Niederlande in der Einzelkritik Pitbull-Erbe de Jong, Boss Robben
Jasper Cillessen (Tor): Der Ajax-Keeper ist noch nicht lange die Nummer eins im niederländischen Tor. Aber er kann es lange bleiben. Großartig sein Stellungsspiel kurz vor der Pause, als er gegen den freistehenden David Silva die Ruhe behielt. Noch ist er kein Edwin van der Sar. Aber er ist auf dem Weg.
Daryl Janmaat (Abwehr): Der Dritte und Letzte aus der Feyenoord-Defensive in van Gaals Startelf. Janmaat ist ein unglaublich cooler Außenspieler, mittlerweile gereift, ohne Angst gegen die spanischen Offensivstrategen. Allerdings: Wenn Iniesta seine Traumpässe in die Schnittstelle spielte, dann war auch Janmaat überfordert. Aber wer wäre das nicht?
Ron Vlaar (Abwehr): Der Routinier auf der rechten Abwehrseite machte seine Sache ganz ordentlich. Allerdings merkten die Spanier schnell, dass sie die meisten ihrer Angriffe über diesen Flügel vorzutragen hatten. Vlaar ist nun mal kein Abwehrspieler der Extraklasse. Ein solider Verteidiger. Ein Benedikt Höwedes.
Stefan De Vrij (Abwehr): Lazio Rom hat für den jungen Feyenoord-Verteidiger viel Geld geboten. Ob die Millionen der Römer so richtig angelegt sind, konnte De Vrij gegen die Spanier nicht in jeder Szene zwingend nachweisen. Beim Elfmeter für die Spanier ging er zumindest ungeschickt in den Zweikampf mit Diego Costa, auch wenn es beileibe kein Foul war. Der 22-Jährige wird daraus lernen. Wer gegen Spanien ein 3:1 köpft, darf auch ruhig zufrieden nach Hause gehen.
Bruno Martins Indi (Abwehr): Noch einer aus der Rotterdamer Verteidigerschule. Wenn sie bei Feyenoord so weitermachen, wird das das niederländische Waldhof Mannheim. Martins Indi behielt auch bei den überfallartigen spanischen Angriffen meistens die Übersicht. Ein gutes Spiel.
Daley Blind (Abwehr): Nur keine Wortspiele. Der Sohn der Ajax-Abwehrlegende Danny spielte stark auf seiner linken Seite. Die Spanier kamen hier kaum zur Geltung. Darüber hinaus hatte Blind genug Gelegenheit, nach vorne zu gehen und zum Beispiel eine wunderbare Flanke zum 1:1-Ausgleich zu schlagen.
Jonathan De Guzman (Mittelfeld): Der England-Profi aus Swansea ging angeschlagen in die Partie, und man merkte ihm durchaus an, dass er nicht hundertprozentig fit war. De Guzman ist ansonsten einer, der jedes Loch zuläuft. Diesmal aber konnte er sich mehrfach nur durch Fouls retten, sah relativ früh Gelb und wandelte anschließend am Rande des Feldverweises. Nach einer Stunde nahm van Gaal ihn denn auch folgerichtig aus dem Spiel. Für ihn kam in Wijnaldum sein positionsgetreuer Ersatz.
Nigel de Jong (Mittelfeld): Wiedersehen mit den Spaniern und vor allem mit Xabi Alonso, den der Milan-Defensivmann vor vier Jahren nach allen Regeln der Kampfkunst zerlegt hatte. Alonso rächte sich vier Jahre später mit dem Führungstreffer, und de Jong zeigte, wofür er eigentlich geschätzt ist. Ein Dauerrenner, der überall da sein will, wo der Ball ist. Sein Landsmann Edgar Davids wurde der Pitbull genannt, er dürfte diesen Ehrentitel an de Jong weiterreichen.
Wesley Sneijder (Mittelfeld): An sich hatte Sneijder die Partie schon nach wenigen Minuten entschieden - für Spanien. Der Mittelfeldstar lief allein auf Iker Casillas zu, und wie Arjen Robben vor vier Jahren blieb der Real-Torwart Sieger. Normalerweise gilt der Satz: Solche Chancen musst du gegen Spanien nutzen, sonst verlierst du. Normalerweise. Sneijder tat anschließend alles dafür, diese Fehlleistung vergessen zu machen. Er ist gut in Form.
Robin van Persie (Sturm): Für den Kapitän ist es das fünfte große Turnier, und wenn man sich auf eines verlassen konnte, dann war es der Umstand, dass van Persie immer bei Großveranstaltungen schwächelte. Ein Vorurteil, das er auch diesmal wieder zu bestätigen schien. An ihm lief das Spiel zunächst komplett vorbei. Aber wer dann so ein Tor erzielt wie der United-Stürmer, als er als Kopfballtorpedo durch den Strafraum flog, der kann sich sämtliche Kritik verbeten. Danach war er ohnehin nicht mehr zu bremsen.
Arjen Robben (Sturm): Mittlerweile in der Hierarchie der Oranjes ganz oben angekommen. Ob ihm das immer so gut tut, konnte man bei manchen Szenen bezweifeln, wenn er Mitspieler anraunzte, weil sie ihm die Bälle nicht wie gewünscht in den Lauf gespielt hatten. Ansonsten rannte, trickste, meckerte, band er sich Schuhe zu und kämpfte er wie in seinen besten Tagen. Und die sind bei ihm ja bekanntlich zurzeit. Sensationelles Tor zum 2:1. Ach, und das zum 5:1 war noch sensationeller.
Georgio Wynaldum (Mittelfeld): Der Mittelfeldspieler vom PSV Eindhoven kam in die Partie, als es für die Van-Gaal-Elf schon richtig gut lief. Er brauchte nur mitzumachen, und das fiel ihm leicht. Wynaldum kann man immer bringen. Er macht selten tolle Dinge, aber er macht auch nicht viel falsch.