Mythos Rasputin Leben und Sterben des heiligen Teufels
Dubioser Prophet: Der in Westsibirien geborene Sohn eines Bauern besaß weder eine theologische noch eine medizinische Ausbildung. Zum "Starez", Bettelmönch, hatte er sich einfach selbst ernannt, und am Zarenhofe stieg der Landstreicher zum angesehenen Wunderheiler auf.
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"Sehne mich furchtbar nach dir": Nach der wundersamen Heilung ihres Sohnes verehrte die Zarin Alexandra Fjodorowna Rasputin als Gottgesandten. Gerüchten zufolge soll die Herrscherin auch ein sexuelles Verhältnis zu dem Wunderheiler gehabt haben.
Umschwärmt: Die Damen der russischen High Society verfielen dem vollbärtigen Wunderheiler vom Lande scharenweise. Ob Rasputin jedoch mit den Frauen aus feiner Gesellschaft in seinem Hause in St. Petersburg wilde Sexorgien feierte, ist umstritten. Rasputins Tochter Maria schrieb später:
"Vater war... ein kräftiger Mensch in seinen besten Jahren. Ständig von Anbeterinnen umschwärmt, wäre er kein Mann gewesen, wenn er nicht gelegentlich den Reizen dieser oder jener erlegen wäre."
Bauernfamilie: In seinem Heimatdorf Pokrowskoje in Westsibirien war Grigorij Rasputin als Trinker und Dieb geächtet. Erst als er 1904 zu einem Geistlichen-Treffen nach St. Petersburg wanderte, gelang ihm der gesellschaftliche Aufstieg.
Das Bild zeigt Rasputin etwa 1899 mit seinen drei Kindern auf seinem Bauernhof. Auf dem Arm trägt er seine jüngste Tochter Warwara, links neben ihm steht seine Tochter Maria, rechts sein Erstgeborener Dimitrij.
Dem Bettelmönch verfallen: "Lernten einen Mann Gottes kennen", vermerkte Zar Nikolai II. nach seiner Begegnung mit Rasputin im November 1905 in seinem Tagebuch.
Geheilt: Zarewitsch Alexej, einziger Sohn von Zar Nikolai II. und seiner Gemahlin Alexandra Fjodorowna, litt seit kleinauf an Hämophilie, eine Störung der Blutgerinnung. Als im Herbst 1907 bei dem Kind eine innere Blutung festgestellt wurde, bat die verzweifelte Familie Rasputin um Hilfe. Dieser segnete das Krankenzimmer, sprach Gebete - und auf wundersame Weise wurde der Zarensohn gesund.
Faksimile eines Briefes von Rasputin: "An den Minister Chwostoff. Mein Lieber, Teurer, ich sende Dir ein schönes Dämchen. Sie ist arm, rette sie - sie ist in Not, sprich mit ihr! Grigorij."
Das Hilfegesuch schrieb Rasputin etwa 1916, als er schon in ganz Russland als ruhmreicher Heiler gefragt war.
Feinde: Die Aufnahme von 1916 zeigt Rasputin, links, mit Bischof Hermogen, Mitte, und dem Mönchspriester Iliodor, der sein erbitterster Gegner wurde.
Iliodor überwarf sich bereits 1911 mit Rasputin. Der Mönchspriester hatte sich damals als Bischof für Tobolsk beworben - Nikolai II. besetzte den Posten jedoch wider Erwarten mit einem anderen Kandidaten. Der erzürnte Iliodor witterte eine Intrige und glaubte, dass Rasputin als Vertrauter des Zaren seine Finger im Spiel hatte.
Der Mörder und sein Lockvogel: Felix Jussupow lud im Dezember 1916 Rasputin in seinen Palast ein, angeblich um ihm seine Gemahlin Irina vorzustellen. Doch auf die Einladung sollte Rasputins Todesnacht folgen - der Wunderheiler, dem hellseherische Kräfte nachgesagt wurden, hatte nicht erkannt, dass sein vermeintlicher Freund Jussupow ihn in einen Hinterhalt gelockt hatte.
Das Foto des Ehepaars Jussupow entstand 1910.
Der mit den heilenden Händen: Etliche Romane und Sachbücher beschäftigen sich mit dem mysteriösen Leben und Sterben Rasputins. Auch zahlreiche Filmemacher nahmen sich dem Thema an - hier eine Szene aus dem US-Film "Rasputin" von 1996 mit Greta Scacchi - und Alan Rickman als Rasputin.
Erinnerungen: Die älteste Tochter des berühmten Wunderheilers Grigorij Rasputin, Maria Rasputin, verfasste mehrere Bücher über das Leben ihres Vaters sowie dessen Verbindungen zur Zarenfamilie. In "Mein Vater Rasputin" (1968) schrieb sie:
Man schalt ihn einen "Pferdedieb", den "Sohn eines Zuchthäuslers", einen "Trunkenbold", "dreckigen Muschik", "Verräter", "Spion", "Mädchenschänder", "Hypnotiseur", einen "tollen Mönch" und einen "heiligen Teufel". In Wirklichkeit war er nichts als ein Prügelknabe für andere, das wäre der einzige passende Spitzname gewesen.
Das Foto entstand vermutlich in den zwanziger Jahren in Bukarest, wo Maria im Exil lebte und sich ihren Lebensunterhalt als Cabaret-Tänzerin verdingte. Maria Rasputin starb 1977 in Los Angeles.
Rasputin im Erotik-Museum: Die Zarin Alexandra Fjodorowna soll um seinen "langen Bauernschwanz" gebettelt haben, so schildert es zumindest der linkssozialistische Porno-Autor Gerhard Zwerenz.
Seit 2004 kann dieses Präparat, bei dem es sich angeblich um Rasputins Penis handeln soll, im Erotik-Museum in St. Petersburg besichtigt werden. Der Arzt und Organisator der Ausstellung, Igor Kniaskin, behauptet, er habe das 28,5 Zentimeter lange Glied im Glas von einem französischen Antiquar erstanden.