Nazi-Labor in Oberfranken Geheimwaffen aus dem Burgverlies
Burg Feuerstein: Die im Zweiten Weltkrieg errichtete Festungsanlage nahe Ebermannstadt in Oberfranken nutzten die Nazis während des "Dritten Reichs" als Geheimlabor. Erfinder Oskar Vierling soll auf dem Kastell akustische Technik für die Wehrmacht entwickelt haben.
Im Dienste der Wehrmacht: Während des "Dritten Reichs" soll der Techniker Oskar Vierling (undatiertes Foto) unter anderem akustische Apparate erfunden haben, die auf Reichsparteitagen und anderen Großversammlungen zum Einsatz kamen.
Hitlers Eröffnungsrede: Vierlings sogenannte Großton-Glimmlampen-Orgel - ein bizarrer Vorläufer des modernen Synthesizers - kam bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin zum Einsatz.
U-Boot in See 1939: Vierling und sein Team erfanden auch Anti-Radar-Beschichtungen, mit denen deutsche U-Boote im Ortungsnetz der Alliierten unauffindbar waren.
Bereit zum Abschuss: Außerdem entwickelte Techniker Vierling akustische Lenkungen für Torpedos (Tarnnamen "Zaunkönig" und "Geier") - die Geschosse fanden ihr Ziel, indem sie mit eingebauten Mikrofonen die Fahr- und Schraubengeräusche feindlicher Schiffe anpeilten
Im Torpedoraum eines deutschen U-Bootes werden im Dezember 1940 im französischen Lorient Torpedos vor dem Auslaufen gestaut und geregelt.
Geheime Nachrichten: Zeit seines aktiven Daseins als Technikpionier und Forscher blieb Vierling eine Art Phantom. Über den großen Heimlichtuer kursieren bis heute nur wenige Informationen. Auch sind kaum Aufnahmen von ihm greifbar. Vierling selbst fand gleichwohl bis zuletzt große Erfüllung darin, mittels technischen Geräts geheime Daten abzuschöpfen. Auch in seiner Zeit auf der Burg Feuerstein entwickelte er Verfahren zur Sprachverschlüsselung und mühte sich um eine verbesserte Version der legendären Chiffriermaschine SZ 42, einer Ergänzung zur ebenso legendären "Enigma" Chiffriermaschine.
Ein U-Boot-Funker an einer "Enigma", aufgenommen im März 1941 bei Lorient, Frankreich.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 101II-MW-4222-03A
Vierling Holding: In der Nachkriegszeit entwickelte Oskar Vierling zunächst Abhörsender für die Organisation Gehlen, aus der 1957 der BND hervorging. Noch als Pensionär erfand Vierling gemeinsam mit der Deutschen Bundespost das Televoting-Verfahren fürs Fernsehen. Das Bild aus den sechziger Jahren zeigt ein Prüf- und Messtechnik-Labor des noch bestehenden Vierling-Elektronikunternehmens, das 1941 auf Burg Feuerstein bei Ebermannstadt gegründet wurde.
Redner Adolf Hitler: Dank Vierlings Großlautsprecheranlagen war der "Führer" - hier auf einer Kundgebung am 1. Mai 1934 in Berlin - kilometerweit und glasklar zu hören. Zur Wintersonnenwendfeier 1937 auf der Nürnberger Burg installierte Vierling eine Großlautsprecheranlage mit einer für damalige Verhältnisse beachtlichen Leistung von 5000 Watt. Und auf Reichsparteitagen synchronisierte der Chefakustiker Tausende Lautsprecher, damit die Reden der NS-Größen verzerrungsfrei zu hören waren.
Auch ein Geheimprojekt der Nazis: Der Bau der "Natter", eine bemannte Einwegrakete aus Sperrholz. An ihr werkelte der Ingenieur Erich Bachem mit Konstrukteurskollegen ab Herbst 1942 im Auftrag von Heinrich Himmler. Ihr Ziel: ein möglichst einfach konstruiertes Fluggerät, das auch von unerfahrenen Piloten bedient werden konnte.
Versteckt: Im Waldwerk "Kuno 2" unweit von Günzburg schraubten deutsche Ingenieure während des Zweiten Weltkriegs in einer geheimen Flugzeugfabrik am Düsenjäger Me 262. Das Bild zeigt, wie geschickt die Produktionsstätte im Gehölz verborgen waren. Die Wohnbaracken und Fertigungshallen befanden sich zwischen engstehenden Baumstämmen und waren zusätzlich mit Tarnnetzen bedeckt.
Geheimprojekt Horten IX: Ende August 1943 gab Reichsmarschall Göring ein besonders leistungsstarkes Kampfflugzeug in Auftrag. Erst kurz vor Kriegsende waren die ersten Prototypen der Horten IX, hier eine Gleitversion, flugbereit. Bei einem Testflug prallte das Flugzeug jedoch auf den Boden, überschlug sich und tötete den Piloten.
Das Wrack: Die Überreste einer Horten IX wurden am Ende des Krieges von der US-Armee gefunden, sie werden heute in der "Garber Restauration Facility" des National Air and Space Museum in Washington gelagert, um irgendwann restauriert zu werden. Gut zu erkennen: Die beiden Einlässe der Jumo-Düsentriebwerke rechts und links der Pilotenkanzel. Triebwerke des gleichen Typs trieben auch die Me-262 an - den ersten einsatzbereiten und in Serienfertigung produzierten Düsenjäger der Welt.
Wunderwaffe Mini-U-Boot: Zu den vielen Waffen, mit denen das NS-Regime den Sieg im Zweiten Weltkrieg herbeizuführen suchte, gehörten auch Mini-U-Boote der Reichsmarine, hier bei der Fertigung. Die Aufnahme entstand im Mai 1945, kurz zuvor war die Werkshalle von den britischen Streitkräften eingenommen worden.
Winzig unter Wasser: Präsentation des "Seehund"-Kleinunterseebootes vom Typ XXVII B (127) 1944/45 vor Wehrmachtsoffizieren und Wirtschaftsführern. Das deutsche Zwei-Mann-Boot "Seehund" wurde in den letzten Kriegsmonaten hergestellt, die ersten drei Prototypen lieferten die Howaldtswerke in Kiel im September 1944 aus.
Minenexplosion: Das Tüftler-Team um Oskar Vierling testete unter anderem, ob es möglich war, Minen durch akustische Signale zu zünden. Die Aufnahme zeigt US-Soldaten, die im März 1945 ein deutschen Minenfeld für die vorrückenden Truppen räumen.