Mussolini-Geliebte Clara Petacci - DER SPIEGEL
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Clara Petacci Geliebte, Chronistin, Antreiberin

Keine Frau hielt es länger mit Mussolini aus als die mythenumwitterte Clara Petacci. Sie folgte dem "Duce" - bis zuletzt. Wer das Paar vor 70 Jahren ermorden ließ, bleibt ein Rätsel.
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"Bewundere Deinen Giganten": Clara Petacci bei der Lektüre von Mussolinis Werk "Storia di un anno - il tempo del bastone e della carota" von 1944. Akribisch notierte die Geliebte jede Regung, jeden Schritt, jede Äußerung des "Duce" - auch die albernsten. So sagte der nur 1,69 Meter große Duce laut einem Tagebucheintrag Petaccis vom 15. Januar 1938 zu ihr: "Komm her, mein Engel und knie dich hin, wie du es immer tust, wenn du deinen Schatz, deinen Giganten bewunderst."

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Notorischer Schürzenjäger: Im Laufe seines Lebens betrog Benito Mussolini (r.) seine Ehefrau Rachele (l.) mit einem ganzen Harem an Liebschaften. Zu den wichtigsten gehörte, neben Clara Petacci, die jüdische Sozialistin und Intellektuelle Margherita Sarfatti, genannt "die Rote Jungfrau".

Foto: AP
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Amour fou: Clara Petacci (Foto von 1935) war verlobt, als sie Benito Mussolini erstmals persönlich begegnete. Im Juni 1934 heiratete sie den Offizier Riccardo Federici, von dem sie sich jedoch nach nur zwei Jahren trennte - um sich fortan ganz dem "Duce" hinzugeben. "Ich liebe Sie von Tag zu Tag mehr", schrieb sie Mussolini in einem Brief vom 31. Mai 1936. Petacci vertraute ihre Tagebücher der Gräfin Rina Cervis an, aus deren Garten Polizisten das Konvolut ausgruben und ins Staatsarchiv brachten. Teil eins (1932-1938) und zwei (1939-40) sind bereits veröffentlicht.

Foto: imago/Leemage
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Foto vom "Duce" unterm Kissen: Als elegante Schönheit, im Nerz und reich behängt, präsentiert sich die Mussolini-Geliebte Clara Petacci auf diesem Foto von circa 1940. Petacci wurde am 28. Februar 1912 in Rom geboren, ihr Vater war ein angesehener Arzt im Vatikan. Laut Autorin Diane Ducret schlief sie schon als junges Mädchen mit dem Foto Mussolinis unterm Kopfkissen - und dekorierte die von ihrer Mutter gebackenen Törtchen mit dem Schriftzug "Dux - Duce".

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"Ich werde ein Blutbad anrichten": Der italienische Diktator Benito Mussolini (l.) und Adolf Hitler im September 1938, kurz vor Beginn der Münchner Konferenz. Wie die Tagebücher Petaccis zeigen, war der "Duce" weit rassistischer und antisemitischer als oftmals behauptet. Während Mussolini die Engländer als ein "Volk von Schweinen" schmähte, die nur "mit dem Hinterteil" dächten, äußerte er sich laut einer Notiz Petaccis vom 11. Oktober 1938 wie folgt über die Juden: "Diese ekelhaften Juden, man muss alle vernichten. Ich werde ein Blutbad anrichten, wie es die Türken gemacht haben."

Foto: AP
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Racheakt: Am 29. April 1945 hängten Feuerwehrleute und Partisanen die Leichen von Benito Mussolini, Clara Petacci und anderen ermordeten Faschistenführern kopfüber an einer Tankstelle auf dem Mailänder Piazzale Loreto auf. Just auf jenem Platz waren auf SS-Befehl hin am 10. August 1944 15 Partisanen erschossen und öffentlich zur Schau gestellt worden. Noch immer ranken sich zahlreiche Legenden um den Tod Mussolinis. Er wurde am 28. April 1945 gemeinsam mit Clara Petacci von kommunistischen Partisanen erschossen - doch welche politischen Kräfte standen dahinter? Am meisten überzeugt die etwa von Roberto Festorazzi vertretene Argumentation: Demnach war es eine gemeinsame Entscheidung der militärischen Führungsriege des vereinten Widerstands, Mussolini zu beseitigen.

Foto: Keystone/ Getty Images
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Tote Maus im Mund: Bevor die Leichen des Liebespaares sowie der anderen toten Faschisten aufgeknüpft wurden, hatten Partisanen sie am 29. April 1945 zunächst auf dem Boden des Piazzale Loreto in Mailand abgelegt. Aufgebracht trat die Menge auf die insgesamt 18 leblosen Körper ein und bespuckte sie. Jemand versuchte, Mussolini eine tote Maus in den Mund zu legen, ein anderer steckte ihm einen Stab mit faschistischem Symbol in die Hand. Als die Attacken immer heftiger wurden, hängte man die Toten an der Tankstelle auf.

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"Mussolinis Hündin": Diese Zeichnung der Geliebten des "Duce" erschien auf dem Cover eines 15-Lire-Kompendiums mit dem Titel "Clara Petacci, die letzte Mätresse". Rund um Petacci ranken sich bis heute zahlreiche Legenden - unter anderem jene, dass die als "Mussolinis Hündin" geschmähte Römerin in Wahrheit eine englische Spionin war.

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Aufstieg per Affäre: Die Familie von Clara Petacci (hier auf einer undatierten Aufnahme mit ihrem Vater, dem Vatikan-Arzt Francesco Saverio Petacci) profitierte sozial enorm von der Affäre Claras mit Mussolini. So zogen etwa die Geschwister Miriam und Marcello berufliche Vorteile aus der Liaison. Ende 1939 bezogen die Petaccis das großherrschaftliche Anwesen "Camilluccia" in Rom: inklusive Schwimmbad, Tennisplatz, Wachpersonal - und romantischem Liebesnest für Clara und den "Duce".

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"Wo der Diktator zum Mensch wird": 2009 wurden die Tagebücher Clara Petaccis veröffentlicht, vor allem die zahlreichen Passagen rund um Sex und Eifersucht sorgten für Medienrummel. Übersehen wurde dabei teilweise der hohe Wert der Tagebücher als historische Quelle. Ein Umstand, den der Historiker Emilio Re bereits 1950 erkannte: "Die wahren und wichtigsten Tagebücher Mussolinis sind die der Petacci, wo der Diktator zum Mensch wird, sich ungeschminkt und ohne Finessen offenbart: als der, der er ist."

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"Größe wohnt auch in Faschisten": 1984 kam das schwülstige Melodram "Claretta" mit Schauspielerin Claudia Cardinale (Foto) in die Kinos - und führte zu einem Eklat bei den Filmfestspielen in Venedig. Jurymitglied Günter Grass warf dem Streifen "neofaschistische Tendenz und sentimentale Demagogie" vor. Regisseur Pasquale konterte: "Mein Film will zeigen, was viele Leute einfach nicht wahrhaben wollen, dass nämlich auch im Antifaschismus faschistische Elemente stecken können und dass Größe manchmal auch in Faschisten wohnt."

Foto: ddp images
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Klotz am Bein: Clara Petacci im Jahr 1938 beim Sonnenbad am Strand von Ostia. Dort, am Meer, soll der "Duce" ihr seine Verachtung für die Italiener entgegengeschleudert haben. "Diese jämmerlichen und feigen Italiener", schimpfte Mussolini laut einem Tagebucheintrag Petaccis vom 11. Oktober 1938. Vier Millionen von ihnen stammten von Sklaven ab, was ihren schlechten Charakter erkläre, so Mussolini. "Wenn sie ein Zeichen auf der Stirn hätten, würde ich sie alle ausrotten. Sie sind ein Klotz am Bein und eine Schande für die Nation", zitiert Petacci ihren "Ben".

Foto: imago/Leemage
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Kopfüber gehängt: Kaum ein Foto der italienischen Geschichte wurde so berühmt wie jenes des kopfüber gehängten Mussolini und seiner Geliebten Clara Petacci. Auf dieser Aufnahme von 2003 wurde der historische Schnappschuss an einer maroden Hauswand im römischen Viertel San Lorenzo befestigt - allerdings verkehrt herum.

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Gezerre um die Leichen: Clara Petacci wurde zunächst unter falschem Namen auf einem Mailänder Friedhof beigesetzt, 1959 wurde ihr Leichnam ins Familiengrab der Petaccis in Rom umgebettet (Foto). Der Leichnam Mussolinis indes wurde am 23. April 1946 von vier Faschisten gestohlen und wochenlang von Versteck zu Versteck transportiert, bevor die Polizei ihn - um ein Bein ärmer - zurückerlangte. Zehn Jahre lang ruhten die sterblichen Überreste des "Duce" in einem Kapuzinerkloster in Norditalien; erst 1957 wurde Mussolini in der Familiengruft in Predappio bei Forlì beigesetzt.

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