Nacktmulle Absamen mit Elektro-Ejakulation
Nacktmull: Die kleinen Tiere haben viele sonderbare Eigenschaften. Sie werden knapp 30 Jahre alt - Rekord für ein Nagetier, das nur so groß ist wie eine Maus.
Nacktmull-Kolonie: Am Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin untersucht der Tierforscher Thomas Hildebrandt die Tiere.
In den Plexiglasröhren herrscht reges Treiben. Nacktmulle sind ähnlich organisiert wie ein Bienenstock: Sie haben eine Königin, die den Nachwuchs produziert. Die restlichen Weibchen sind sterile Arbeiterinnen. So etwas gibt es bei keinem anderen Säugetier.
Die fast vollständig unbehaarten Nagetiere leben in Afrika und bauen bis zu Fußballfeld große unterirdische Kolonien. Die Gänge graben die Arbeiterinnen mit ihren starken Zähnen.
Forscher Thomas Hildebrandt und Mitarbeiterin: Der Reproduktionsmanager hilft normalerweise bei der Vermehrung bedrohter Tierarten. Er hat sich vor allem auf Großtiere wie Elefanten und Nashörner spezialisiert. Dazu entnimmt er den Männchen Sperma und besamt damit die Weibchen - oft ist das eine komplizierte und anstrengende Prozedur.
Hildebrandt mit Nacktmull-Männchen: Diesmal aber will er einem Nacktmull Sperma abnehmen. "Absamen" nennt er das.
Das Tier wird mit Narkosegas betäubt. Vor dem Absamen ...
... untersucht Hildebrandt noch per Ultraschall, ob seine Hoden gut entwickelt sind.
Ultraschallgerät: Dieses Gerät wurde speziell für Labormäuse entwickelt und besitzt noch zusätzlich eine Vergrößerung. Hildebrandt ist ein Pionier beim Einsatz von Ultraschall an Tieren. Schon während des Studiums zu DDR-Zeiten untersuchte er in der Charité nachts heimlich Ziegen mit dieser Technik.
Betäubtes Nacktmull-Männchen: Das Männchen muss während der Absam-Prozedur weiterhin Narkosegas einatmen. Es liegt auf einem warmen Tisch, damit der kleine Körper nicht auskühlt.
Elektro-Ejakulation: Hildebrandt führt eine Elektrode in den Anus ein und reizt elektrisch die Muskulatur der Prostata und der Samenleiter. Dies bewirkt eine Ejakulation. Mit der Pipette (oben im Bild) wird das kleine Sperma-Tröpfchen sofort aufgesaugt.
Hildebrandt und Kollege: Normalerweise samt Hildebrandt Großtiere wie Elefanten und Nashörner ab. Das Sperma wird in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius eingefroren und damit später Weibchen in Zoos besamt. Hier bereiten die Forscher gerade die Stickstoffflaschen vor, die sie mit nach Afrika nehmen, wo sie Elefantenbullen absamen wollen.
Genitaltrakt einer Elefantenkuh: Mehr als drei Meter lang ist der Weg, den der Penis eines Elefanten zurücklegen muss. Rechts geht es hinein, am linken Ende liegt die Scheide der Kuh. Dort hinein spritzt der Elefant bei einer Paarung das Sperma. Wenn Hildebrandt eine Kuh besamen will, muss er den gleichen Weg gehen. Dafür ...
... hat sich der erfindungsreiche Bastler verschiedenste Hilfsmittel gebaut - für jede Tierart mit ihrer speziellen Anatomie ein anderes.