Mythos antiautoritäre Siebziger - DER SPIEGEL
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Mythos antiautoritäre Siebziger Zur Freiheit geprügelt

Verständnis, Rücksicht, Gürtelhiebe: Torben Kesselring erlebte seine Kindheit in den siebziger Jahren als ständiges Paradox. Denn zwischen den modernen Theorien der Reformpädagogik und der erzkonservativen Erziehungspraxis in den Elternhäusern lagen oft Welten.
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Körperverletzung im Dienste der Pädagogik: Ende des 19. Jahrhunderts war das Prügeln noch selbstverständlicher Bestandteil der Erziehung - wie diese Sepiazeichnung von Johann Bernhard Schmelzer, entstanden um 1850, verdeutlicht. 1973 wurde die Prügelstrafe an den Schulen in Westdeutschland per Gesetz abgeschafft. In der DDR war sie bereits seit 1949 verboten.

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Paradox gewaltsame Erziehung: "Ich will doch sehen, ob ich dem verfluchten Buben keine Zuneigung zu mir beibringen kann", steht auf diesem Holzstich von 1845, auf dem ein Vater seinen Sohn mit einem Knüppel schlägt. Einer ähnlich widersprüchlichen Situation sahen sich viele von Torben Kesselrings Altersgenossen in den siebziger Jahren noch ausgesetzt.

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Überkommene Erziehungsmethoden: Ein Lehrer verpasst 2003 einem "unartigen Schüler" im Duisburger Schulmuseum mit dem Rohrstock etwas auf den Hosenboden. Was heute nur noch bei Museumsführungen simuliert wird, gehörte lange auch in Deutschland zum Schulalltag. In den siebziger Jahren machte die Pädagogik eine antiautoritäre Wende durch - doch in den Familien blieben handgreifliche Erziehungsmaßnahmen oft noch in Gebrauch.

Foto: dpa
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