Russland Pussy-Riot-Musikerinnen sind frei
Das letzte Pussy-Riot-Mitglied ist wieder frei: Nadeschda Tolokonnikowa wurde aus der Haft entlassen.
Sie war zu zwei Jahren Haft verurteilt worden, kam nun aber im Zuge einer Amnestie drei Monate eher frei. "Russland ohne Putin" rief sie nach ihrer Freilassung in der sibirischen Stadt Krasnojarsk.
Zuvor war bereits ihre Band-Kollegin Marija Aljochina freigekommen. Die erste von zwei inhaftierten Pussy-Riot-Musikerinnen kritisierte direkt nach ihrer Freilassung das Amnestiegesetz als PR-Trick Wladimir Putins - sie wäre im März ohnehin freigekommen.
Marija Aljochina nach ihrer Freilassung: Augenzeugen beschrieben Aljochina beim Verlassen des Lagers als wach und gutgelaunt.
Sie hatte laut ihre Kritik an Kreml-Chef Wladimir Putin geäußert, anschließend wurde die 25-Jährige zu zwei Jahren Straflager verurteilt. Der Grund für ihre jetzige Freilassung: eine vom russischen Staatschef veranlasste Massenamnestie.
Marija Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa waren im vergangenen Jahr nach einem Protest gegen Putin und den Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche Kyrill in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale verhaftet worden.
Die Strafe für die beiden Musikerinnen wäre im März verbüßt gewesen. In dem Amnestiegesetz werden insbesondere Frauen mit minderjährigen Kindern und wegen Rowdytums Verurteilte berücksichtigt. Tolokonnikowa und Aljochina haben beide kleine Kinder.
Politiker und Künstler sowie Menschenrechtler hatten sich weltweit immer wieder für eine Freilassung der Pussy-Riot-Frauen eingesetzt. Das Bild zeigt Demonstranten in Rom. Das Markenzeichen der Proteste: gestrickte Mützen, die auch das Gesicht bedecken.
Mit einem Gnadenakt hatte Präsident Putin am Freitag auch seinen Erzfeind Michail Chodorkowski nach mehr als zehn Jahren Haft freigelassen. Der frühere Milliardär reiste mit Hilfe von Hans-Dietrich Genscher nach Berlin aus.
Die Staatsduma hatte am Mittwoch eine Massenamnestie beschlossen, die auch einzelne Gegner Wladimir Putins betrifft. Experten sehen die Amnestie zum 20. Jahrestag der russischen Verfassung als Versuch Putins, vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi Kritiker im Westen zu besänftigen.
In einer ersten Reaktion kritisierte Aljochina die Amnestie als "PR-Trick". "Das ist kein humanitärer Akt, das ist ein PR-Trick", sagte sie dem Sender Doschd. Wenn sie eine Wahl gehabt hätte, die Amnestie abzulehnen, hätte sie das getan.