Nazis in Palästina - DER SPIEGEL
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Deutsche Kolonisten in Palästina Hitler-Jugend von Haifa

Das Gelobte Land eine Nazi-Hochburg? Genau. Vor 1939 war jeder dritte deutsche Siedler in Palästina Mitglied der NSDAP, die Hitler-Jugend von Haifa bot Hebräisch-Kurse an. Nach dem Krieg mussten die Palästina-Deutschen weichen - und wurden von Israel finanziell entschädigt. Von Ralf Balke
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Einwickelpapier für Jaffa-Orangen: Um ihre Siedlungen Wilhelma und Sarona in der Nähe von Jaffa bauten die Palästina-deutschen Siedler der "Tempelgesellschaft" Orangen an, damals ein begehrtes Exportgut.

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Zeppelin über Jerusalem: 1931 besuchte das Luftschiff "Graf Zeppelin" das Heilige Land. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs gab es in Palästina eine relativ große Gemeinde von "Reichsdeutschen", viele von ihnen schwäbische Pietisten, die seit der Mitte des 19. Jahrhundert ins Gelobte Land ausgewandert waren.

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Deutsche Kolonie Wilhelma: Bereits 1868 hatten sich schwäbische Anhänger der "Tempelgesellschaft", einer pietistischen Abspaltung der württembergischen Landeskirche, in Palästina niedergelassen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellten sie hier eine Minorität von knapp zweieinhalbtausend Palästina-Deutschen. Die Seidlung Wilhelma wurde 1902 gegründet und heißt heute Bney-Atarot.

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Ölmühle Struve: Araber in Haifa vor der Ölmühle Struve, um 1895. Die deutschen Siedler brachten nicht nur ihre protestantische Arbeitsethik, sondern auch moderne Technik nach Palästina - etwa dampfgetrieben Öl- und Getreidemühlen, die auch von der lokalen Bevölkerung gern genutzt wurden.

Foto: IfA Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart
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Vor dem Jaffa-Tor in Jerusalem: Auch in der Metropole Palästinas siedelten sich im 19. Jahrhundert deutsche Einwanderer an; zunächst in der Altstadt, dann in der Rephaim-Ebene unweit des Jaffators. Ab 1878 war hier der Wohnsitz des Tempelvorstehers und der geistige wie kulturelle Mittelpunkt der "Tempelgesellschaft".

Foto: IfA Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart
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Tempelkolonie Sarona: Einer der Stützpunkte der pietistischen "Tempelgesellschaft" in Palästina war die Siedlung Sarona, hier zu erkennen im Vordergrund an dem Kirchturm. Im Hintergrund ist die Hafenstadt Jaffa zu erkennen. Heute ist das gesamte Gebiet Teil von Tel Aviv.

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Der Mufti bei Hitler: Am 9. Dezember 1941 empfing der "Führer" in Berlin den Mufti von Jerusalem, Sayid Amin al Husseini. Husseini, einer der einflussreichsten Führer des arabischen Nationalismus, hatte den Nazis bereits 1933 seine Dienste angeboten, worauf diese aber erst 1938 eingingen. Der Mufti bot die Aufstellung einer arabischen Legion an, um die gemeinsamen Feinde zu bekämpfen, nämlich "die Engländer, die Juden und die Kommunisten".

Signatur im Bundesarchiv: Bild 146-1987-004-09A

Foto: Das Bundesarchiv/Hoffmann
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Feiernde Kibbuzim: Jüdische Siedler eines Kibbuz tanzen 1935 an einem Festtag. Der Antisemitismus unter den pietistischen deutschen Siedlern in Palästina wuchs mit den Siedlungsbestrebungen der Zionisten an, da deren Zahlenmäßige Überlegenheit den Traum von der christlichen Vorherrschaft im Gelobten Land zunichte machte.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Nachum Tim Gidal
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Orangen für das Dritte Reich: Die Siedler der pietistischen "Templergesellschaft" betonten ihr Deutschtum und pflegten den Kontakt zur "alten Heimat". Im nationalsozialistischen Deutschland waren Solidartitätsaktionen wie diese in Form von gecshenkpaketen mit Zitrusfrüchten von den Plantagen der Palästina-Deutschen überaus willkommen.

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Aufbau in Erez Israel: Kinder jüdischer Siedler legen Gartenbeete für ihre Siedlung an. Die Einwanderungspolitik der Mandatsmacht Großbritannien führte in den zwanziger und dreißiger Jahren zu einem stetigen Anschwellen de Stroms jüdischstämmiger Immigranten. Nicht nur die arabischen Bewohner Palästinas sahen dies mit Groll, auch unter der kleinen deutschen Minderheit nahm der Antisemitismus zu - 1938 hatten die Reichsdeutschen in Palästina den höchste Organisationsgrad aller Landesgruppen innerhalb der Auslands-NSDAP.

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Unter Bewachung: Britische Soldaten schützen 1936 einen jüdischen Überlandbus bei der Fahrt durch Tel Aviv vor Angriffen arabischer Aufständischer.

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Angst vor Terroristen: Britische Soldaten durchsuchen im Oktober 1938 einen Araber nach Waffen. Seit dem Beginn der britischen Mandatsverwaltung im Auftrag des Völkerbundes 1920 war das Verhältnis zwischen Arabern und Briten gespannt, vor allem wegen der Zusage des britischen Außenminister Lord Balfour aus dem Jahre 1917, die Errichtung einer "jüdischen Heimstatt" in Palästina zu gestatten. Immer wieder kam es zu Aufständen der Araber. Die Palästina-Deutschen gerieten schon mal zwischen die Fronten.

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NSDAP-AO-Chef Bohle mit SS-Leuten: SS-Obergruppenführer Ernst Wilhelm Bohle (l.) war ab Mai 1933 Chef der NSDAP-Auslandsorganisation. Joseph Goebbels nannte ihn 1935 "einen unserer fähigsten Leute". Bohle bekleidete den Rang eines Gauleiters, da die NSDAP-AO als 43. "Gau" galt. Von 1937 bis 1945 war er zudem Staatssekretär im Auswärtigen Amt. Die Aufnahme stammt vermutlich aus dem Sommer 1943, mit Bohle abgebildet sind SS-Hauptsturmführer Rupert Dangl (M.) und SS-Standartenführer Heinz Harmel, der spätere Kommandeur der 10. SS-Panzer-Division "Frundsberg".

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Luxemburger Abkommen: In dem Übereinkommen vereinbarten die Bundesrepublik Deutschland und die Jewish Claims Conference (JCC) Leistungen Westdeutschlands im Gesamtwert von 3,5 Milliarden D-Mark für die Eingliederung jüdischer Flüchtlinge in Israel sowie die Rückerstattung jüdischer Vermögenswerte. 54 Millionen D-Mark von den Zahlungen musste Israel als Entschädigung an frühere Palästina-Deutsche aufwenden. CDU-Bundeskanzler Konrad Adenauer musste das Abkommen im Bundestag gegen seine eigene Fraktion mit den Stimmen der Sozialdemokraten durchsetzen.

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