NBA-Legenden Herren ohne Ringe
Dominique Wilkins: Der Forward der Atlanta Hawks spielte mit Unterbrechungen zwischen 1982 und 2000 in der NBA. Bei der Jagd auf den Scorer-Titel ließ er 1986 sogar Michael Jordan hinter sich. Wilkins führte die Hawks in den achtziger Jahren viermal über die magische Grenze von 50 Saisonsiegen, für ein NBA-Finale reichte es aber nie. Wilkins, wegen seines spektakulären Spiels "The Human Highlight-Film" genannt, beendete seine Karriere als neuntbester NBA-Scorer aller Zeiten (26.668 Punkte).
Karl Malone: Nur 1459 Punkte fehlten dem Forward der Utah Jazz zum besten Scorer aller Zeiten, Kareem Abdul-Jabbar. Aber auch seine 36.928 Karriere-Punkte sagen genug über Malone aus, der mit seinem kongenialen Partner John Stockton als bestes Guard-Forward-Duo in der Geschichte der NBA gilt. In drei Finals scheiterte der "Mailman", besonders tragisch zuletzt: Gegen die Detroit Pistons verlor Malone, der extra für seinen Traum von einem Meisterschaftsring zu den L.A. Lakers gewechselt war, aber im Endspiel verletzt fehlte, mit 1:4.
Bob Lanier: Der Center der Detroit Pistons und Milwaukee Bucks legte zwischen 1970 und 1984 eine NBA-Karriere mit beeindruckenden Werten hin - hatte jedoch das Pech, in der Zeit von Wilt Chamberlain oder Kareem Abdul-Jabbar aktiv zu sein. Lanier, die gesamte Laufbahn von Knie-Verletzungen geplagt, war trotz seiner Maße (2,10 Meter und 130 Kilogramm) ein eleganter Spieler, dem aber in wichtigen Spielen das Glück fehlte. Einen Rekord wird "Big Bob" aber wohl ewig halten: Er hatte mit Schuhgröße 60 die größten Füße in der Geschichte der Liga.
Alex English: Der Forward war einer der besten Scorer der achtziger Jahre. Milwaukee und Indiana erkannten sein Talent nicht - vier Jahre nach Englishs NBA-Debüt rieben sich 1980 die Denver Nuggets die Hände. Für ein Jahrzehnt wurde der achtmalige Allstar zum Zentrum eines der besten Offensivteams aller Zeiten, gewann einen Scorertitel, war der erste überhaupt mit acht 2000-Punkte-Spielzeiten in Folge - aber blieb ohne Titel. English trat 1991 zurück, er war zu diesem Zeitpunkt mit 25.613 Punkten der siebtbeste Scorer der NBA-Geschichte.
John Stockton: Die erste Silbe von "Stockalone" gehörte dem Guard der Utah Jazz, der mit Karl Malone fast 20 Jahre eine ebenso einträgliche wie unzertrennliche Paarung bildete. Auch wenn der Aufbauspieler in zwei NBA-Finals jeweils an den Chicago Bulls scheiterte, hinterließ Stockton zwei Rekorde für die Ewigkeit: Mit 15.806 Assists und 3265 Steals wird er wohl unerreicht bleiben. Hall-of-Fame-Coach Jack Ramsay hält Stockton zudem für den besten Point Guard aller Zeiten.
Chris Mullin: Der langjährige Forward der Golden State Warriors, der auch für Indiana aktiv war, gilt als einer der sichersten Werfer, die jemals in der NBA spielten. In 16 Jahren, die der zweimalige Olympiasieger und fünfmalige Allstar in der Liga zubrachte, kam Mullin auf eine Trefferquote aus dem Feld von über 50 Prozent. Doch seine Spezialität waren Freiwürfe. So soll Mullin nach einem verheilten Handbruch die Halle betreten - und 95 Freiwürfe in Folge getroffen haben. Bei aller Präzision reichte es jedoch nicht für einen NBA-Titel.
Reggie Miller: Sein Spitzname ist so martialisch wie treffend - "Killer-Miller". Seine oft entscheidenden Würfe in letzter Sekunde haben Miller zum Liebling der Pacers-Fans gemacht - neben seiner Treue. Mehr als 47.000 Minuten hat der Forward seit 1987 auf dem Parkett gestanden, alle im Trikot der Pacers. Der erfolgreichste Dreier-Schütze der NBA aller Zeiten hat gerade die 25.000-Punkte-Marke übertroffen - als 13. Spieler der Geschichte. Nach dieser Saison ist Schluss, und seine Karriere wird der fünfmalige Allstar ohne Titel beenden.
Pete Maravich: Als Maravich 1970 in die NBA kam, kannte ihn schon ganz Amerika. Der Forward hatte am College alle Rekorde gebrochen und in vier Spielzeiten durchschnittlich mehr als 40 Punkte pro Partie erzielt. "Pistol Pete" galt als kommender Superstar - am Ende stand lediglich ein Titel als bester Scorer. Maravich, der Zauberer, war sowohl in Atlanta als auch in New Orleans als Schönspieler verpönt, der wenig zum Gesamterfolg beitrug. Der begnadete Werfer starb 1988 an einem Herzinfarkt auf einem Freiplatz - er wurde nur 40 Jahre alt.
Kevin Johnson: "KJ", zwölf Jahre Dirigent bei den Suns, galt in den neunziger Jahren neben John Stockton als bester Point Guard der Liga. Mit Johnson und Charles Barkley holte sich Phoenix zweimal die beste NBA-Bilanz der regulären Saison. In einem der spannendsten Finals aller Zeiten unterlagen die Suns den Chicago Bulls mit 2:4 - Johnson wurde im sechsten Spiel, auf dem Weg zum entscheidenden Korb, geblockt. Einen großen Titel holte der Guard immerhin: 1996 wurde er mit dem "Dream Team" Olympiasieger.
Patrick Ewing: Niemand verkörpert die Tragik der erfolglosen Titeljagd so sehr wie Ewing. An der Georgetown-Universität spielte er mit den "Hoyas" alles in Grund und Boden - doch in 16 Jahren NBA scheiterte der "Krieger" an zwei Gegnern: Michael Jordan und Hakeem Olajuwon. Jordans Chicago Bulls warfen Ewings New York Knicks fünfmal aus den Playoffs, Olajuwon besiegte den College-Rivalen von einst 1994 mit den Houston Rockets. Ewing beendete seine Karriere 2001, mit 24.815 Punkten einer der besten Scorer aller Zeiten, aber ohne Ring am Finger.
Adrian Dantley: Sieben Clubs in 15 Jahren NBA - Adrian Dantley war nicht das, was man einen "Franchise Player" nennt. Am längsten hielt es der athletische Flügelspieler bei den Utah Jazz aus, wo er einer der Topscorer der NBA wurde. Zweimal bester Schütze der Liga, vier Spielzeiten mit mehr als 30 Punkten im Schnitt, 23.177 Zähler insgesamt - nur ein NBA-Titel fehlte dem Olympiasieger von 1976. Dantleys Treffsicherheit sucht übrigens ihresgleichen unter Nicht-Centern: 54 Prozent seiner Würfe verwandelte der Small Forward über die Jahre.
Elgin Baylor: Baylor gilt als Michael Jordan der sechziger Jahre - auch wenn es von dem Forward, der 1958 in die NBA kam, fast kein Videomaterial gibt. Baylor, 13 Jahre für die Minneapolis (später Los Angeles) Lakers aktiv, sammelte 23.149 Punkte (27,4 im Schnitt) und holte 13,5 Rebounds pro Spiel. Mitspieler und Gegner bezeichneten den elfmaligen Allstar später sogar als besten Basketballer aller Zeiten. Nur: Auch die Tragik der Baylor-Karriere ist ein Superlativ. Achtmal stand er im NBA-Finale, achtmal verlor er.
Charles Barkley: Vier Spieler in der NBA-Geschichte haben mindestens 20.000 Punkte erzielt, 10.000 Rebounds geholt und 4000 Assists verteilt. Einer ist Barkley. Der Forward mit der Größe eines Guards (1,95 Meter) und dem Gewicht eines Centers (130 Kilogramm) spielte für Philadelphia, Phoenix und Houston - und kam meistens zu spät. Die 76ers holten ihren letzten Titel ein Jahr, bevor Barkley gedraftet wurde (1984), die Rockets vor seiner Ankunft 1996. Immerhin gewann "Sir Charles" zweimal Olympia-Gold (1992 und 1996).