Nazi-Spitzel in Chile - DER SPIEGEL
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Nazi-Spitzel in Chile Faschistischer Horchposten in Südamerika

1500 Seiten, spannend wie ein Krimi: Frisch veröffentlichte Geheimakten zeigen, dass die Nazis im Krieg zwei Spitzelringe in Chile aufbauten. Sogar die Zerstörung des Panama-Kanals war geplant.
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Im Visier der Nazis: Die deutschen Spione sollten nicht nur die Schiffsbewegungen der Alliierten beobachten und Anschläge auf Häfen und Bergwerke verüben - sogar die Sprengung des Panama-Kanals war angedacht (Foto von 2009).

Foto: dpa Picture-Alliance / epa efe Alejandro Bolivar/ picture-alliance/ dpa
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NS-Spion in Chile: Guillermo Kuensemueller, damals 27 Jahre alt, war einer der Experten des Spitzelringes. Seine Aufgabe war es, verschlüsselte Nachrichten über alliierte Schiffsbewegungen über eine Sendeanlage ins Dritte Reich zu funken.

Foto: Fondo Departamento 50 de la Dirección General de Investigaciones/ Archivo Nacional de Chile
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Bei der Arbeit: Guillermo Kuensemueller vor seinem Sendegerät, mit dem er die verschlüsselten Botschaften nach Berlin übermittelte. Der gelernte Flugzeugingenieur war von den Nazis über eine als Job-Inserat getarnte Zeitungsannonce angeworben worden.

Foto: Fondo Departamento 50 de la Dirección General de Investigaciones/ Archivo Nacional de Chile
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Von der NS-Regierung bedacht: Seine Frau Gisela war Tochter eines Abhörspezialisten bei der Gestapo. Die chilenischen Ermittler verdächtigten sie der Mittäterschaft. Wie Kuensemueller bei seiner Vernehmung 1944 aussagte, war Gisela im Ernstfall abgesichert: "Die Regierung in Berlin hat sich sogar verpflichtet, meiner Frau eine Offizierspension zu zahlen, sollte mir bei meiner Geheimdiensttätigkeit etwas zustoßen."

Foto: Fondo Departamento 50 de la Dirección General de Investigaciones/ Archivo Nacional de Chile
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Geschickte Tarnung: Schlafzimmer im Hause Kuensemueller. Im Hintergrund der Frisiertisch der Ehefrau, unter dem der Transmitter versteckt wurde.

Foto: Fondo Departamento 50 de la Dirección General de Investigaciones/ Archivo Nacional de Chile
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Versteck: In diesem Loch im Boden verbarg Kuensemueller das Sendegerät. Der junge NS-Spion wurde im Frühjahr 1944 von der chilenischen Polizei festgenommen.

Foto: Fondo Departamento 50 de la Dirección General de Investigaciones/ Archivo Nacional de Chile
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Spitzel-Werkzeug: Fenster des Arbeitszimmers im Hause Kuensemueller. Deutlich zu sehen: die Kabel, die zu einer Antenne für die Sendeanlage gehörten.

Foto: Fondo Departamento 50 de la Dirección General de Investigaciones/ Archivo Nacional de Chile
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Großes öffentliches Interesse: Viele Chilenen haben gleich an den ersten Tagen nach der Veröffentlichung die Dokumente über die Nazi-Spitzel im Zweiten Weltkrieg im Nationalarchiv angeschaut. Freigegeben wurden das 1500 Seiten starke Akten-Konvolut im Juni 2017.

Foto: MIGUEL SANCHEZ/ AFP
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Ließ die NS-Spione auffliegen: Der Direktor der chilenischen Kriminalpolizei PDI, Jorge Garretón, im Gespräch mit chilenischen Journalisten und Auslandskorrespondenten nach Zerschlagung der Spitzelringe (Foto von 1944).

Foto: Fondo Departamento 50 de la Dirección General de Investigaciones/ Archivo Nacional de Chile
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Braunes Kapital: Die Ermittler des "D50" (eine Sondereinheit der chilenischen Kriminalpolizei) stellten bei den festgenommenen deutschen Spionen große Bargeldmengen sicher. In chilenischen und argentinischen Peso oder - wie hier - in Dollar. Insgesamt beschlagnahmte die Polizei damals 174.000 Dollar - das entspräche heute umgerechnet etwa 2,2 Millionen Euro.

Foto: Fondo Departamento 50 de la Dirección General de Investigaciones/ Archivo Nacional de Chile 
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Beweismittel: Die von den chilenischen Ermittlern sichergestellten Metallscheiben dienten zur Verschlüsselung von Nachrichten, die von den Nazis-Spitzeln nach Deutschland abgesetzt wurden.

Foto: Fondo Departamento 50 de la Dirección General de Investigaciones/ Archivo Nacional de Chile
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Appell: Die Nazi-Spionageringe bildeten auch paramilitärische Verbände im Süden Chiles aus, wo viele Nachfahren deutscher Einwanderer lebten. Sie waren der Nazi-Ideologie vielfach aufgeschlossen.

Foto: Fondo Departamento 50 de la Dirección General de Investigaciones/ Archivo Nacional de Chile
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Fithalten für den Ernstfall: Dieses Foto joggender NS-Spione ist Teil der Akten, das die chilenische Kriminalpolizei PDI jetzt freigegeben hat.

Foto: Fondo Departamento 50 de la Dirección General de Investigaciones/ Archivo Nacional de Chile
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Paradiestal am Pazifik: Blick auf die chilenische Hafenstadt Valparaíso (Foto von 1939). In der Nähe der Stadt hatte einer der Spionageringe seinen Sitz.

Foto: AP
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"Heil Hitler" am Ende der Welt: Fahnenapell bei deutschstämmigen Chilenen im Süden des Landes.

Foto: Fondo Departamento 50 de la Dirección General de Investigaciones/ Archivo Nacional de Chile
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"Unangenehme Wahrheit": Die chilenische Flagge und das Hakenkreuz, vereint bei einer Freizeitaktivität der Deutsch-Chilenen in Südchile. Die jetzt veröffentlichten Dokumente könnten eine "unangenehme Wahrheit" zutage fördern und zeigen, wie eng chilenische Politiker und Unternehmen damals mit dem deutschen Faschismus zusammenarbeiteten, sagt Gabriel Silber von der christdemokratischen Partei DC in Chile.

Foto: Fondo Departamento 50 de la Dirección General de Investigaciones/ Archivo Nacional de Chile
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Beste Beziehungen: Übergabe des deutschen Großseglers "Priwall" an die chilenische Handelsmarine 1941. Das Foto zeigt den deutschen Botschafter Freiherr von Schön (l.) und den Chef der chilenischen Flotte im Hafen von Valparaiso. Die Priwall lief 1917 bei der Reederei Blohm & Voss in Hamburg vom Stapel. 1938 stellte sie den bis heute gültigen Rekord für die schnellste Umrundung von Kap Horn durch ein Segelschiff in ostwestlicher Richtung auf. 1941 kaufte Chile die Viermastbark und taufte sie in "Lautaro" um. 1945 sank das Schiff vor der peruanischen Küste, nachdem die Landung in Brand aufgegangen war.

Foto: ullstein bild
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Spitzelzentrale: Das Reichssicherheitshauptamt, Amt VI (SD-Ausland), Berlin. Von hier aus wurden die Nazi-Spitzelaktivitäten in Lateinamerika gesteuert.

Foto: NSA
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Schlüsselfigur: Walter Schellenberg war SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei. Er leitete von 1942 bis Ende des Krieges den Auslandsnachrichtendienst im Amt VI des Reichsicherheitshauptamtes (RSHA) und war damit für die Operation Bolívar verantwortlich.

Foto: Keystone/ Getty Images
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Vor Gericht: Im sogenannten Wilhelmstraßen-Prozess, einem Nachfolgeprozess zu den Nürnberger Prozessen wurde Walter Schellenberg 1946 wegen Kriegsverbrechen zu sechs Jahren Haft verurteilt. Das Foto zeigt ihn beim Zeugenschwur.

Foto: BPK
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Nationalheld als Namensgeber: Simón Bolívar (1783-1830) führte die Unabhängigkeitsbewegungen gegen die spanische Kolonialmacht in dem Teil Südamerikas an, der heute Ecuador, Kolumbien, Panama und Venezuela umfasst (Illustration von ca. 1820). Die Nationalsozialisten nutzen seinen Namen für das Spitzelnetz, mit dem sie Teile Lateinamerikas überzogen.

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
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Deckname "Sargo": Johannes Becker war einer der Hauptverantwortlichen für die Leitung der Spitzeltätigkeiten im Rahmen der Operation Bolívar. Er wurde im Mai 1940 nach Argentinien entsandt und musste später nach Brasilien fliehen, als die argentinischen Sicherheitsbehörden seine Tätigkeit aufdeckten. Er tauchte ganz unter, wurde jedoch später festgenommen.

Foto: NSA
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Anstehen zum Lunch: Während die NS-Spione in Chile noch unbehelligt arbeiten konnten, flogen ihre Kollegen in Brasilien im Frühjahr 1942 auf. Die von den brasilianischen Behörden festgenommenen deutschen Spitzel wurden auf der Ilha das Flores interniert, der Blumeninsel in der Bucht von Rio de Janeiro. Das Foto vom 15. April 1942 zeigt eine Gruppe gefangener NS-Spione, die sich für das Mittagessen anstellt.

Foto: AP
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"Hier sind alle Freunde von Vögeln, Pflanzen und Blumen": Soweit das Schild vor dem Gelände auf der Ilha de Flores, der Blumeninsel, wo die Nazi-Spione interniert waren (Foto von 1942).

Foto: Dyer/ AP
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Der echte 007: Der serbische Doppelagent Dusan Popov (Codenamen: "Dusko","Tricycle" und "Ivan) arbeitete für den britischen MI6 und die deutsche "Abwehr", wo es ihm gelang, Falschinformationen bei den Nazis zu lancieren. Er reiste im Rahmen der Operation Bolivar mehrmals von den USA nach Brasilien. Popov gilt als eines der großen Vorbilder, nach denen Ian Fleming seinen James Bond kreierte.

Foto: AFP
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