwörer Udo: Im September 1989 besuchte Lindenberg den DDR-Fotografen Herbert Schulze in Ost-Berlin und ließ sich von ihm durch die Stadt führen. Am Brandenburger Tor angelangt, schloss Lindenberg die Augen, murmelte immer wieder "Die Mauer soll weg, die Mauer soll verschwinden" und gestikulierte mit den Händen wie ein Schlangenbeschwörer, erinnert sich Schulze. Bei ihrer Tour durch Ost-Berlin trafen die beiden...

Foto: Herbert Schulze
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...im Prenzlauer Berg auf einen Kohleträger, der von Lindenberg so begeistert war, dass er sich dem Rocker und dessen Fotograf anschloss. Gemeinsam marschierten die Männer bis zum Studio Schulzes in der Jablonskistraße.

Foto: Herbert Schulze
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Wanderpokal: Am 23. November 1989 wurde Udo Lindenberg für seine deutsch-deutsche Beharrlichkeit mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. "Ich habe das Verdienstkreuz dann als Wanderpokal an meine Kumpels auf dem Kiez in Hamburg weitergereicht", erklärte Lindenberg später.

Foto: Herbert Schulze
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"Das beste Publikum der Welt": Udo Lindenbergs DDR-Fan-Gemeinde (hier vor dem Konzert in Leipzig 1990) kannte keine Altersbeschränkung. "Wir waren das beste Publikum der Welt", sagt Fotograf Schulze.

Foto: Herbert Schulze
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Auf Rollschuhen durch Hamburg: Einmal habe Udo Lindenberg vorgeschlagen, auf Rollschuhen durch Hamburg zu fahren, erinnert sich Herbert Schulze. Um den rollenden Rocker abzulichten, zwängte sich Schulze in den Kofferraum seines grünen Mazda 323 und fotografierte bei offener Kofferraumklappe aus dem fahrenden Wagen heraus.

Foto: Herbert Schulze
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>Übers Fernsehen zur Fotografie: Da er kein Ingenieur werden wollte, bewarb sich Herbert Schulze (hier 1974) beim DDR-Fernsehen. Hier kam er als Kameraassistent für Unterhaltungssendungen wie "Ein Kessel Buntes" in Kontakt mit den großen Stars seiner Zeit, die er alle fotografierte. Er verließ das Fernsehen und begann eine Karriere als...

Foto: Birgit Walter
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...Musik-Fotograf. Schulze (Jahrgang 1950) gilt nicht nur als einer der bedeutendsten Ostrock-Fotografen, sondern bekam auch sämtliche Weststars vor die Linse, die zu DDR-Zeiten im Osten gastierten. So zum Beispiel...

Foto: Herbert Schulze
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...Vicky Leandros, die der Fotograf 1973 als Kameraassistent bei "Ein Kessel Buntes" ablichtete. Ebenfalls bei der DDR-Unterhaltungssendung traf Schulze...

Foto: Herbert Schulze
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...Mirelle Mathieu, hier bei einem Auftritt 1978, mit zwei übergroßen Plüschbären im Arm.

Foto: Herbert Schulze
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Duke Ellington Orchestra in Dresden: 1977 lichtete der Fotograf Herbert Schulze das Duke Ellington Orchestra (hier bei einem Konzert in Dresden) ab, die Aufnahmen verkaufte Schulze an Zeitschriften wie "Melodie & Rhythmus" und "Neues Leben", das FDJ-Jugendmagazin.

Foto: Herbert Schulze
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Latin Rock in Ost-Berlin: Im April 1987 bekam Herbert Schulze Carlos Santana und Band vor die Linse, die im Ost-Berliner Palast der Republik auftraten, Tourgast des legendären Konzertes war Buddy Miles.

Foto: Herbert Schulze
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Unerreichbar nah: 1988 lichtete Herbert Schulze Sänger Peter Kraus bei dessen Auftritt in Dresden ab. Fotograf Schulze kam den sogenannten Weststars mit der Kamera zwar sehr nah - mit ihnen Kontakt aufnehmen, durfte er indes nie: "Die Konzertveranstalter umzingelten die Stars permanent, damit niemand mit ihnen reden konnte."

Foto: Herbert Schulze
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Boss gegen Barrieren: Am 19. Juli 1988 trat Bruce Springsteen beim 5. FDJ-Rocksommer in Ost-Berlin auf. Es war das größte Rockkonzert der DDR-Geschichte - und das größte Konzert, das der "Boss" je gab. Mit amerikanischen Flaggen und Transparenten feierten die rund 200.000 ostdeutschen Fans ihr Idol. Mitten im Konzert erklärte Springsteen auf deutsch: "Ich bin nicht für oder gegen eine Regierung, ich bin gekommen, um Rock'n Roll für Euch zu spielen, in der Hoffnung, dass eines Tages alle Barrieren abgerissen werden." Für Herbert Schulze gehört dieses Konzert zu den Höhepunkten seiner Laufbahn. "Was für eine Huldigung das war, mit 'Stars and Stripes', das war ja schon fast staatsfeindlich. Ein unglaubliches Erlebnis."

Foto: Herbert Schulze
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Ständchen für die FDJ: Zum "Geburtstagskonzert der FDJ" am 7. März 1988 in der Werner-Seelenbinder-Halle in Ost-Berlin kamen Depeche Mode aus England angereist. Fans zahlten bis zum Dreifachen ihres Monatslohns für Tickets, einer gab sogar sein Moped dafür. Dass sich Depeche Mode als Stargast einer Polit-Veranstaltung instrumentalisieren ließen, war ihnen damals nicht bewusst. Drei Monate später...

Foto: Herbert Schulze
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...trat Woodstock-Legende Joe Cocker auf dem Gelände der Radrennbahn in Berlin-Weißensee auf.

Foto: Herbert Schulze
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Styropor-Gigantomanie: Am 21. Juli 1990 gastierten Pink Floyd mit ihrem pompösem "The Wall"-Konzert auf dem Potsdamer Platz in Berlin. 320.000 Fans kamen, um zu sehen, wie Roger Waters die eigens errichtete Styropormauer niederriss. "Eine solche Gigantomanie hatte ich bis dahin nie erlebt", erinnert sich Herbert Schulze, der die Band im Auftrag des Jugendmagazins "Neues Leben" porträtierte.

Foto: Herbert Schulze
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?