Boybands der Neunziger Musik für Mädchen
New Kids on the Block: Die Jungs aus dem Arbeiterviertel in Boston waren die Begründer der Boygroup-Welle in den Neunzigern. Ihr Erfolg, vor allem 1990 mit "Step by Step", inspirierte zahlreiche Manager rund um den Globus, tanzende, singende und vor allem süße Jungs auf die Bühnen zu schicken.
Oberschmatzi: Joey McIntyre (r.) kam als Zwölfjähriger in die Band, als Mark Wahlberg lieber seine eigenen Wege ging. "Joeeeey" wurde einer der meistgehörten Schreie Anfang der Neunzigerjahre.
Markenzeichen: "Wir waren gut aussehende Jungs, die Popsongs gesungen haben", sagte McIntyre dem Sender Arte. "Damit haben wir eine Lücke gefüllt. " Und gleichzeitig das Erfolgsrezept der Boybands erfunden.
Wie ging's weiter? 2008 kam es zum Comeback und zur zwischenzeitlichen, sicherlich lukrativen, Megafusion mit den Backstreet Boys. Der Name: NKOTBSB.
Take That: Manager Nigel Martin-Smith formte Take That nach dem Boygroup-Rezept: Ein Typ für jeden Geschmack. Daraus wurde Europas erfolgreichste Boyband, die in den USA jedoch nie richtig Fuß fassen konnte. In Großbritannien landeten zwölf Singles und sieben Alben auf Platz eins der Charts.
Oberschmatzi: Mark Owen (m.). Wie er sich im Video zu "Babe" im Wollpulli nach Liebe sehnte - ein real gewordener Mädchentraum.
Markenzeichen: Sie schafften die Gratwanderung am Abgrund des Kitsches besser als andere und waren auch für Jungs tragbar.
Wie ging's weiter? Robbie Williams (r.) war der junge Clown der Truppe - und ihre Achillesferse. Nach seinem Ausstieg war die große Zeit vorbei. Bis heute gibt es jedoch Comebacks. Und wie früher sind sie damit erfolgreicher als die Konkurrenz.
Bed & Breakfast: Die erste und wohl erfolgreichste Boyband Deutschlands fand sich 1995 in Hamburg. Mitglied Daniel Aminati (2.v.l.), heute TV-Moderator, verabschiedete sich bereits 1996 wieder, die anderen backten bis 1999 kleinere Brötchen auf dem europäischen und asiatischen Markt. 2001 kam es zum Comeback-Versuch, der scheiterte. Die Debüt-CD "Stay Together" schaffte es immerhin auf Platz 20 in Deutschland. Insgesamt verkaufte die Band gut eine Million Platten.
Oberschmatzi: Florian Walberg (r.), der später auch bei "Bravo TV" Mädchen begeisterte.
Markenzeichen: Für fast alle Mitglieder war die Band nur das Sprungbrett zu einer anderen Karriere.
Wie ging's weiter? Aminati moderiert auf Pro 7, Walberg ist erfolgreicher Unternehmer (Elektrofahrzeuge), David Jost ist Manager der Gruppe Tokio Hotel und Kofi Ansuhenne arbeitet als Produzent und Songschreiber.
Backstreet Boys: Eigentlich ist ja alles gesagt über diese Gruppe, die sich ab 1993 anschickte, zur erfolgreichsten Boyband der Geschichte zu werden. Die Besetzung war perfekt und wechselte nie. Dazu kam überdurchschnittliches Gesangstalent und die Bereitschaft, alles anzuziehen, was der Manager einem hinlegte. So verkaufte BSB mehr als 175 Millionen Platten.
Oberschmatzi: Nick Carter (l.) - wie so oft war es das Nesthäkchen, das bei den Fans für Schweißausbrüche sorgte.
Markenzeichen: Nirgends stimmte die Mischung zwischen Schnulze und Abgehnummer so wie bei den Hinterhofjungs. Trotz des Erfolgs wehrte sich BSB später aber immer öfter gegen das Label Boyband und wollte "male vocal group" genannt werden. Ohne Erfolg.
Wie ging's weiter? Noch immer touren die Backstreet Boys in alter Besetzung durch Modenschauen und TV-Auftritte. Boys for life!
Caught in the Act: Goldene Hosen, Blicke wie frisch aus dem Coffee-Shop - Hollands erfolgreichster Export in den Neunzigern war das niederländisch-britische Quartett, das zwischen 1993 und 1998 vor allem in Deutschland Erfolg hatte. Dreimal reichte es dort für die Top Ten, insgesamt zu 25 Millionen verkauften Platten.
Oberschmatzi: Benjamin Boyce (l.) - eigentlich. Diesen Titel dürfte er aber spätestens nach seinem Auftritt im RTL-Dschungel 2015 verloren haben. Seine Freundin warf ihm vor, ihn geschlagen zu haben, worauf sich der Sender von ihm trennte.
Markenzeichen: Starteten nach einem Auftritt bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" so richtig durch - und das vorwiegend im deutschsprachigen Raum.
Wie ging's weiter? Das Abschiedskonzert gab es 1998 folgerichtig in Magdeburg. Für 2016 sollen sie nun ein Comeback planen.
East 17: Der härteste Vertreter des Boyband-Booms kam aus Walthamstow bei London und begeisterte ab 1991 vor allem mit "House of Love". Gut 18 Millionen Platten verkaufte das Quartett mit seiner Mischung aus Pop und Rap.
Oberschmatzi: Brian Harvey, der sich als letzter Bandzugang gleich beim ersten Studio-Besuch zum Frontmann mauserte. Nach irritierenden Kommentaren im Radio zum Thema Ecstacy wurde er den Titel los und musste 1997 die Band erstmals verlassen. 2015 postete er ein Video, das ihn beim Zerstören der Platin-Platten von East 17, später E-17, zeigte. Dabei rief er: "Das halte ich von eurer besch
Musikindustrie."
Markenzeichen: Hunde, Sprechgesang, Tattoos und wenig Metrosexualität.
Wie ging's weiter? Die Austritte und Comebacks sind bis heute nicht zu zählen. Von einem "House of Love" kann nicht wirklich die Rede sein.
New Edition: Die waren zu früh, fanden die einen. Sie hatten die falsche Hautfarbe, meinten andere wie Jamie Jones, Sänger der "I Swear"-Boyband All-4-One. New Edition startete, wie auch die New Kids on the Block, in den Achtzigern ihre Karriere als Quintett von Boston aus. Trotz des Frühstarts vor dem Boyband-Boom reichte es zu einem Nummer-1-Album, allerdings erst nach einem ersten Comeback 1996.
Oberschmatzi: Bobby Brown (2.v.l.). Ja, genau der, der später als Ehemann von Whitney Houston auch für negative Schlagzeilen sorgte.
Markenzeichen: Die Band fand sich Ende der Siebzigerjahre in Boston und beeinflusste als "New Edition" der berühmten Jackson 5 mehr die Zukunft, als dass sie die Vergangenheit nachahmte.
Wie ging's weiter? Wie so oft - mit Trennungen, Comeback-Tourneen und schwindendem Erfolg.
Westlife: Simon Cowell, der Macher von Boyzone, interessierte sich Mitte der Neunziger für eine Sechsmann-Combo namens IOYOU. Doch er hatte ein Problem: "Ihr müsst mindestens drei feuern. Sie können zwar singen aber sie sind hässlich wie die Nacht." Gesagt getan. Knapp 20 Jahre später hat die irische Band Westlife 20 Millionen Platten verkauft.
Oberschmatzi: Nicky Byrne (hier im Lederteppich), ehemaliger Fußballer von Leeds United, 2014 bei der Wahl zum Sexiest Man Irlands auf Platz zwei.
Markenzeichen: Wie auch bei Take That reichte es in den USA trotz europäischer Hysterie nie für den großen Erfolg.
Wie ging's weiter? Das endgültige Ende nach den üblichen Austritten und Comebacks kam im Juni 2012 mit einem in fünf Minuten ausverkauften Konzert vor 82.300 Zuschauern.
Worlds Apart: Eine der Boygroups, die ihren Namen sogar ein wenig zu Recht trägt. Mit ihren Bandmitgliedern aus verschiedenen Nationen (okay, vor allem von den britischen Inseln) hatte Worlds Apart in Europa durchaus Erfolg. Die Besetzung wechselte seit der Gründung 1992 ein paar Mal, inzwischen reduziert sich die Gruppe auf drei Noch-Boys.
Oberschmatzi: Nathan Moore (l., siehe auch Brother Beyond).
Markenzeichen: Hatten Singles wie "Je te donne" im Angebot, was besonders die französischen Mädels freute. In Frankreich schafften sie es mehrmals in die Top Ten.
Wie ging's weiter? Die Jungs landeten zwischenzeitlich auf Haribo-Packungen, dann fünf Jahre im Aus. 2007 wurde dann wieder getanzt, allerdings nicht mehr bauchfrei - und nicht mehr so erfolgreich.
Boyz II Men: Mehr als A-Capella-Kombo denn als Boygroup fanden die fünf Jungs aus Philadelphia Mitte der Achtzigerjahre in die Charts. In den Neunzigern verhalf ihnen Motown Records zu großem Erfolg. Mit "End of the Road" waren sie 13 Wochen an der Spitze der Billboard-Charts. Allein in den USA verkaufte die Gruppe 25 Millionen Alben.
Oberschmatzi: Shawn Stockman (2v.r.)
Markenzeichen: Boyz II Men waren nicht die typische Boyband, statt offenen Hemden gab es schon mal Tapetenpullis für Omas Geburtstag - und unzählige Musik-Auszeichnungen: mehrere Grammys, American Music Awards und einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame.
Wie ging's weiter? Mit der Zeit reduzierte sich die Mitgliederanzahl von fünf auf drei. 2014 erschien ihr elftes, bislang letztes Album.
Boyzone: Die irische Gruppe hatte 1993 ihren ersten Auftritt in einer Late-Night-Show - ohne eigenen Song. Sie tanzten anzüglich, das Publikum schaute pikiert. Das änderte sich. In der Folge verkaufte das Quintett mehr als 25 Millionen Platten, war mit fünf Alben auf Nummer eins in Großbritannien, darunter Hits wie "Words" und das Cat-Stevens-Cover "Father & Son". Bis heute gilt Boyzone neben Take That und Westlife als erfolgreichste Boyband Europas.
Oberschmatzi: Ronan Keating (2.v.r.), wie viele Bandlieblinge auch solo erfolgreich.
Markenzeichen: Neben dem Faible für Unterhemden war es das nasale Organ von Keating, das die Band unverwechselbar machte.
Wie ging's weiter? Boyzone sind weiter aktiv, nach dem Tod von Stephen Gately (r.) 2009 nun zu viert. Seit 2010 schaffte es jedoch kein Album mehr in die Top 40.
Another Level: Die vier Studenten der BRIT School of Performing Arts & Technology in London fanden sich 1995 und blieben ganze fünf Jahre zusammen. Mit dem Silk-Cover "Freak Me" erreichten sie die Spitze der britischen Single-Charts.
Oberschmatzi: Dane Bowers (2.v.r.) brach erst die Mädchenherzen mit Another Level, später mit vielen anderen mittelerfolgreichen Combos. Teilnehmer mehrerer Promi-TV-Formate (Big Brother).
Markenzeichen: Arbeiteten aufgrund guter Beziehungen ihrer Plattenfirma unter anderem mit Hip-Hop-Größen wie Jay-Z und Ghostface Killah zusammen.
Wie ging's weiter? Sollten eigentlich 2013 für die TV-Show "The Big Reunion" ein großes Comeback feiern. Leider bekam Mitglied Mark Baron (2.v.l.) bei der Arbeit nicht frei. Sein Chef: Schwiegervater Alan Sugar, schwerreicher Unternehmer und TV-Größe. 2014 ein neuer Anlauf für eine Rückkehr - wieder erfolglos.
Hanson: Eigentlich ja keine richtige Boygroup, da die Brüder aus Oklahoma tatsächlich ihre Instrumente mit auf die Bühne brachten. Aber irgendwie doch, so kuschelig fanden Teenies die haarigen Naturtypen, die zu Beginn ihrer Karriere auch als A-Cappella-Gruppe auftraten. Ihr größter Hit "MMMBop" (1997) war in 27 Ländern die Nummer eins, inklusive Deutschland.
Oberschmatzi: Zac Hanson, der jüngste. Wie er als noch nicht mal Teenager hinter den Drums saß, rührte jeden.
Markenzeichen: Mit ihrer fundierten Musik-Erziehung und ihrem Auftreten waren sie der etwas andere Boygroup-Entwurf. Und tatsächlich schafften die drei mit Verlassen des Boy-Alters den Sprung vom Pop-Phänomen zur Indie-Band.
Wie ging's weiter? Hansons sind weiter fleißig, ein neues "MMMBop" ist aber nicht in Sicht. Wohl mit Absicht.
LFO: Coverten tatsächlich schon 1999 einen Boygroup-Song: "Step by Step" von New Kids on the Block. Richtig Erfolg hatte das Trio dann aber erst in der endgültigen Besetzung wenig später mit dem Hit "Summer Girls".
Oberschmatzi: Rich Cronin (l.) war das Gesicht der Band - aber leider vergeben. Er lernte 1999 die Schauspielerin Jennifer Love Hewitt kennen und lieben. Für sie schrieb er den Hit "Girl on TV".
Markenzeichen: Comebacks gab es viele in der Boygroup-Geschichte. Doch das von LFO war rekordverdächtig kurz. 2009 begannen sie ihre Tour am 23. September. Fünf Tage später gab die Band bekannt, sich endgültig zu trennen.
Wie ging's weiter? Brad Fischetti (r.) macht inzwischen vor allem Schlagzeilen, weil er als Abtreibungsgegner aus Abtreibungskliniken tweetet. Cronin starb 2010 an Leukämie.
Menudo: Ja, auch Lateinamerika widmete sich früh Bands, die mit schnuckeligen Jungs besetzt waren. Bereits 1977 startete die Gruppe von Puerto Rico aus. So richtig erfolgreich waren sie jedoch nicht, vielleicht lag es an der Zeit, vielleicht auch an der wechselnden Besetzung, die keinen großen Personenkult zuließ.
Oberschmatzi: Ricky Martin. Ja, auch er war fünf Jahre lang (1984-1989) eines von bislang insgesamt 33 Mitgliedern.
Markenzeichen: So viele Typen, da konnte man sich beim besten Willen nicht entscheiden. Und darum ging es doch bei Boybands: Die erste Liebe finden.
Wie ging's weiter? 2011 veröffentlichte die Band ihr 41. Studioalbum. Dazu kommen drei Filme und einige Kompilationen mehr.
NSYNC: Die Jungs aus Orlando bekamen 1995 ihren ersten Vertrag in München bei BMG Ariola. Von dort aus eroberten sie die Welt. Ihr zweites Album "No Strings Attached" verkaufte sich in der ersten Woche wie kein zweites der Geschichte (2,4 Millionen). Keines wurde bei Amazon.com öfter vorbestellt. Neben den Backstreet Boys gelten sie als die erfolgreichsten Vertreter der Boygroup-Welle.
Oberschmatzi: Justin Timberlake (r.). So viel Starpotenzial, dass es auch allein reichte.
Markenzeichen: Tanzten noch einen Tick besser als der Rest. Und auch die Sache mit dem Merchandising war Weltklasse: Vom Lippenbalsam bis zu Marionetten gab es alles von NSync.
Wie ging's weiter? 2002 war Schluss, einzelne Auftritte gibt es aber noch. Unter anderem einen vielbeachteten bei den MTV Music Awards 2013 .
O-Town: Boyband-Boom in der Musikindustrie, da musste auch der größte Musiksender versuchen, vom Geldregen etwas abzugreifen. 2000 suchte MTV in der Sendung "Making the Band" eine amerikanische Boygroup. Heraus kam O-Town - und der Song "All or Nothing" von 2001. Der war so erfolgreich, dass er es in den größten Musikmärkten in die Top Ten der Single-Charts schaffte.
Markenzeichen: Auch O-Town war ein Produkt des Boyband-Machers Lou. Der Manager war zuvor schon Erfinder der Backstreet Boys und von NSync gewesen. Der Bandname steht für die Stadt Orlando in Florida. Keines der Bandmitglieder kam jedoch von dort.
Wie ging's weiter? 2003 schrieb die Band an ihre Fans, dass es nicht weiter gehe. Sie kritisierte indirekt Manager Perlman, der inzwischen auch Probleme mit seinen anderen Schützlingen hatte und 2008 schließlich wegen Betrugs ins Gefängnis musste.
98 Degrees: Die vier Jungs aus Ohio kamen 1995 nach Los Angeles und starteten von dort ihren Siegeszug durch Mädchenherzen. 2002 war nach zehn Millionen verkauften Platten erstmal Schluss, 2013 meldeten sie sich mit einer mäßig erfolgreichen CD zurück. Größter Erfolg: 2000 reichte es mit "Thank God I Found You" (an der Seite von Mariah Carey) zur Nummer eins in den USA.
Oberschmatzi: Drew Lachey (l.)
Markenzeichen: Wurden als Gruppe gecastet und von Motown Records (Commodores) vermarktet. "Wir waren keine Marketingband", sagte Mitglied Drew Lachey. Galten sängerisch als eine der besten Gruppe unter allen Boybands.
Wie ging's weiter? Nach dem Sieg im Promi-TV bei "Dancing with the Stars" ist Drew Lachey Ende Oktober 2015 mit der Gruppe "The Skivvies" auf Tour. Ihr Markenzeichen: Popsongs in Unterwäsche.