Neue Proteste "Marsch der Million"
Zehntausende Regimegegner sind am Dienstag wieder zum Tahrir-Platz in Kairo geströmt. "Wir haben jetzt wirklich genug, es ist Zeit für einen Wechsel", sagen die Demonstranten.
Auf Bannern fordern die Menschen Präsident Husni Mubarak zum Rücktritt auf. Der hatte offenbar darauf gesetzt, dass die Proteste an Schwung verlieren.
Was die Demonstranten davon halten, zeigen sie auf einem Plakat auf dem Tahrir-Platz: Eine Fotomontage zeigt Mubarak mit einem Strick um den Hals. Sie wollen nicht weichen, bis der Präsident zurücktritt.
Auf einem anderen Plakat wird Husni Mubarak als Adolf Hitler dargestellt. Ansonsten ist die Stimmung bei der Kundgebung bislang friedlich. Familien mit Kindern strömen zu dem Platz im Herzen von Kairo.
Ganz anders war das noch vor einer Woche: Bei brutalen Auseinandersetzungen zwischen Oppositionellen und Mubarak-Anhängern wurden Hunderte Menschen verletzt - wie dieser Mann. Die Unruhen in Ägypten haben nach Angaben von Human Rights Watch in den vergangenen zwei Wochen mindestens 297 Menschen das Leben gekostet.
Es gibt inzwischen ein provisorisches Krankenhaus am Tahrir-Platz. Eine Frau verteilt am Dienstag Medikamente an Demonstranten.
Seit zwei Wochen harren Demonstranten auf dem Tahrir-Platz aus, eine kleine Zeltstadt ist entstanden. Menschen schlafen in den Zelten oder - wie hier an einer Mauer - in Decken eingehüllt. Dann beginnt ein neuer Protesttag.
Man hilft sich gegenseitig. Auch Mobiltelefone können auf dem Tahrir-Platz aufgeladen werden.
Einige haben sich auch vor die Panzer gelegt, die auf dem Tahrir-Platz stationiert sind.
Viele auf dem Tahrir-Platz hoffen, dass auch die Kundgebung am Dienstag wieder ein starkes Signal an das Regime sendet. "Wir rechnen damit, dass sich mehr als eine Million Menschen auf dem Tahrir-Platz einfinden werden", sagt ein Demonstrant.
Immerhin, schreibt dieser Demonstrant ironisch, ein Gutes habe der Präsident ja geleistet: "Danke, Mubarak, dass du uns einander näher gebracht hast."
Bei Gebeten auf dem Tahrir-Platz fassen sich diese Männer der Opposition an den Händen.