Nacktmulle Hässlich, aber oho
Schön sind Nacktmulle nicht, dafür können sie einiges. Zur Kommunikation nutzen sie fast 20 unterschiedliche Laute, die mitunter an Vogelgezwitscher erinnern.
Nacktmulle sind gesellige Tiere. In ihrem natürlichen Lebensraum, in unterirdischen Tunnelsystemen in den Halbwüsten Ostafrikas, leben sie in einer Gemeinschaft von bis zu 300 Tieren. Hier kuschelt eine Gruppe im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin.
Gary Lewin und Kollegen erforschen hier unter anderem, warum Nacktmulle so alt werden. Mit knapp 30 Jahren erreichen die Tiere ein Alter, das ein Vielfaches über dem vergleichbar großer Nagetiere wie Ratten oder Mäuse liegt.
Zuletzt fanden die Forscher heraus, dass die Nager bei extrem geringen Sauerstoffkonzentrationen überleben.
Menschen benötigen mindestens zehn Prozent Sauerstoff in der Atemluft. Nacktmulle überleben dagegen mehrere Stunden bei fünf Prozent Sauerstoff und einem hohen Anteil Kohlenstoffdioxid. Bis zu 18 Minuten halten die Tiere ganz ohne Sauerstoff aus. Ein Mensch wäre in der Zeit längt erstickt.
Statt Traubenzucker (Glucose) nutzen die Tiere bei Sauerstoffmangel Fruchtzucker (Fruktose) und Haushaltszucker (Saccharose) als Energielieferant für ihre Hirnzellen. In dieser Zeit verringert sich ihr Herzschlag und sie liegen in einer Art Winterschlaf. Ist wieder genug Sauerstoff verfügbar, machen sie weiter, als ob nichts gewesen wäre.
Als nächstes wollen die Forscher untersuchen, ob man auch menschliche Hirnzellen dazu bringen kann, aus Frucht- und Haushaltszucker Energie zu gewinnen. Das könnte vor Schäden bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall schützen.