Winzertrend Bio ja, Natur nein
Handlese beim Bio-Winzer: Die reifen Trauben sind deutlich kleiner als bei konventionellen Weinbauern, weil die Rebstöcke nicht mit künstlichen Nährstoffen gedüngt werden.
In elfter Generation baut die Familie Kühn in Oestrich-Winkel im Rheingau Wein an. Peter Bernhard Kühn schien zunächst die Tradition nicht weiterführen zu wollen und studierte BWL und Philosophie. Nach einem Praktikum auf einem Weingut in Frankreich wechselte er dann aber doch zum Weinbau.
21 Hektar bewirtschaften er, seine Eltern und seine Schwester mit ihren Mitarbeitern; das entspricht etwa 30 Fußballfeldern. Seit 2004 sind die Weine mit dem Bio-Siegel von Demeter zertifiziert. Ein Naturwein im strengen Sinn ist nicht darunter, denn die Kühns verwenden Schwefel.
Im Durchschnitt erzeugt der Familienbetrieb 100.000 Liter Wein pro Jahr. Der günstigste kostet 8,50 Euro, manch eine Flasche erzielt auf Auktionen aber auch bis zu 800 Euro.
Für die Lese im Herbst stellt Peter Bernhard Kühn rund 20 Erntehelfer ein, darunter auch Studenten aus Deutschland und Polen. Etwa drei Wochen dauert die Lese, geerntet wird mit den Händen.
Vom Begriff Naturwein hält der Winzer wenig: Er ist ihm zu ungenau. Zudem sei die Zugabe mancher Stoffe wie Schwefel nicht unnatürlich, sondern habe im Weinbau eine jahrtausendlange Tradition, meint er. "Ich will einen guten Bio-Wein machen", sagt Kühn. "Das kann ein Naturwein sein, muss es aber überhaupt nicht."