Musiklegenden und ihre Eltern - DER SPIEGEL
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Im Wohnzimmer von... Den Eltern der Rockstars

Elton John? Schrill. Joe Cocker? Wild. Eric Clapton? Genial. Anfang der Siebziger waren Rockstars alles, nur nicht normal. Sie nahmen Drogen, zerstörten Hotelzimmer, hatten jede Menge Sex. Dann kam ein Magazin auf die Idee, die Musikikonen mit ihren Eltern abzulichten - mit erstaunlichem Ergebnis.
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Mutter weiß, was Rock'n'Roll ist: Mit drei Jahren habe er schon auf dem Klavier rumgehämmert, sagte Elton Johns Mutter Sheila dem "Life"-Reporter 1971, "als er vier war, legten wir ihn tags schlafen und weckten ihn nachts auf, damit er auf Partys spielen konnte."

Doch die Büroangestellte tat noch mehr, um die Karriere ihres Sohnes, der zum Zeitpunkt der Aufnahme gerade 24 war, anzuschieben: "Meine Mutter hat mir gezeigt, was Rock'n'Roll ist", lobte der Musiker, dessen bürgerlicher Name Reg Dwight ist, "eines Tages kam sie mit 'ABC Boogie' von Bill Haley und 'Heartbreak Hotel' von Elvis Presley nach Hause. Sie wusste immer ziemlich genau, was gerade interessant war."

Foto: Time & Life Pictures/Getty Images
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Großmutter "Mom": "Eigentlich wollte ich Glasmaler werden", erzählte Eric Clapton 1971 im Interview mit "Life", "aber ich wurde von der Schule geworfen, als ich 17 war, weil ich ständig mit der Gitarre herumalberte." So beschloss er, Gitarrist zu werden. Das Instrument musste die Familie auf Ratenzahlung kaufen. "Da war klar, ich musste was draus machen." Hat er. Als diese Aufnahme entstand, war Eric Clapton gerade 26 Jahre alt, doch "Life" feierte den Musiker bereits als "vermutlich weltbesten weißen Rockgitarristen". "Er hat den ganzen Tag geübt. Das hat manchmal ganz schön genervt", sagte seine Großmutter Rose.

Clapton wuchs bei seinen Großeltern auf, weil seine Mutter bei seiner Geburt erst 16 Jahre alt war. Seine Mutter - so erzählte man ihm lange - sei seine Schwester. Doch auch, nachdem er erfahren hatte, dass seine Eltern eigentlich Oma und Opa sind, sollten Rose und ihr Mann John Charles für ihn immer Mom und Dad bleiben. Auch wenn der Rockstar auf diesem Foto reichlich genervt guckt, hatte er den beiden extra ein Haus gekauft, das ganz in der Nähe seiner Villa liegt und besuchte sie regelmäßig. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war Claptons "Dad" seit einem Jahr tot.

Foto: Time & Life Pictures/Getty Images
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Aus dem Ghetto gespielt: Der Folkmusiker Richie Havens ist mit sieben Geschwistern in Bedford-Stuyvesant, einem Stadtteil von Brooklyn, der in den sechziger Jahren für seine brutalen Bandenkriege berüchtigt war, aufgewachsen.

"Als Kind sagte er immer, dass er Arzt werden will", erinnerte sich seine Mutter Mildred Havens, "und ich versprach ihm, dass ich hart arbeiten würde, um ihm das Studium zu ermöglichen." Doch mit 18 habe sich das plötzlich geändert. Havens ging nach Greenwich Village, um Musik zu machen.

"Ich glaube", so Richie Havens, "die Musik wurde mir in die Wiege gelegt. Ich habe nie darüber nachgedacht oder Unterricht genommen. Aber ich vermute, dass es einfach immer klar war, dass ich das einmal machen würde." Vielleicht stimmte das sogar, denn sein Vater Richard machte zwar seit 20 Jahren einen Brotjob, um die Familie durchzubringen, doch eigentlich war er Pianist.

Drei Jahre, bevor diese Aufnahme entstand, hatte der 30-jährige Musiker seinen Eltern ein Haus in East Flatbush, einem ruhigeren Stadtteil von Brooklyn, gekauft.

Foto: Time & Life Pictures/Getty Images
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Karriere als Klempner? Joe Cockers Eltern lebten 1971 noch immer in dem Reihenhaus, in dem der Musiker aufgewachsen ist. Sein Vater Harold ist Beamter und arbeitete während Fotoshootings lieber im Garten. Seine Mutter Marjorie, die in einem Café kellnert, "um mal unter Leute zu kommen", sei hingegen sehr mitteilsam gewesen.

Eigentlich dachte sie, ihr Joe würde "eine Karriere als Gas-Wasser-Installateur machen". Doch irgendwann habe er ihr gesagt, dass er keinen Job machen wolle, bei dem er sein Leben lang schuftete und am Ende eine goldene Uhr geschenkt bekommt.

Manchmal wurde Marjorie von Nachbarn und Fremden wegen des Lebenswandels ihres Sohnes angefeindet. "Aber sie gibt dann einfach kontra", erzählte Joe Cocker, "so ist sie eben."

Foto: Time & Life Pictures/Getty Images
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Etwas Spannenderes als Fernsehen: Die Eltern von Frank Zappa wollten lieber im Wohnzimmer ihres damals 31-jährigen Sohnes fotografiert werden. Vater Francis arbeitete als Geschichtslehrer, Mathematiker und Meteorologe, seine Mutter als Hausfrau.

"Ich hatte immer das Gefühl, dass meine Eltern ein langweiliges Leben haben", sagte Frank Zappa, "die meiste Zeit haben sie ferngesehen. Also schlug ich eine andere Richtung ein." Dies führte dazu, dass Frank zwischen seinem 18. und 21. Lebensjahr abwechselnd rausgeworfen und unter Hausarrest gestellt wurde. "Mein Vater hatte Angst, dass die Nachbarn mich sehen könnten, aber noch mehr Angst hatte er, dass ich ausziehe und etwas Schlimmeres passiert."

Foto: Time & Life Pictures/Getty Images
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"Er weiß, dass ich gern high werde": Diese beiden wirken, als könnten sie unterschiedlicher kaum sein. Doch tatsächlich verstanden sich David Crosby - damals 30 und Sänger und Gitarrist der Rockband Crosby, Stills, Nash and Young - und sein Vater Floyd sehr gut.

"In mancherlei Hinsicht muss ich ein großes Rätsel für ihn sein", sagte der Musiker damals über seinen alten Herren, "aber in den letzten Jahren sind wir Freunde geworden." Was er am liebsten an seinem Vater möge? Dass der scheinbar keinen besonderen Wert darauf lege, dass er ihm nacheifere. "Wir ärgern uns nicht über unsere Unterschiedlichkeit. Er weiß zum Beispiel, dass ich gerne high werde. Er macht so was nicht, er heißt es nicht gut, aber er drängt mir auch nicht seine Werte auf."

Floyd Crosby war selbst auch kein Unbekannter. Als erfolgreicher Kameramann gewann er zwei Oscars. David Crosbys Eltern lebten getrennt.

Foto: Time & Life Pictures/Getty Images
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Wie der Maurer so der Trommler: Der legendäre Drummer Ginger Baker spielte für Cream und Blind Faith - und heißt eigentlich Peter. Den Namen Ginger gab er sich selbst, wegen seiner roten Haare. Während die Welt ihn als Schlagzeuger vergötterte, war er für seine Mutter Ruby noch immer "mein Pete".

Eigentlich wollte sie nicht, dass er Musiker wird, weil sie Angst hatte, er könne ohne richtige Ausbildung in Schwierigkeiten geraten. "Aber was die Bakers auch anfangen, sie werden wirklich gut darin", erklärte sie 1971 die Karriere ihres Sohnes, "Petes Vater war Maurer und er wurde Maurermeister."

Foto: Time & Life Pictures/Getty Images
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Nicht im Heft erschienen: Das Foto des britischen Musikers Donovan schaffte es 1971 nicht in das "Life"-Magazin. Der Musiker wuchs im Südosten Englands auf. Seine Mutter Winifred Leitch war in einer Fabrik angestellt, sein Vater Donald arbeitete in den Produktionshallen von Rolls-Royce.

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Talentiert und dickköpfig: Grace Slick war die Sängerin von Jefferson Airplane. Sie gilt bis heute als eine der Musikikonen der Hippie-Kultur. Für ihre Eltern war dies sicher nicht ganz einfach. Ihr Vater Jerry war ein erfolgreicher Investmentbanker in San Francisco, ihre Mutter Virginia hatte sich nach einer kurzen Karriere als Nachtclub-Sängerin für ein Leben als Hausfrau entschieden.

"Ich wusste immer", sagte Virginia dem "Life"-Reporter, "dass Grace einmal etwas Spektakuläres aus ihrer Energie, ihrem Talent und ihrer Dickköpfigkeit machen würde."

"Ich kann mir nicht vorstellen,...

Foto: Time & Life Pictures/Getty Images
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...dass meine Eltern besonders begeistert von meinem Lebensstil sind", entgegnete die Sängerin, die sich damals kurz zuvor von ihrem Mann getrennt hatte, weil sie von Paul Kantner, einem der Jefferson-Airplane-Gitarristen, schwanger war. "Die Verrücktheit um mich herum stört sie sehr."

Über die Erziehung seiner eigenen Tochter sagte das 31-jährige Hippie-Idol damals: "Die Dinge ändern sich so schnell, du kannst nicht die Moralvorstellungen von 1971 auf jemanden anwenden, der 1971 geboren ist. Was auch immer sie tun wird, wird mir vollkommen absurd vorkommen. Ich hoffe, dass es mir entweder gefällt, oder dass ich den Mund halte."

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Mehr Glück als andere: Dieses Bild der Jackson Five mit ihren Eltern Joseph und Katherina entstand in der Villa in Encino, Kalifornien. Der "Life"-Reporter war beeindruckt von dem Pool, dem vielen Spielzeug und natürlich den vielen goldenen Schallplatten.

Der Vater des damals 13-jährigen Michael sagte im Interview, dass er trotz des Erfolges versuche, seine Kinder auf dem Boden zu halten: "Sie gehen zur Schule, machen ihre Hausaufgaben, spielen Ball. Entertainer müssen ein Privatleben haben, sonst bekommen sie ein aufgeblasenes Ego." Außerdem halte er sie dazu an, mit allen Menschen gleich umzugehen, weil alle Menschen gleich seien. "Der einzige Unterschied", so Vater Joseph, "ist, dass manche mehr Glück haben als andere."

Foto: Time & Life Pictures/Getty Images
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