Proteste gegen Ölpipeline in den USA Dem Winter zum Trotz
Seit Monaten harren Demonstranten nahe des Standing-Rock-Reservats des Sioux-Stammes im US-Bundesstaat North Dakota aus, sie wollen den Bau einer Pipeline verhindern. Trotz einem Zwischenerfolg geht der Protest weiter - auch bei eisigen Temperaturen.
Isaac Soderstrom kämpft sich im Camp Oceti Sakowin durch den Schneesturm. Am Montag und Dienstag hat es in der Gegend schwer gestürmt, die Temperaturen lagen teils bei minus 15 Grad Celsius.
Einige der Demonstranten mussten das Lager verlassen, um Schutz vor dem Sturm zu suchen - teils zogen sie sich in ein nahegelegenes Casino, eine Schule und eigens hergerichtete Notunterkünfte zurück.
Ray Franks ist aus New York nach North Dakota gekommen, um gegen die Pipeline zu demonstrieren. Anfang der Woche wurde der Bau vorerst gestoppt, es soll nun nach alternativen Routen gesucht werden. Doch die Freude der Ureinwohner und Protestler dürfte wohl nur von kurzer Dauer sein: Am 20. Januar 2017 übernimmt Donald Trump die Regierungsgeschäfte in den USA - und er ist ein Befürworter der Pipeline.
"Natürlich ist es schwierig, aber ich denke, es ist ein Test, der zeigt, wie stark wir sind und wie ernst es uns ist, hier zu sein", sagte Michelle Cool aus Tucson. Sie hatte in der Nacht in einem Casino in der Nähe des Camps Zuflucht gesucht.
Dem Protest der Ureinwohner und Umweltschützer hatten sich auch US-Veteranen angeschlossen - so wie Martan Mendenhall. Auch sie harren trotz Wintereinbruchs am Standing-Rock-Sioux-Reservat aus.
Hier marschieren Veteranen im Camp Oceti Sakowin nahe des Sioux-Reservats: Die Proteste richten sich vor allem gegen eine drohende Verschmutzung der Umwelt. Die Ureinwohner sehen heilige Stätten und ihre Wasserversorgung bedroht.
Die Ölpipeline soll insgesamt fast 1900 Kilometer lang sein. Sie ist fertig - bis auf das fehlende Stück unter dem Lake Oahe, dessen Bau von der US-Army vor wenigen Tagen vorerst gestoppt wurde. Der Betreiber der Pipeline in North Dakota hat den Schritt als politisch motiviert kritisiert. Der Chef des Wirtschaftsverbands American Petroleum Institute, Jack Gerard, warf der Obama-Regierung vor, politische Interessen über eine "gesunde öffentliche Ordnung" zu stellen.
Der Sprecher des Sioux-Stamm, Dave Archambault, wiederholte am Dienstag seine Aufforderung an die Protestler, das Camp zu verlassen: Der Bau der Pipeline sei vorerst gestoppt, und es gebe keinen Grund für die Menschen, ihr Leben zu riskieren. Die Demonstranten haben allerdings angekündigt, auch während des gesamten Winters im Camp bleiben zu wollen. Hier wärmt sich einer von ihnen an einem Feuer.