Geheime Orte Kein Licht im Dunkeln
Faslane, Schottland: Im März 2009 stellte sich heraus, dass sich über Google Earth der wohl geheimste Militärstützpunkt der Briten ausspionieren lässt. Und in der Tat, wenn man fleißig ranzoomt, kann man richtig viel sehen - zwei riesige...
...Atom-U-Boote der Vanguard-Klasse zum Beispiel: Die Atom-U-Boote (hier die "HMS Victorious"), die weltweit drittgrößten ihrer Art, können 16 Raketen pro Stück transportieren. Und ihr Lagerhaus ist auch nur zehn Meilen entfernt! Als Normalsterblicher betritt man diesen Ort nie, nun kann man...
...hautnah dabei sein: Militärexperten warnen seitdem, dass Google Earth die Sicherheit Europas gefährde.
Marokkanische Mauer: Mehr als 2500 Kilometer ist sie lang, die "Mauer der Schande", wie sie die Männer und Frauen der Frente Polisario nennen, der Befreiungsfront für die Unabhängigkeit der Westsahara. Sie gründete sich 1973, um gegen die Kolonialherren aus Spanien zu kämpfen. Nachdem die abgezogen waren, annektierte jedoch Marokko die Westsahara 1975, der bewaffnete Konflikt dauerte mehr als 16 Jahre. Tausende Menschen starben, zum "Schutz" der eigenen Bevölkerung ließ der marokkanische König Hassan II. einen kilometerlangen Erdwall aufschütten (Foto von 1997). Der Wall verläuft...
...quer durch die Westsahara: Heute wird das Gebiet westlich des Walls von Marokko verwaltet (wie hier im Bild bei Tifariti, nahe der algerischen Grenze). Der Osten wird von der Frente Polisario gehalten. Nur an die Mauer traut sich niemand ran. Tausende von Granaten und Landminen säumen ihren Rand, bis heute gilt der marokkanische Wall...
...als längstes Minenfeld der Welt: Wie viele Menschen hier schon ihr Leben verloren haben, ist nicht bekannt. Schätzungen der Vereinten Nationen gehen von mehreren hundert pro Jahr aus.
Das Foto vom 20. Mai 2008 zeigt die Zündung einer Landmine bei Tifariti nahe der algerischen Grenze.
Der Himmel über Sewersk: Es gibt einen Zoo, zwei Kinos und Dutzende Schulen, die brauchen sie auch in Sewersk, wo die Zahl der Einwohner jährlich um mehrere Tausend steigt. Doch was genau geht in dieser Stadt eigentlich vor? Sewersk - ein Archipel aus Forschungsstätten, Fabriken, Uranminen und Testgeländen - wurde 1949 unweit der kerntechnischen Anlage Tomsk gegründet und liegt mitten im sibirischen Nichts. Es ist eine sogenannte Geschlossene Stadt. Die Bezeichnung stammt aus Sowjetzeiten, und zu diesen hieß Sewersk einfach nur "Postfach Nr. 5". Noch heute braucht man einen Passierschein, um die Stadt zu betreten. Gut, dass die Herren von Electricité de France sie trotzdem fanden. Knapp 13 Prozent des französischen radioaktiven Abfalls sollen hier seit Jahren in Containern auf einem Parkplatz stehen - unter freiem Himmel.
Google-Earth-Ansicht von Sewersk in Sibirien, Russland (Aufnahme von 2009)
Tschernobyl: Es wäre die perfekte Kulisse für einen düsteren Science-Fiction-Thriller - wenn nicht die Realität selbst schon das schrecklichste Drehbuch geschrieben hätte. Es war 1.23 Uhr, als am 26. April 1986 der Reaktor des Blocks 4 im Kernkraftwerk Tschernobyl explodierte. Noch heute zeigen die Uhren in der Ruine diese Uhrzeit an. Um die strahlenden Trümmer wurde ein Schutzmantel aus Stahl und Blei gelegt, der inzwischen so rissig ist, dass die Gesamtfläche aller Löcher hundert Quadratmeter beträgt. In...
...Tschernobyl sind 3800 Arbeiter beschäftigt: Sie reparieren den sogenannten Sarkophag, dessen tragende Basis die Wände des explodierten Reaktors sind. Doch die geben unter dem Gewicht der Bleihülle immer mehr nach. Rund 200 Tonnen radioaktives Material sind unter dem Sarkophag begraben - teils in Form geschmolzener Brennelemente, teils in Form von Staub und Asche oder ausgewaschener Flüssigkeiten im Reaktorsumpf. Sollte der Sarkophag tatsächlich zusammenbrechen, würde eine nukleare Staubwolke ungeahnten Ausmaßes freigesetzt. Das Foto vom 31. Januar 2006 zeigt radioaktiv verseuchte Autos und einen Helikopter auf einem Feld in der Nähe des Dorfes Roshoa bei Tschernobyl. Im Innern des Reaktorblocks...
...herrschen noch immer Werte von 3400 Röntgen pro Stunde: Die tödliche Dosis liegt bei etwa 300 bis 500. Nicht wirklich ein Ort, an dem man sich aufhalten möchte. Das Foto zeigt ein Klassenzimmer einer ehemaligen Grundschule am 25. Januar 2006 in Pripjat.
Area 51: Diese Warnschilder, aufgenommen am 7. April 1996, markieren die Grenze der geheimen Militärbasis Area 51 im US-Bundesstaat Nevada. Auf den offiziellen Karten der US-Regierung ist das gesamte Gebiet nicht zu finden. Auf den Satellitenbildern der Nasa hingegen ist die Area dagegen abgebildet.
Area 51 von oben: Aus der Luft sieht der Militärstützpunkt ziemlich unspektakulär aus - ein paar Straßen, Hangars und Gebäude in der Mojave-Wüste ein paar hundert Meilen nördlich von Las Vegas. Doch was passiert mit Orten, die nicht auf Regierungskarten, wohl aber auf Satellitenbildern der Nasa vorkommen, egal wie unspektakulär sie sein mögen? Richtig, sie werden zur Keimzelle wildester Verschwörungstheorien.
Ufo-Humor: Rachel, Nevada, ist der nächst gelegene zivile Wohnort außerhalb der Area 51. Seit Ende der achtziger Jahre ist es ein Pilgerziel für Ufologen. Die Bewohner der 100-Seelen-Gemeinde scheinen dies mit Humor zu nehmen.
Der große Jamantau, Russland: Jahrelang ist spekuliert worden, was sich im Innern des Bergmassivs Jamantau im südlichen Ural befindet. Das hing vor allem damit zusammen, dass sich russische Offizielle regelmäßig widersprachen. Die Beschreibungen reichten dabei vom unterirdischem Lebensmittellager bis zu Sicherheitsbunker im Fall eines Atomkriegs.
Wie ein Ochs vorm Berg: 1994 gelangte ein russischer Journalist auf das abgesperrte Gelände am Bergmassiv Jamantau. Dort sah er "eine riesige Baustelle mit Militärbaracken und einem Landeplatz für Hubschrauber - und überall Eisenschrott". Auf eine Anfrage der "New York Times" an die russische Regierung, was sich im Innern des Jamantau verberge, antwortete man knapp: "Das russische Verteidigungsministerium ist den Massenmedien zu keiner Aussage darüber verpflichtet, was der Sinn und Zweck von Anlagen ist, die dem Interesse der Stärkung unserer Sicherheit dienen."
Google-Screenshot von 2010 über dem Ural-Gebirge. Der Pfeil zeigt den Berg Jamantau, in der Bildmitte ist das abgesperrte Areal zu sehen.
Abhörstation Pine Gap: Aus der Ferne sieht es aus wie ein Parkplatz für Heißluftballons, aber in Wirklichkeit ist es das natürlich nicht. Die weißen Erdblasen sind die Radarkuppeln von Pine Gap (Foto von 1999), einer Abhörstation im australischen Outback bei Alice Springs. Irgendwo müssen die Daten, die weltweit von amerikanischen Militärsatelliten gewonnenen werden, schließlich verarbeitet werden. Sollte es Location-Scouts geben, die auf der Suche nach der perfekten "James Bond"-Kulisse sind, dann sollten sie dringend im Raum der Supercomputer von Pine Gap vorbeischauen. Der ist 5600 Quadratmeter groß, ausgestattet mit der neuesten Technik - blinkende Bildschirme allerorten, Mitarbeiter, die konzentriert auf komplexe Diagramme starren. Tausende Daten von E-Mails, Telefonaten, Funk- und Walkie-Talkie-Gesprächen laufen täglich hier ein, vor allem aus Nordkorea, Pakistan, Afghanistan, Irak. Pine Gap ist hermetisch abgeriegelt, Flugzeuge dürfen es nur ab einer Höhe von 18.000 Fuß überqueren.
Negev Nuclear Research Center in Israel: Es war im Jahr 1958, als die israelische Regierung mit französischer Hilfe ein Atomkraftwerk in der Negev-Wüste errichtete - als Entsalzungsanlage zur Begrünung der Sandwüste. Soweit zur offiziellen Verlautbarung. Für Innenansichten des Projekts sorgte in den achtziger Jahren ein Techniker namens Mordechai Vanunu. Er plauderte in den britischen Medien über das israelische Atomprogramm, berichtete von Sprengköpfen im Kern des Reaktors und...
...und brachte Fotos als Beweis: Am 5. Oktober 1986 erschien der Artikel, die nächsten 18 Jahre verbrachte Vanunu im Gefängnis. Bis heute hat die israelische Regierung weder bestätigt noch dementiert, dass im Negev Nuclear Research Center Atomwaffen (Foto von 2002) hergestellt werden.
Deutschlands Ölreserven: Das Gute an den nationalen Ölreserven in Deutschland ist, dass sie echt leicht zu finden sind. Sie liegen in Sottorf bei Hamburg, Heide, Bremen-Lesum und Wilhelmshaven, und lange Zeit hat man sie daran erkannt, dass irgendwo auf dem Acker ein komisches Gerüst aus dem Boden ragte, eine Art dickes Rohr mit links und rechts vier Anschlüssen. Das Schlechte...
Das Foto zeigt einen Mitarbeiter, der am 2. September 2005 die Verteilerstation in Sottorf überprüft
...an diesen Reserven ist: Man wird sie niemals erreichen. 2000 Meter tief unter der Erde liegen sie in riesigen Hohlräumen, ausgelassenen Salzstöcke, die nur durch ein Rohr einem Durchmesser von 90 Zentimetern mit der Oberfläche verbunden ist. Elf Milliarden Euro ist der Gegenwert der strategischen Ölreserven in Deutschland, es lohnt sich also. Soll ja auch für 90 Tage halten.
Führungsanlage K20: Da haben sie ganz schön gestaunt, die Schweizer, als sie am Morgen des 26. August 2008 SPIEGEL ONLINE aufriefen. Denn dort waren, zum ersten Mal, die Koordinaten der bis dato total geheimen Führungsanlage K20 (Foto von 2008) veröffentlicht, einem Bunker am Gebirgsbach Kander im Berner Oberland. 259 Millionen Franken teuer, mit eigenen Radio- und Fernsehstudio und im Innern viele Etagen wie ein mittleres Hochhaus.
Streng bewacht: Wer es als Offizier oder Regierungsmitglied in die Führungsanlage K20 hineinschafft, der muss erst Handy, Kamera und Notebook abgeben, sich die Iris scannen und mit einem PIN-Code identifizieren lassen. Erst dann nach dieser Prozedur darf die unterirdische Bahn bestiegen werden, die in einer etwa fünfminütigen Fahrt in den Hauptteil des K20 transportiert. Hierhin würde die Schweizer Regierung im Fall eines Atomkriegs flüchten. Der Rest der Bevölkerung hat eh schon einen Bunker. Fast in jedem Haus, jeder Schule und jedem Krankenhaus des Landes gibt es im Keller einen atomsicheren Schutzraum. Auf die sieben Millionen Einwohner des Landes kommen insgesamt 270.000 Minibunker - so viele wie nirgends sonst auf der Welt. Aber was war jetzt so geheim am Bunker des Bundesrats? Ach ja, seine Koordinaten - 46° 28' 33'' nördlicher Breite, 7° 39' 54'' östlicher Länge.
Samentresor: Gut, das mit dem Hinkommen ließe sich noch hinkriegen - das Ziel liegt rund tausend Kilometer vom Nordpol entfernt, auf einer der Inseln des Spitzbergen-Archipels. Reinkommen wird schon schwieriger. Denn der Bunker liegt...
...tief im Innern einer alten Kohlemine: Die Betonmauern des Eingangs sind so hoch wie breit, die Türen gepanzert, damit der Schatz im Inneren zur Not auch einen Atomkrieg übersteht. Denn hier lagert das landwirtschaftliche Gedächtnis der Menschheit, eine Art Arche Noah für Pflanzensamen, vergraben...
...im ewigen Eis: Bis zu 4,5 Millionen Proben können in dem Tresor der "Svalbard Global Global Seed Vault" eingelagert werden, zwei Jahre nach seiner Eröffnung sind es bereits eine halbe Million. Bei minus 18 Grad Celsius könnten sie tausend Jahre überdauern. Ein digitales Überwachungssystem kontrolliert Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Innern der Mine, es gibt keine Person, die allein über alle notwendigen Codes zum Eintritt verfügt. Und selbst an Katastrophen wie Erdbeben oder den Klimawandel hat man gedacht - das Pflanzenlager liegt 130 Meter über dem aktuellen Meeresspiegel. Selbst wenn große Teile der Eisdecke schmelzen, bliebe es trocken.
Wehrwissenschaftliches Institut für Schutztechnologien: Öde Landschaften, viele Kasernen und massenhaft Kampfstoffe aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg - ideale Bedingungen für die Mitarbeiter des Wehrwissenschaftlichen Instituts für Schutztechnologien (WIS). Bereits 1916 wurde in Munster in der Lüneburger Heide Gasmunition hergestellt, 1935 kamen neue Produktions- und Versuchsanlagen für chemische Kampfstoffe hinzu. Die Altlasten in dieser Gegend bieten Testmaterial für die kommenden Jahrzehnte. Am 20. August 2004 besuchte Verteidigungsminister Peter Struck (Foto) das WIS - den einzigen Ort in Deutschland, an dem chemische Kampfstoffe gelagert und benutzt werden dürfen. Zum Beispiel um die Widerstandsfähigkeit...
...von Gasmasken zu testen: Die Labore sind durch ein spezielles Checkkarten-System gesichert, nur eine Handvoll Forscher verfügen über die entsprechenden Zugangskarten. Und manche Gebäude dürfen grundsätzlich nur zu zweit betreten werden - um sicherzugehen, dass nichts aus ihnen entfernt wird.