Naturschützer Michael Succow: - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Michael Succow "Es gibt manchmal Wunder, die keiner kommen sieht"

Als die DDR implodierte, stellte 1990 der letzte Regierungsbeschluss fast fünf Prozent der Staatsfläche unter Naturschutz - ein Überraschungscoup von Umweltaktivisten um Michael Succow. Seitdem haben sie viel erreicht, weltweit.
1 / 16

Nacktvorlesung: Danach gelangen die Teilnehmer des "Succow-Seminars" an einen einsamen Strand und hüpfen zur Erfrischung in die Ostsee. Michael Succow nimmt, nach guter alter DDR-Sitte, ein Nacktbad. Selbst diese Badepause nutzt er, um der Studentengruppe die Wunder der Natur nahezubringen - und hält eine kleine Nacktvorlesung.

Foto: Sascha Montag/ Zeitenspiegel
2 / 16

Ein Herz für große Bäume: Michael Succow setzt sich dafür ein, dass Wälder wieder Wildnis werden dürfen. Solche unbewirtschafteten Wälder dienen nicht nur dem Klimaschutz, als "Kohlenstoffsenken". Dort werden Buchen auch wieder so riesig wie im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin nordöstlich von Berlin. Hier, am "Faulen Ort", wurde der Wald seit Mitte des 19. Jahrhunderts nicht mehr angetastet. Succow ist auch der Vater des Nationalparkprogramms: Kurz vor Ende der DDR wurden fast fünf Prozent der Staatsfläche

Foto: Sascha Montag/ Zeitenspiegel
3 / 16

Hoch hinaus: Seit der Wende engagiert sich Michael Succow für Moor-, Umwelt- und Klimaschutzprojekte auf der ganzen Welt - oft in autoritären Staaten wie China, Weißrussland oder Kirgisistan (im Bild). Wer wüsste schließlich besser als Succow, wie man scheinbar Unmögliches in Staaten mit scheinbar unmöglichen politischen Rahmenbedingungen schafft?

Foto: Georg Grabherr
4 / 16

Hoch hinauf: Im August 2019 führt Michael Succow die Teilnehmer des "Succow-Seminars", einer mehrtägigen Naturexkursion, in den Elisenhain. In diesem Waldstück im Naturschutzgebiet Eldena bei Greifswald stehen Buchen- und Eichenriesen, mehrere Hundert Jahre alt, deren Stämme höher hinauf wachsen konnten als in den meisten anderen Wäldern Deutschlands.

Foto: Sascha Montag/ Zeitenspiegel
5 / 16

Hut- und Verantwortungsträger: Schon als Kind verbrachte Michael Succow viel Zeit in der Natur. Er wuchs auf einem Bauernhof in Brandenburg auf und hütete jeden Tag nach der Schule stundenlang die Schafherde seiner Eltern. Das Bild zeigt ihn mit etwa 16 Jahren - mit Hund, ohne Bart.

Foto: Archiv Michael Succow Stiftung
6 / 16

Leidenschaftlicher Naturschützer: In Greifswald studierte Succow (Foto von 1968) Biologie und wurde 1970 promoviert. Eine Universitätskarriere blieb ihm wegen seiner Kritik am DDR-System verbaut; seiner Leidenschaft für die Erforschung und den Schutz der Moore ging er trotzdem nach.

Foto: Archiv Michael Succow Stiftung
7 / 16

Outlaw, aber Insider: Succows Fachbücher über Moore wurden in den Achtzigerjahren auch außerhalb der DDR zu Standardwerken. Seine Expertise brachte er etwa bei den "Brodowiner Gesprächen" ein, die 1981 von Reimar Gilsenbach ins Leben gerufen wurden: Der Schriftsteller, Umwelt- und Menschenrechtsaktivist lud dazu Wissenschaftler, Schriftsteller und Künstler aus der ganzen DDR ein, um offen über drängende Umweltprobleme zu sprechen.

Foto: Reimar Gilsenbach
8 / 16

Wendewunder-Team: Als Michael Succow in der Wendezeit Vizeumweltminister der DDR wurde, holte er seine Weggefährten Hans Dieter Knapp (Mitte) und Lebrecht Jeschke (rechts) ins Ministerium; das Foto zeigt das Trio 2008 bei einer gemeinsamen Exkursion ins Zehlaumoor bei Kaliningrad (Russland). Knapp wurde Hauptverantwortlicher für die geplanten Nationalparks, Jeschke für die Umwandlung des Todesstreifens in das "Grüne Band". Allen dreien waren in der DDR die Karrierewege verbaut. Nach der Wende wurde Lebrecht Jeschke Direktor des Landesnationalparkamtes Mecklenburg-Vorpommern, Hans Dieter Knapp Leiter der Internationalen Naturschutzakademie Insel Vilm, einer Außenstelle des Bundesamtes für Naturschutz.

Foto: Archiv Michael Succow Stiftung
9 / 16

Succow-Unterstützer: Dass den Naturschützern ein bürokratisches Mammutprojekt wie das Nationalparkprogramm noch in den letzten Tagen der DDR gelang, war auch der Unterstützung des BRD-Umweltministers Klaus Töpfer zu verdanken (hier 1988 mit seiner Familie). Er entsandte seinen Juristen Arnulf Müller-Helmbrecht nach Ost-Berlin. Der sorgte dafür, dass das Nationalparkprogramm den neuen gesamtdeutschen Umweltgesetzen entsprach, die am 1. Juli 1990 - zeitgleich mit der Währungsunion - in Kraft traten.

Foto: Teutopress/ ullstein bild
10 / 16

Zu Succows Weggefährten zählt auch Ernst Ulrich von Weizsäcker, langjähriger Co-Vorsitzender des Club of Rome (Foto von 2014).

Foto: Britta Pedersen/ DPA
11 / 16

Einst Todesstreifen, heute Lebensader: Das einstige Grenzgebiet ist knapp 1400 Kilometer lang. Auf DDR-Seite verlief im sogenannten Niemandsland direkt hinter der deutsch-deutschen Grenze ein unbebauter, bis zu 200 Meter breiter "Todesstreifen". Hier konnte sich die Natur fast 40 Jahre lang ziemlich ungestört entwickeln. Dass dieser Naturkorridor nach dem Mauerfall weitgehend erhalten werden und unter Schutz gestellt werden konnte, ist insbesondere Kai Frobel und Hubert Weiger vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) zu verdanken. Auf Seiten der DDR trug Succows Freund Lebrecht Jeschke maßgeblich dazu bei.

Foto: Martin Schutt/ ZB/ DPA
12 / 16

Ausgezeichnet: 1997 erhielt Michael Succow den Right Livelihood Award, den Alternativen Nobelpreis: "für sein Engagement, Ökosysteme und Naturorte von herausragendem Wert für zukünftige Generation zu erhalten" (im Bild links: Jakob von Uexküll, Stifter des Preises). Mit dem Preisgeld gründete er 1999 die Michael-Succow-Stiftung, eine der ersten gemeinnützigen Naturschutzstiftungen bürgerlichen Rechts in den neuen Bundesländern.

Foto: Archiv Right Livelihood Award Foundation
13 / 16

Laubwald bei Greifswald: Succow weiß viel zu erzählen über die Veränderung der Vegetation seit jener Zeit vor 300 Jahren, als der heutige Nordosten Deutschlands noch schwedisch war. Und wenn ein Vogel in den Satz zwitschert, schiebt er "Der große Buntspecht!" ein und fährt fort, als wäre es nur eine kurze Werbeeinblendung für die Wunder des Waldes.

Foto: Sascha Montag/ Zeitenspiegel
14 / 16

Tree Hugging für Fortgeschrittene: Zu den "Succownauten" bei der Exkursion zählen Umweltwissenschaftler, Landschaftsökologen, Land- und Forstwirtschaftler. Der 78-jährige Wissenschaftler kann sie mitreißen.

Foto: Sascha Montag/ Zeitenspiegel
15 / 16

Weiß, wo es langgeht: Auch das Naturschutzgebiet Lanken zeigt Michael Succow den Exkursionsteilnehmern. Der Küstenwald am Greifswalder Bodden wurde schon 1957 auf Initiative von Lebrecht Jeschke unter Naturschutz gestellt und ist seit 2003 im Besitz der Stiftung.

Foto: Sascha Montag/ Zeitenspiegel
16 / 16

Hoffnungsvoller Blick: Der Artenschwund, der Klimawandel, der ökologische und soziale Niedergang durch die industrialisierte Landwirtschaft, die er seit mehr als 60 Jahren in seinen Tagebüchern dokumentiert, haben ihn in den letzten Jahren sehr sorgenvoll in die Zukunft blicken lassen, sagt Succow. Doch der überraschend große Erfolg der "Fridays for Future"-Bewegung habe seine Stimmung wieder aufgehellt. Manchmal gebe es so Wunder, die keiner kommen sehe - wie damals bei der Wende. "Das ist etwas, was mir wieder ganz viel Hoffnung gibt."

Foto: Sascha Montag/ Zeitenspiegel
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?