Mysterium Aleister Crowley Sex, Sex, Sex war seine Nummer
Mit Draculas Daddy im selben Geheimbund: Ende des 19. Jahrhunderts wurde Crowley (hier in einer seiner Phantasie-Roben im April 1934) Mitglied beim "Hermetic Order of the Golden Dawn", einem magischen Geheimbund, der den Rosenkreuzern nahe stand und von sich behauptete, die Geschicke der Menschheit zu lenken. Zu den Mitgliedern zählten auch "Dracula"-Autor Bram Stoker und der irische Dichter und spätere Nobelpreisträger William Butler Yeats.
Wie überall legte Crowley auch im Orden einen steilen Aufstieg hin. Als ihm jedoch - vermutlich wegen seiner homosexuellen Aktivitäten - der Zugang zum inneren Zirkel verweigert wurde, warf er hin. Seine Karriere in magischen Geheimbünden war damit jedoch nicht vorüber: Anfang des 20. Jahrhunderts gründete er einen eigenen Orden namens Astrum Argentum, später wurde er Mitglied im Ordo Templis Orientis.
Sinnsucher: Crowley entwickelte nicht nur seine eigene Religion Thelema, er probierte auch reihenweise Glaubenssysteme und -praktiken aus - darunter Buddhismus, Taoismus, Tantrismus, Hinduismus, Yoga, Meditation und Sexualmagie. Was ihm zusagte, machte er sich zu eigen. Hier posiert er als Fo Hi, der chinesische Gott des Lachens und des Geldes.
Zwischen Guru und Schauspieler: Crowley findet sich auch in der illustren Runde auf dem legendären "Sgt. Pepper's"-Cover der Beatles. Er steht in der letzten Reihe als zweiter von links zwischen dem hinduistischen Guru Yukteswar Giri und der Skandalschauspielerin Mae West. Crowley hätte das sicher gefallen.
Der LSD-Guru: Der Psychologe und Autor Timothy Leary sah sich als eine Art Nachfolger von Crowley, der einen Teil von dessen Arbeit fortführte. Tatsächlich experimentierten beide mit bewusstseinserweiternden Drogen und beschäftigten sich mit Selbstfindung.
Fragen an Herrn Crowley: Auch Rocksänger Ozzy Osbourne hat viele von Crowleys Büchern gelesen. Das von Crowley entwickelte Thoth Tarot lag bei den Aufnahmesessions zu Ozzys Soloalbum "The Blizzard of Ozz" die ganze Zeit im Studio.
Doch Kartenlegen und Lektüre hinterließen offenbar einige Fragezeichen bei dem Rocker. So stellte Osbourne in "Mr. Crowley", seiner Verbeugung vor dem Magier, dann auch einige Fragen an sein Idol. Etwa: "Mr. Crowley, haben Sie zu den Toten gesprochen?" Oder: "Mr. Charmant, denken Sie, Sie waren rein?" Oder auch: "Mr. Crowley, würden Sie mein weißes Pferd reiten?"
Dieser Mugshot von Osbourne entstand nachdem er 1984 völlig betrunken in der Öffentlichkeit erwischt wurde.
Crowley als Geheimagent: James-Bond-Autor Ian Fleming (Foto) arbeitete für den englischen Geheimdienst MI5 einen absurden Plan zur Desinformation der Nationalsozialisten aus. Fleming wollte einen Astrologen in das Umfeld des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß einschleusen. Dieser war nämlich ein großer Anhänger der Astrologie. Ein falsches Horoskop sollte ihn davon überzeugen, dass es in Großbritannien eine pro-deutsche Gruppe gab, mit deren Hilfe er Churchills Regierung stürzen könnte, um dann Friedensverhandlungen aufzunehmen.
Crowley war als der Astrologe im Gespräch. Doch der Vorschlag wurde abgelehnt - Flemings Vorgesetzte fanden den glatzköpfigen Magier zu exzentrisch. Auch Crowleys Idee, okkulte Literatur über Deutschland abzuwerfen, wurde verworfen.
Fan mit sechs Saiten: Red-Hot-Chili-Peppers-Gitarrist John Frusciante bekannte immer wieder, ein Verehrer Aleister Crowleys zu sein. Im Internet schreibt er, dass er mehrere Bücher des Magiers gelesen habe. Zudem hätte er die Songs "Emptiness", "I'm Around" und "666" auf seinem Soloalbum "Inside of Emptiness" alle geschrieben, während er eine Biografie Crowleys gelesen habe. Jedes dieser Lieder sei das Ergebnis davon, dass er über Crowley und dessen Leben nachgedacht habe, so Frusciante.
Auch der Titel des Red-Hot-Chili-Peppers-Albums "Blood Sugar Sex Magik" scheint auf Crowleys sexualmagische Riten anzuspielen, die er "Sex Magick" nannte.
Im Schatten des Magiers: Der amerikanische Sexforscher und Verfasser des Kinsey-Reports Alfred Kinsey (links) besuchte 1955, kurz vor seinem Tod, Crowleys legendäre Abtei von Thelema auf Sizilien. Begleitet wurde er dabei von dem Underground-Filmemacher Kenneth Anger. Der Autor der Skandalchronologie "Hollywood Babylon" widmete...
seinem Idol diverse seiner Experimentalfilme. Angers düsterer Trip "Inauguration of the Pleasure Dome" - der Einweihung des Lust-Doms - von 1954 gilt als geniale Visualisierung der Visionen Crowleys. Eine weitere Verbeugung Kenneth Angers vor dem selbsternannten Magier ist der Kurzfilm "Invocation of my Demon Brother" - der Beschwörung des dämonischen Bruders. Den Soundtrack zu diesem Werk steuerte kein Geringerer bei als
Mick Jagger. Die Rolling Stones machten kein Geheimnis daraus, dass sie sich für Okkultismus und Crowley interessierten. Sänger Mick Jagger war sogar für die Rolle des Aleister Crowley in einer Verfilmung von dessen Biografie vorgesehen, die dann allerdings doch nicht zustande kam.
Comic-Magier: Der Zeichner und Autor Alan Moore ist nicht nur einer der einflussreichsten Comicschaffenden der letzten dreißig Jahre, sondern bezeichnet sich auch selbst als praktizierenden Magier. Er kam zu dieser Form der Religion, als er an seinem Jack-The-Ripper-Comicepos "From Hell" arbeitete, in dem Aleister Crowley einen kurzen Gastauftritt hat.
"Eine Sprechblase in 'From Hell' änderte mein Leben komplett. Ein Charakter sagt in etwa, 'Der eine Ort, an dem Götter unbestreitbar existieren, ist der menschliche Geist'." Nachdem er aus purem Zufall diese Wahrheit niedergeschrieben habe, habe er gewusst, dass er nun sein gesamtes Leben darum würde aufbauen müssen. "Und das einzige, was dem wirklich angemessen schien, war, ein Magier zu werden."
Moore begann, sich mit Crowleys Religion Thelema zu beschäftigen und zitierte sein Vorbild in diversen weiteren Comics.
Erst Crowley-Fan, dann Sektengründer: 1945 traf Crowley einen leidlich begabten Sci-Fi-Romanautor namens L. Ron Hubbard. Crowley wurde zum Vorbild des späteren Scientology-Gründers und weckte in ihm das Interesse an Magie.
Das Bild zeigt Hubbard bei seinen Studien zur Schmerzempfindlichkeit von Tomaten.
Für immer Crowley: Die deutsche Band Alphaville, eigentlich bekannt für ihre Achtziger-Jahre-Hits "Forever Young" und "Big in Japan", sind Fans des Okkultisten. Auf dem Album "Afternoons in Utopia" von 1986 widmeten sie den Song "Red Rose" Crowleys erster Ehefrau Rose Edith Kelly und zitieren in den Lyrics sein berühmtes Motto "Tu was du willst".
Skandalnudel-Duo: Auch Marilyn Manson ist ein großer Fan von Crowleys literarischem Werk. In einigen seiner Songs verwendet der Skandalrocker sogar abgewandelte Zitate aus Crowleys Texten. So nannte Manson einen seiner Songs "Diary of a Dope Fiend", angelehnt an Crowleys 1922 veröffentlichten Roman "Diary of a Drug Fiend".
So? Ein Satansbraten? Der amerikanische Autor Ira Levin schrieb 1967 den Roman "Rosemaries Baby". In dem Horrorbestseller taucht ein Magier namens Adrian Marcato auf. Für diesen soll Aleister Crowley das Vorbild gewesen sein. Bei der...
...Verfilmung von Roman Polanski ging dann auch das Gerücht um, dass einige Crowleyaner sich an Polanski rächen würden, weil er mit dem Kinoerfolg "Rosemaries Baby" ihre Praktiken ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt habe. Das ist allerdings unwahrscheinlich. Denn als Berater für den Film fungierte
Anton LaVey (unten links im Teufelchenkostüm). Der Gründer der "Church of Satan" und Autor der "Satanic Bible" hielt nicht viel von Crowley. Der Satanist bezeichnete den Okkultisten als "drogenabhängigen Wichtigtuer, der seine größten Erfolge als Dichter und Bergsteiger hatte". Trotzdem hatte LaVey alle Crowley-Bücher gelesen.
Bei "Rosemaries Baby" fungierte LaVey nicht nur als Berater - er trat auch in der alptraumhaften Vergewaltigungsszene als der Teufel auf.
Das Bild zeigt LaVey bei der satanischen Taufe seiner dreijährigen Tochter Zeena (Mitte).
Gemeinsam auf dem Trip: Im Oktober 1930 sollen der Schriftsteller Aldous Huxley und Aleister Crowley zusammen in Berlin gegessen haben. Bei dieser Gelegenheit überredete Crowley Huxley angeblich, gemeinsam die psychedelische Droge Peyote zu nehmen.
Aldous Huxley, der vielen nur als Autor des Science-Fiction-Klassikers "Schöne neue Welt" bekannt ist, war später ein begeisterter Anhänger psychedelischer Drogen. Die Eindrücke seiner Trips schliderte er in den Essays "Die Pforten der Wahrnehmung" und "Himmel und Hölle". Huxley soll sogar LSD genommen haben, während er im Sterben lag.
In einem Anzug aus Symbolik: Auch David Bowie schmückte sich gern mit Crowleys unheimlicher Aura. Den Song "Quicksand", der 1971 auf dem Album "Hunky Dory" erschien, beginnt er mit den Zeilen
I'm closer to the Golden Dawn
immersed in Crowley's uniform
of imagery.
Widersacher: Auch der Schriftsteller und Nobelpreisträger William Butler Yeats gehörte gemeinsam mit Bram Stoker und Crowley dem Hermetischen Orden der Goldenen Dämmerung an. In dem Geheimbund führte der irische Autor den Namen Demon Est Deus Inversus - etwa: Der Teufel ist Gott umgekehrt.
Crowley und Yeats verstanden sich allerdings gar nicht, weil dieser nicht Crowleys Rang als großer Dichter anerkennen wollte.
Wissenschaftler und Magier: Kann man Raketenwissenschaftler und ein wichtiges Mitglied von Crowleys magischem Geheimbund Ordo Templi Orientis zugleich sein? John Whiteside Parsons (hier auf dem Cover von einem seiner Bücher) konnte. Als Wissenschaftler gelang ihm 1942 ein entscheidender Durchbruch in der Entwicklung von Raketentreibstoff, der die Weltraumtechnologie der USA einen großen Schritt nach vorn brachte. Seine Kollegen hielten ihn allerdings für unberechenbar. Vor jedem Teststart einer Rakete soll er eine Hymne Crowleys an den griechischen Gott Pan angestimmt haben.
Zusammen mit seiner Frau Betty und dem späteren Scientology-Gründer L. Ron Hubbard praktizierte er einige aufwendige magische Rituale - sogar noch, nachdem Hubbard ihm Betty ausgespannt und seine Yacht gestohlen hatte.
Die Nasa hat einen Mondkrater nach Parsons benannt.
Ordensbruder: Der "Dracula"-Autor Bram Stoker war ein Angehöriger des Hermetic Order of the Golden Dawn, einem rosenkreuzerisch-freimaurerischen Geheimzirkel für magische Künste. In diesen wurde 1898 auch Crowley eingeführt, blieb allerdings nicht lange Mitglied.
Der Kommunist und der Magier: Die unterschiedlichsten Menschen erlagen dem Charme des redegewandten Crowley, der auch einige Zeit in Deutschland lebte. Sogar der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann (hier 1930 während einer Wahlkampfveranstaltung) soll ein enger Freund des Magiers gewesen sein.
Der magische Blick: Crowley (hier etwa 1921) wollte immer berühmt werden - am liebsten als Dichter. Weil jedoch seine frühen Werke niemand lesen wollte, veröffentlichte er seine Dramen und Gedichte einfach selbst in aufwendig gestalteten Ausgaben.
Egal wie klein die Auflage auch war, der standesbewusste Dichter vergaß nie, seine Werke den wichtigsten Literaturkritikern in England, aber auch in den USA und Australien, zukommen zu lassen. Peinlich genau archivierte er jede Besprechung. Jene, in denen seine kraftvollen Verse, seine umfassende Bildung und sein literarisches Genie gefeiert wurden ebenso, wie die anderen Kritiken, in denen man ihm Unanständigkeit, Blasphemie, geistige Verwirrung und Größenwahn vorwarf.
Student - der Magie: Aleister Crowley liebte es, sich in extravaganter Garderobe zu inszenieren. Auf diesem Foto aus seiner Studentenzeit, ließ er sich mit einer Reihe von okkulten Gegenständen ablichten.
Ebenso wie das Spiel mit okkulten Outfits, liebte er es, sich mit großen Worten zu schmücken. So schrieb der Dichter in einem seiner Bücher etwa: "Es ist meine ewige Mission, das Universum zu dem Zustand trunkener Unschuld und spiritueller Sinnlichkeit zu erlösen."
Junger Erbe: Aleister Crowley wurde als Edward Alexander Crowley am 12. Oktober 1875 geboren - der Legende nach zwischen elf Uhr Nachts und der Geisterstunde.
Sein Vater war Teilhaber einer gut laufenden Brauerei. Als dieser an Zungenkrebs starb, erbten seine Frau und sein elfjähriger Sohn (hier etwa im Alter von etwa 14 Jahren) ein kleines Vermögen. Mit dem Geld sollte Crowley später seine Weltreisen, Bergtouren und sonstige Extravaganzen finanzieren.
Alles ausprobieren: Crowley war nicht nur Magier, Okkultist, Bergsteiger, Sekten- und Geheimbundgründer sowie Erfinder des unter Esoterik-Fans beliebten Thoth-Tarots - er versuchte sich auch als Maler. 1930 hatte er seine erste Ausstellung in der Galerie Porza in Berlin. Ein besonderer Erfolg wurde sie nicht, Crowley malte trotzdem weiter. Dieses Selbstporträt stammt aus dem Jahr 1945.
Literarische Huldigung: Crowley inspirierte schon zu Lebzeiten zahlreiche Künstler. So setzte ihm etwa der Schriftsteller William Somerset Maugham in seinem 1908 erschienenen Buch "Der Magier" ein Denkmal. Er schuf den Protagonisten seines Romans nicht nur nach dem Vorbild Crowleys, er gab ihm sogar den Namen Oliver Haddo, eines von Crowleys zahlreichen Pseudonymen.
Es kursieren zwei angebliche Reaktionen Crowleys auf dieses Buch: Zum einen soll er gesagt haben, der Roman sei "eine Hymne auf mein Genie, wie ich sie mir nicht besser hätte träumen können". In der zweiten Version heißt es, Crowley habe den Schriftsteller wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte verklagt.
Schriftstellerische Ambitionen: Auch Bruce Dickinson, Sänger der Metalband Iron Maiden, hat einen Hang zum Okkulten - und ist bekennender Crowley-Fan. Er widmete seinem Idol das Drehbuch zu dem miesen Horrorfilm "Crowley - Back From Hell".
Gesetze Thelemas: Aleister Crowley schrieb "Liber Legis", das grundlegende Werk Thelemas, 1904 während eines Aufenthalts in Kairo nieder. In diesem Buch, das auf 65 Seiten insgesamt 220 Verse beinhaltet, erklären drei "Gottheiten" die sogenannten Gesetze Thelemas, die besagen, dass der freie Wille des Menschen seine höchste ethische Instanz und Handlungsmotivation sein sollte. Dieser freie Wille (griechisch: "Thelema") wird als das "Ganze des Gesetzes" deklariert.