Architektur in Nordkorea Prächtige Parallelwelt
Die Pracht von Pjöngjang: Riesige Gesellschaftsbauten prägen das Stadtbild der nordkoreanischen Metropole Pjöngjang. Das dikatorische Regime nutzt Architektur als Mittel der politischen Selbstdarstellung. "Die Stadt ist ein architektonisches Kuriositätenkabinett, ein in Beton gegossenes Abbild einer utopischen Ideologie", sagt der Berliner Philipp Meuser, der gerade den ersten Architekturführer für Pjöngjang herausgegeben hat.
Thongil-Wohnviertel: Riesige, bis zu 40-stöckige Wohnblöcke, in denen jeweils Hunderte Familien leben, flankieren die breite Thongil-Straße. "Wohnmaschinen", nennt Architekt Philipp Meuser diese standardisierten Reihenhäuser für die Massen. Als Architekt fasziniert ihn der sozialistische Baustil in Reinform, doch leben möchte er in Pjöngjang nicht.
Kongresshalle Mansudae: In dem insgesamt 45.000 Quadratmeter großen Bau finden in erster Linie Tagungen der Obersten Volksversammlung Nordkoreas, sowie Kongresse, diplomatische Treffen und offizielle Presseverlautbarungen statt. Dafür gibt es hier mehrere unterschiedlich große Konferenzsäle, einen Zeremonienraum, sowie kleinere Ruhe- und Empfangsräume.
Großtheater Pjöngjang: Das im koreanischen Stil gebaute und erst 2009 sanierte Theatergebäude hat eine Fläche von insgesamt 30.000 Quadratmetern. Bis zu 2200 Zuschauer können hier das Geschehen auf der riesigen Bühne verfolgen, auf der bis zu 700 Darsteller gleichzeitig auftreten.
Zirkus Pjöngjang: Unter diesen hexagonalen Dächern, in fünf Hallen, die insgesamt 70.000 Quadratmeter groß sind, ist die Heimat des nordkoreanischen Staatszirkus'. Die besten Artisten Nordkoreas treten hier täglich vor 3500 Zuschauern auf.
Großer Studienpalast des Volkes: In einer Parkanlage auf dem Namsan-Hügel erhebt sich dieser zehngeschossige Monumentalbau. Auf etwa 100.000 Quadratmetern befinden sich darin 15 Lesesäle, 14 Auditorien, zahlreiche Büros, Arbeitszimmer und Serviceräume.
Schülerpalast Mangyongdae: In diesem sechsgeschossigem Bau an der Straße der Heroischen Jugend befinden sich über 650 Räume. Dort können 5400 Kinder, so die offizielle Verlautbarung, "nach Herzenslust ihre Begabungen entfalten".
Eissporthalle: In dem markanten kegelförmigen Betonkörper befindet sich die 30 Meter breite und 60 Meter lange Eisfläche. Bis zu 6000 Zuschauer können sich unterhalten lassen.
Hotel Koryo Pjöngjang: Dieses Luxushotel, dessen zwei 45-geschossige Türme 143 Meter in den Himmel ragen, ist der zweithöchste Hotelbau in Nordkorea. Bis zu 1000 Gäste können hier in 504 Zimmern übernachten und in einem der vier Restaurants oder dem Drehrestaurant im 45. Stock essen.
Großmonument auf dem Mansu-Hügel: Im Zentrum von Pjöngjang liegt diese monumentale Gedenkstätte. Ihr Mittelpunkt ist die 20 Meter hohe Bronzestatue von Staatsgründer Kim Il-sung, die vor einem 70 Meter langen und 12,85 Meter hohen Wandmosaik steht. Rechts und links der Statue sind zwei Figurengruppen unter wehenden roten Fahnen zu sehen. Sie sind jeweils 50 Meter lang und 22,80 Meter hoch und erinnern an den Kampf der Koreaner gegen die japanischen Besatzer, an die sozialistische Revolution und den Neuaufbau der Gesellschaft.
Chollima-Denkmal: Diese Statue stellt das geflügelte Pferd Chollima dar, das einer koreanischen Legende nach 400 Kilometer am Tag zurückgelegt haben soll. Darauf reiten ein Arbeiter, der in seiner erhobenen Hand einen roten Brief des Parteizentralkomitees und eine Bäuerin, die eine Reisgarbe hält, dem Himmel entgegen. Die 16 Meter hohe Statue steht auf einem 34 Meter hohen geneigten Granitsockel in einer insgesamt 5000 Quadratmeter großen Parkanlage.
Denkmal für die Wiedervereinigung des Vaterlandes: Pjöngjang ist eine Stadt voller gigantischer Propaganda-Monumente. So halten hier auf einer Breite von 61 Metern zwei 25 Meter hohe steinerne Frauenfiguren in traditioneller Kleidung die Karte des vereinigten Korea. Sie bilden so ein Tor über eine Schnellstraße nach Kaesong, der fünftgrößten Stadt Nordkoreas. Von einer Vereinigung ist Korea allerdings in der Realität weit entfernt.
Blick auf Pjöngjang: Im Vordergrund ist über den Chuch'e-Turm der Kim-Il-sung-Platz am Taedong mit dem Großen Studienpalast des Volkes zu sehen, dahinter die Ufo-ähnliche Eissporthalle nebst Hallenstadion. Links vom Platz in dem Gebäude mit dem grünen Dach hat das Außenhandelsministerium seinen Sitz, rechts die Zentrale der Kommunistischen Partei Nordkoreas. Vor der Bergkette erstreckt sich das sogenannte Kwangbok-Wohnviertel.
Freilichtmuseum sozialistischer Baukunst: Das Denkmal zu Ehren der Parteigründung stellt die drei Säulen der Gesellschaft dar. Der Hammer symbolisiert dabei die Arbeiterklasse, die Sichel die Schicht der Bauern und der Schreibpinsel in der Mitte des imposanten Bauwerks die Gruppe der Intellektuellen.
Sozialismus in Reinkultur: "Pjöngjang ist das wohl am besten erhaltene Open Air-Museum sozialistischer Bauweise", sagt Architekt Meuser, "standardisierter Massenwohnungsbau, breite Straßenzüge, ambitionierte und monumentale Kulturdenkmäler."
Untypische Architektur: Die wellenförmigen und zylindrischen Wohnhäuser an der Kwangbok-Straße passen nicht in die Kulisse koreanischer Baukunst. In ihrer Form erinnern die Gebäude an den Schweizer Architekten und Designer Le Cobusier.
Bauklötze: Die Rückseite eines Wohnhauses im Zentralbezirk, aufgenommen 2009. Wer den Wohnblöcken in Pjöngjang näher kommt, erkennt den Verfall. Viele Gebäude haben ihre besten Tage schon lange hinter sich.
Europäische Architektur: 1982 wurde der Triumphbogen in Pjöngjang erbaut - zur Erinnerung an die japanische Besatzung (1925 bis 1945), die mit dem Einmarsch der Roten Armee beendet wurde. Das Bauwerk ist wie der Arc de Triomphe in Paris zu allen vier Himmelsrichtungen geöffnet, auf einer vierspurigen Straße werden die Autos unter dem Denkmal hindurchgeführt. "Allerdings ist es so," sagt Architekt Meuser, "dass sich Pjöngjang von der Weltarchitektur inspirieren lässt - und nicht umgekehrt."
Menetekel der Stadt: Eigentlich sollte das pyramidenförmige Hotel Ryugyong bereits 1989 fertiggestellt sein, doch dann wurden die Arbeiten an der 330 Meter hohen Konstruktion mit 105 Beton-Geschossen gestoppt. Die offizielle Erklärung lautete, die USA hätten durch ihre wirtschaftliche Sanktionen einen Weiterbau verhindert. Wahrscheinlicher ist, dass Nordkorea schlicht das Geld für den Weiterbau fehlte. Erst 2009 wurden die Baumaßnahmen fortgesetzt und die Fassade schließlich fertiggestellt - durch den ägyptischen Telefon- und Baukonzern Orascom.
Unterirdischer Prunk: Die 1987 eröffnete U-Bahn-Station Yongwang auf der Chollima-Linie - mit prachtvollen Deckenleuchtern, kunstvollen Mosaiken an den Wänden und mit Marmor verkleideten Säulen.
Sportlich: Die 1982 offiziell eröffnete Eissporthalle in Pjöngjang bietet Platz für rund 6000 Zuschauer, hier in der Bildmitte die Ehrentribüne mit den roten Schalensitzen. Gigantische Sportveranstaltungen sind neben den Massenaufmärschen ein beliebtes Mittel des Regimes, sich propagandistisch zu inszenieren.
Einmal die Einheitsfrisur, bitte: Die Wandtafeln in dem rosa gestrichenen Wartezimmer eines Damenfriseursalons im Changgwangsan Hygiene- und Gesundheitspalast zeigen, welche Haartracht bei Frauen derzeit angesagt ist. Als Philipp Meuser fragte, ob er das Interieur erwerben könne, war die Antwort eindeutig: "Unverkäuflich!"
Zeichen von Armut: Philipp Meuser hat seinen Architekturführer Pjöngjang in zwei Bänden herausgegeben und mit einem Trick die Zensur des Regimes umschifft. Der erste, offiziell mit Pjöngjang ausgehandelte Teil zeigt Hochglanzfotos einer staatlichen nordkoreanischen Agentur, versehen mit nüchternen, unkritischen Texten.
Der zweite Band jedoch, von dem die Nordkoreaner wohl nichts wissen, zeigt auch Bilder, die Meuser bei seinen Reisen selbst gemacht hat. Wie auf dieser Aufnahme deuten sie die Armut zumindest an. Die Kommentartexte in Band zwei erwähnen zudem all das, was im ersten Band nicht stehen konnte: die Propaganda und die Brutalität des repressiven Regimes, das seine Bürger einsperren, foltern und verhungern lässt.
Zu Ehren der "Sonne": Am 15. April jeden Jahres feiern die Nordkoreaner mit allerlei Blumenschmuck und Tanzveranstaltungen den Geburtstag des Generals Kim Il-sung, dessen Name zu deutsch "Die Sonne" bedeutet. Dieser Schriftzug an einem Wohn-Rundturm erinnert an das nationale Fest. Propgandatafeln sind die einzigen Farbtupfer in einer eintönigen Architektur; Werbepalakte gibt es in Pjöngjang nicht.
Diktator im Detail: Das Mosaik-Wandbild auf dem Gelände des Verlags für Fremdsprachige Literatur in Pjöngjang, das für das Ausland bestimmte Publikationen - wie den 2011 bei DOM Publishers erschienenen Architekturführer - veröffentlicht, zeigt Nordkoreas Diktator Kim Jong-il bei der Kontrolle von Druckbögen.
"Unmenschliche Architektur: Um 1989 war das Gelände an der Thongil-Straße in Pjöngjang eine einzige riesige Baustelle. Kennzeichnend für die sozialistische Bauweise in der Stadt ist die Ausblendung des Individuums - Philipp Meuser spricht daher auch von einer "im Prinzip unmenschlichen Architektur".
Propaganda-Metropole Pjöngjang: "Ideologie, Kampfgeist, Lebensweise. Alles wie bei unseren Vorfahren!", heißt es auf dieser Plakatwand.