DFB-Einzelkritik gegen Ecuador Lucky Lukas trifft schneller als sein Schatten
Rene Adler (Tor, Hamburger SV): Eine halbe Stunde hatte der Torwart nichts zu tun, war dann aber mehrfach stark zur Stelle (32. Minute/43./58.). Beim ersten Gegentor machtlos, beim zweiten ging die Mauer auseinander. Würde es den noch stärkeren Manuel Neuer nicht geben, Adler wäre derzeit immer Deutschlands Nummer eins.
Benedikt Höwedes (Abwehr, Schalke 04): In der Defensive zunächst kaum gefordert, schaltete sich der Schalker auf der rechten Seite immer wieder in die Offensive ein. Dass das nicht seine größte Stärke ist, sah man schnell. Dennoch ein couragierter und guter Auftritt. Nach der Pause defensiv gut gegen den quirligen Montero.
Per Mertesacker (Abwehr, FC Arsenal): Der Innenverteidiger war in Abwesenheit von Philipp Lahm Kapitän. Meist souverän, wenn er merkte, dass sich das Team erst neu ordnen musste, schoss er den Ball auch mal weit nach vorne anstatt es über eine Kombination zu probieren. Später gelang es Mertesacker öfter nicht mehr, die Abwehr zu ordnen.
Heiko Westermann (Abwehr, Hamburger SV): Beim HSV unterläuft ihm eigentlich in jedem Spiel ein entscheidender Fehler. Im DFB-Trikot sicherer, auch wenn Westermann (l., Archivbild) den ein oder anderen Zweikampf am und im Strafraum verlor.
Marcell Jansen (Abwehr, Hamburger SV): Nach vorne macht er für Hamburg mehr, konzentrierte sich für das DFB-Team auf seine Defensivaufgaben gegen Luis Antonio Valencia. Größtenteils überraschend solide gegen den Star von Manchester United, manchmal jedoch zu zaghaft im Zweikampf.
Lars Bender (Mittelfeld, Bayer Leverkusen, bis 90.+1 Minute): Der 24-Jährige dürfte selbst ziemlich überrascht gewesen sein, dass er zwei Tore erzielte: Erst blieb er frei vor Ecuadors Tor ganz ruhig (4.), dann hatte er bei einem Fernschuss Glück, dass Keeper Máximo Banguera mithalf (24.). Sein eigentliche Aufgaben, Balleroberung und -verteilung, erfüllte er lange stark. Später verließ ihn die Kraft.
Philipp Wollscheid (Abwehr, Bayer Leverkusen, ab 90.+1 Minute): Der 24-Jährige kam in der Nachspielzeit und durfte sein Länderspiel-Debüt feiern.
Roman Neustädter (Mittelfeld, Schalke 04, bis 66. Minute): Fiel gegenüber Bender ab und trat kaum auffällig in Erscheinung. Dürfte seinen Stand bei Bundestrainer Joachim Löw dadurch weder verschlechtert noch verbessert haben.
Stefan Reinartz (Mittelfeld, Bayer Leverkusen, ab 66. Minute): Im Mai 2010 spielte er erstmals für Deutschland (gegen Malta), im Mai 2013 gegen Ecuador nun zum zweiten Mal. Nach seiner Einwechslung konnte er für keine Sicherheit in der Defensive sorgen. Bis zu seiner nächsten Nominierung könnte es wieder lange dauern.
Sidney Sam (Mittelfeld, Bayer Leverkusen, bis 69. Minute): In Leverkusen bewegt er sich oft zwischen den Extremen. In seinem ersten Länderspiel mit viel Chuzpe. Nutzte seine Schnelligkeit mehrfach auf der rechten Seite, ihm wurde allerdings auch viel Platz gelassen. Zudem mit einigen schönen Pässen in die Tiefe, wie beim 2:0 durch Bender. Nutzte seine Chance, wird aber wohl nie über den Status einer Ergänzung zum DFB-Kader hinauskommen.
André Schürrle (Mittelfeld, Bayer Leverkusen, ab 69. Minute): Frischer Wind? Entlastung? Das hatte Bundestrainer Löw wohl vom Leverkusener erwartet. Es kam kaum etwas.
Julian Draxler (Mittelfeld, Schalke 04, bis 57. Minute): Spielte die Rolle, die sonst Mesut Özil vorbehalten ist. Schaffte viele Räume und war ein großer Faktor im Offensivspiel, jedoch ohne Geniestreiche. In der 56. Minute vorsichtshalber ausgewechselt, nachdem er sich leicht verletzt zu haben schien.
Aaron Hunt (Mittelfeld, Werder Bremen, ab 57. Minute): Dritte Einwechslung ins dritte Länderspiel. Auch er konnte die Chance nicht nutzen. War dabei, mehr aber auch nicht.
Lukas Podolski (Mittelfeld, FC Arsenal, bis 89. Minute): Im Vorfeld war neben der Reise an sich vor allem über Podolski gespottet worden. Und der 27-Jährige schien es allen Kritikern zeigen zu wollen - damit gab er die Marschroute für das Team vor. Er lief sehr viel und dann war da noch der starke Auftakt mit der Balleroberung und dem Tor nach neun Sekunden. In der 17. Minute legte Podolski in seinem 109. Länderspiel (Nummer drei der DFB-Rangliste) sein 46. Tor (Nummer sechs) nach. Warum nicht immer so?
Nikolai Müller (Mittelfeld, Mainz 05, ab 89. Minute): Noch ein Debütant, kam sehr spät.
Max Kruse (Angriff, SC Freiburg, bis 79. Minute): Darf, nein, muss wiederkommen. Der Noch-Freiburger war als "Falsche Neun" sehr gefährlich, sehr flexibel und fügte sich bei seinem Debüt damit bestens ein. Das 3:0 durch Podolski legte Kruse super vor, nur ein Treffer fehlte dem 24-Jährigen zum perfekten Tag.
Dennis Aogo (Mittelfeld, Hamburger, ab 79. Minute): Sollte in der Schlussphase helfen, das 4:1 über die Zeit zu bringen. Das gelang nicht - auch weil Aogo und Podolski beim Freistoß zum 2:4 die Mauer einfach auflösten und damit den Weg für den Ayovis Schuss frei machten.