Der Küchenstreit Von Farbfernsehern und Raketen
Öffentliches Kräftemessen: Vor der Kamera wetteifern Nixon und Chruschtschow ganz undiplomatisch über die Errungenschaften der beiden Länder. "In manchen Dingen sind wir euch voraus - im Farbfernsehen zum Beispiel", prahlt Nixon.
Dreckige Wäsche: Es ist ein bizarres Bild mitten aus dem kalten Krieg. Der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow und der amerikanische Vize Präsident Richard Nixon diskutieren in einer Küche neben der geöffneten Waschmaschine. Als "Küchendebatte" ging diese hitzige Auseinandersetzung am 24. Juli 1959 auf der amerikanischen Nationalausstellung in Moskau in die Geschichte ein.
Gegenpole: Unterschiedlicher hätten sie auf den ersten Blick kaum sein können. Chruschtschow ein kleiner, bulliger "Bär von einem Mann" wie ihn Nixon in seinen Memoiren beschreibt - Nixon schlank und größer gewachsen. Chruschtschow, ein rabiater Anti-Kapitalist - Nixon ein taktierender Anti-Kommunist. Doch waren sie sich in Manchem gar nicht so unähnlich. Beide waren stolz, stur und hochgradig ideologisch.
Finger wechsel dich: "Nein, da können wir auch mit euch mithalten", erwidert Chruschtschow. Einig können sich Nixon und Chruschtschow heute in kaum etwas werden. Doch besiegeln sie immerhin mit Handschlag, dass die Debatte in beiden Ländern - Wort für Wort übersetzt - im Fernsehen ausgestrahlt werden soll. Und das wurde sie. Gleich am 25. Juli wurde im amerikanischen Fernsehen ein 18-minütiger Ausschnitt gezeigt und von rund 72 Millionen Amerikanern angesehen. Zwei Tage später wurden Teile der Debatte auch im sowjetischen Fernsehen ausgestrahlt.
Prost!: Nach all den Machtkämpfen - den fliegenden Zeigefingern, den erhobenen Stimmen und wilden Gesten - lächelte Chruschtschow am Ende dennoch. Möglicherweise liegt das auch am Alkohol. Zumindest den Wodka soll Chruschtschow nämlich etwas zu innig geliebt haben.
Pepsi statt Wodka: Auf der amerikanischen Nationalausstellung in Moskau konnte sich Chruschtschow auch für die kapitalistische Limonade begeistern. Nachdem er sie als "sehr erfrischend" beschrieben hatte, flossen dort pro Stunde mehr als 10.000 Becher. Mehr als ein Jahrzehnt später, im Jahr 1972, bekam Pepsi dann als einer der ersten multinationalen Konzerne die Erlaubnis, in der Sowjetunion zu produzieren und zu verkaufen.
Gut gegangen: Die hitzige Debatte eskalierte trotz so manchem Gefühlsausbruch nicht zu einer diplomatischen Krise. Im Gegenteil. Sie regte den offenen Dialog zwischen den verfeindeten Nationen an. Am 1 August 1969 durfte Nixon eine Rede im sowjetischen Fernsehen halten. Chruschtschow reiste im September nach Amerika und traf dort auf den damaligen Präsidenten Nixon.