Neue Benzinsorte - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Neue Benzinsorte Wie sich Deutschland mit Bleifrei verzapfte

Die Republik debattiert über das E10-Chaos - und knüpft so an alte Traditionen an. Schon in den achtziger Jahren drohte die Benzin-Revolution mit Bleifrei zu scheitern. Ein Blick zurück zeigt viele Parallelen zum aktuellen Biosprit-Desaster.
1 / 7

Sauber! Obwohl sich Regierung und Verbände wie der ADAC redlich mühten, die Autofahrer mit Aufklärungs- und Werbekampagnen wie "Bleifrei - kein Problem" zu erziehen, standen die an den Bleisprit-Zapfsäule Schlange, während an den Bleifrei-Säulen gähnende Leere herrschte. Eine Umfrage des ADAC unter Bleitankern ergab, dass diese zu 90 Prozent schlicht keine Ahnung hatten, ob Ihr Fahrzeug den neuen Kraftstoff verträgt oder nicht - und aus Faulheit lieber weiterhin zum schmutzigen - und inzwischen deutlich teureren - Bleikraftstoff griffen.

Foto: www.gunnardonis.de
2 / 7

Robin Wood für bleifreies Benzin: Am 10. Oktober 1984 hängten Mitglieder der Umweltorganisation Robin Wood Transparente an die Kühltürme einer Shell-Raffinerie in Hamburg. Sie forderten von dem Energieunternehmen die Herstellung von bleifreiem Benzin, um das Waldsterben aufzuhalten. Die deutsche Politik konnte sich lange Zeit weder dazu durchringen, die Automobilindustrie zum Einbau von Katalysatoren zu zwingen, noch wollte sie die Ölkonzerne zur Einführung von bleifreiem Benzin verpflichten.

Foto: AP
3 / 7

Endlich bleifrei: An der Preistafel dieser Tankstelle in Stuttgart wurde der Preis für verbleites Benzin entfernt. Hier gab es bereits im Oktober 1996 kein verbleites Benzin mehr, sondern nur noch bleifrei. Offiziell verboten wurde verbleiter Kraftstoff in Europa allerdings erst 2000/2001.

Foto: dpa
4 / 7

Bleifrei-Broschüre: Heute kann man sich alle nötigen Serviceinformationen mit Hilfe weniger Klicks im Internet verschaffen - damals erwiesen sich die Broschüren der Hersteller und Behörden, wie beispielsweise das 256 Seiten starke Kompendium der deutschen Automobil Treuhand GmbH, in denen die Bleifreiverträglichkeit aller Motorentypen gelistet war, als echte Hürden auf dem Weg zu einer geringeren Luftverschmutzung. Zumal die Aussagen der Herstellen oft "ohne Gewähr" und damit ziemlich vage waren, und ein Befolgen im schlimmsten Fall den Motorschaden bedeuten konnte.

5 / 7

Der Bleifrei-Minister: Menschen wie Innenminister Friedrich Zimmermann forderten Mitte der achtziger Jahre auf einmal die Einführung von bleifreiem Benzin. Wenige Wochen zuvor hatte der CSU-Mann einen entsprechenden Gesetzesentwurf der SPD noch als Spinnerei abgebügelt. "So was von Weltfremdheit" ätzte der bayrische Politiker da noch angesichts des Ansinnens der Genossen.

Foto: dpa
6 / 7

SPIEGEL bleifrei: DER SPIEGEL widmete sich am 22. August 1983 mit einer Titelgeschichte dem Thema bleifreies Benzin.

Klicken Sie hier, um diesen SPIEGEL-Titel zu lesen!

Foto: DER SPIEGEL
7 / 7

Stopp dem Waldsterben: In den achtziger Jahren brachte das Bundesministerium des Innern diesen Aufkleber heraus, um für bleifreies Benzin zu werben. Mit der Einführung des neuen Kraftstoffes sollte das Waldsterben aufgehalten werden. Unter Wissenschaftlern und Umweltschützern galt längst als sicher, was für das Dahinsiechen des deutschen Baumbestandes verantwortlich war: Die rund 4000 Tonnen Blei, die deutsche Pkw damals jährlich in die Atmosphäre bliesen - und die als feiner Staub wieder auf die Erde rieselten und dort Pflanzen und alle, die sie aßen, krank machten.

Foto: www.gunnardonis.de
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?