Notgeld - DER SPIEGEL
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Notgeld Der schöne Schein

Wer kein Geld hat, druckt sich welches: Im Ersten Weltkrieg taten das viele deutsche Städte und Gemeinden, selbst Firmen bezahlten ihre Belegschaft mit selbstgemachten Scheinen. Der Staat sah ohnmächtig zu - und eine Druckerei in Goslar hatte eine geniale Idee.
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Notgeld-Scheine: In den zwanziger Jahren stellten mehr und mehr Gemeinden ihr eigenes Notgeld her, da die Reichsbank mit der Auslieferung des Geldes nicht mehr hinterher kam. Man achtete dabei vor allem auf eine große Auswahl an hübschen Motiven, um die Scheine für Sammler attraktiv zu machen.

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Geld und Politik: Beliebt waren bei Sammlern die Notgeld-Scheine mit Landes- und Gemeindewappen, politischen Motiven aber auch Sinnsprüchen und anderen hübschen Motiven, die man sich gerne an die Wand hängte.

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Inflationsgeld: Das Notgeld, herausgegeben nicht nur von Städten und Gemeinden, sondern auch von Firmen, verlor schnell an Wert, auch wenn die darauf gedruckten Summen geradezu aberwitzig waren. Wie bei diesen Scheinen in einer Vitrine im Geldmuseum der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main.

Foto: ddp
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Geld mit Sinn: Neben politischem gab es auch friedliche Landschaftsbilder, ländliche Idyllen und Sprichwörter auf den Scheinen zu sehen.

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Das Hamburger Bürger Militär: Zu Beginn des Ersten Weltkriegs glaubten die Deutschen noch an einen schnellen Sieg, doch das erwies sich als Irrtum. Die Finanzierung des anhaltenden Krieges brachte eine Inflation mit sich und dem Reich ging das Geld aus. Daher griff man großflächig zur Selbsthilfe - Städte, Gemeinden und Firmen begannen Notgeld zu drucken.

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All unser Hoffen...: Die Notgeld-Scheine boten Raum für allerhand regional-bezogene politische Motive. Einige schleswig-holsteinische Gemeinden setzten sich beispielsweise mit dem Problem ihrer drohenden Zugehörigkeit zu Dänemark auseinander. Die Bilder sollten dabei jedoch immer auch Hoffnung vermitteln.

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Sonnenuntergang über Urnen: Auch regionale Besonderheiten konnten auf Notgeldscheine gedruckt werden. Wie etwa diese Urnen und Tingstätte im schleswig-holsteinischen Steinfeld. Deutlich wird dabei bereits die Faszination "alt-germanischer" Kultstätten.

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Wahlwerbung: Nach dem Ersten Weltkrieg sollte die Nordgrenze Deutschlands zu Dänemark neu gezogen werden. Etliche Gemeinden in den grenznahen Gebieten Schleswig-Holsteins wurden zu einer Abstimmung aufgerufen. Die Gemeinde Süderbrarup war eine von ihnen, die sich entscheiden mussten, welchem Staat sie künftig zugehörig sein wollten. Aufgeheizt von der nationalistischen Stimmung in Deutschland gab es hier Kampagnen gegen eine Zugehörigkeit zu Dänemark. Auch auf Notgeldscheinen kam diese Stimmung zum Ausdruck.

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Notgeld für Deutschland: Mit dem deutschen Adler, der die deutsche Reichsflagge in den Krallen trägt, warb auch die Gemeinde Steinfeld für eine Zugehörigkeit zu Deutschland und nicht zu Dänemark.

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Sammelschein: Das die Notgeld-Scheine in erster Linie Sammler ansprechen sollten, wurde auf diesen Schein aus Hamburg gleich mit draufgedruckt. Dazu gab es ein hübsches Bild von Segelschiffen auf der Alster.

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Do-it-yourself-Geld: Der Kupferpreis war 1920 so hoch, dass der Materialwert der Münzen den eingeprägten weit überstieg. So war es die pure Not, die Gemeinden und Händler immer wieder zwang, ihr eigenes Geld herzustellen. Allein in München gab es mehr als 400 Ausgabestellen dieses Do-it-yourself-Geldes. Selbst die Kantine des Telegrafenamtes fühlte sich berufen, ihr eigenes Geld in Umlauf zu bringen.

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Schönes Geld: Wer Notgeld in Umlauf brachte konnte sich freuen, wenn es später nicht mehr zu ihm zurück kam und gegen richtige Mark eingelöst werden musste. Sammler von Notgeld waren deshalb die perfekte Zielgruppe.

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Geld in Serie: Städte und Gemeinden begannen ganze Serien von aufwändig gestalteten Scheinen zu entwerfen, die das Streben nach Vollständigkeit der Sammler ansprechen sollten. Für diese Liebhaber der "Serienscheine", wie man die Notgeld-Scheine auch nannte, wurden sie gleich im Komplettpaket verkauft. Bald gab es Notgeld-Ausstellungen, Zeitschriften wurden gegründet, Fachgeschäfte eröffnet, mehr und mehr Menschen erlagen der Sammelleidenschaft. Im politischen Chaos und der Tristesse dieser Jahre barg das Notgeld-Sammeln für viele die Hoffnung, dass all die bunten Scheine vielleicht einmal sehr wertvoll werden würden - und ihre Besitzer ein bisschen reich.

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Geld als Werbefläche: Firmen, die ihr eigenes Notgeld herausgaben, nutzten die Gelegenheit oft auch gleich zum Marketing. Die Firma Harry Trüller stärkt auf der Vorderseite dieses Scheins den Bargeldumlauf - und auf der Rückseite den Absatz von Tennisbällen.

Foto: www.das-deutsche-notgeld.de
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Aus alt mach neu: Um der rasenden Inflation nachzukommen, setzte man 1923 auf Geldschein-Recycling. Hier hatte die Sparkasse Eggenfelden eine reguläre Banknote der Reichsbank vom Juli 1923 entwertet, die "nur" 500.000 Mark wert war. Die Rückseite nutzte sie für ihre eigene Ausgabe und hängte zeitgemäß einige Nullen an. 50.000.000.000 Mark erschien vier Monate später als realistischerer Betrag für einen Geldschein.

Foto: www.das-deutsche-notgeld.de
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Das Geld der Leineweber: Bielefeld war Vorreiter bei der Herausgabe von "Serienscheinen", Notgeldserien speziell für Sammler. Die dortige Sparkasse machte ihr Geld u.a. dadurch interessant, dass sie statt Papier ortstypisches Material verwendete. Der hier abgebildete Schein ist aus Leinen gemacht und mit einer Borte versehen - für die Leineweberstadt gerade passend.

Foto: www.das-deutsche-notgeld.de
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Mit Füßen getreten: Die Gemeinde Pößneck in Thüringen achtete auf den Nutzwert ihres Notgelds. Dieser lederne "Schein" im Wert von 50 Goldpfennig war vielseitig verwendbar, denn er wurde aus einem nagelneuen Absatz für Herrenschuhe gemacht

Foto: www.das-deutsche-notgeld.de
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Notgeld der ersten Stunde: Zu Beginn des Ersten Weltkrieges musste man in den Grenzregionen improvisieren, um den Mangel an Bargeld auszugleichen. Die Gutsverwaltung Lopischewo machte 1914 ihr Notgeld aus zerschnittenen Skatkarten.

Foto: www.das-deutsche-notgeld.de
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Scheine aus Freital: Auch die Stadt Freital druckte in den Zwanzigern ihr eigenes Notgeld, wie in einer sonderausstellung zum Thema Geld im Februar 2003 zu sehen war. Die Scheine bestanden nicht immer nur aus Papier, teilweise wurden auch Holz, Stoff und Aluminium bedruckt und zu Notgeldscheinen umfunktioniert.

Foto: ddp/Norbert Millauer
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Notgeld der Stadt Wien: Die Rückseite eines Notgeld-Scheins der Stadt Wien von 1920

Foto: Uwe Volker Münz
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Notgeld der Stadt Wien: Die Vorderseite eines Notgeld-Scheins der Stadt Wien von 1920

Foto: Uwe Volker Münz
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Notgeld der Stadt Elbing: Die Vorderseite eines Notgeld-Scheins der Stadt Elbing von 1921.

Foto: Uwe Volker Münz
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Notgeld der Stadt Elbing: Die Rückseite eines Notgeld-Scheins der Stadt Elbing von 1921.

Foto: Uwe Volker Münz
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Berliner Notgeld: Die Vorderseite eines Notgeld-Scheins der Stadt Berlin von 1920

Foto: Uwe Volker Münz
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Berliner Notgeld: Die Rückseite eines Notgeld-Scheins der Stadt Berlin von 1920

Foto: Uwe Volker Münz
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Notgeld aus den Masuren: Die Vorderseite eines Notgeld-Scheins der Stadt Lötzen, dem heutigen Gizycko in der Region Masuren von 1920.

Foto: Uwe Volker Münz
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Notgeld aus den Masuren: Die Rückseite eines Notgeld-Scheins der Stadt Lötzen, dem heutigen Gizycko in der Region Masuren von 1920.

Foto: Uwe Volker Münz
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Notgeld aus Ostpreußen: Die Vorderseite eines Notgeld-Scheins aus der Provinz Ostpreußen von 1918.

Foto: Uwe Volker Münz
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Notgeld aus Ostpreußen: Die Rückseite eines Notgeld-Scheins aus der Provinz Ostpreußen von 1918.

Foto: Uwe Volker Münz
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Notgeld der Stadt Stuttgart: Die Vorderseite eines Notgeld-Scheins der Stadt Stuttgart von 1921.

Foto: Uwe Volker Münz
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Notgeld der Stadt Stuttgart: Die Rückseite eines Notgeld-Scheins der Stadt Stuttgart von 1921.

Foto: Uwe Volker Münz
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Notgeld der Stadt Bad Kösen: Abgebildet sind zwei Corpsstudenten im Kösener Senioren Conventsverband (KSCV). Links ein Mitglied des Corps Starkenburgia Gießen und rechts ein Mitglied des Kartellcorps der Starkenburgia, der Saxoborussia Heidelberg. Beide Verbindungen gründeten den ersten Kartellverband zwischen Corps.

Foto: Florian Kempff
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Der erste EURO in Deutschland: Sie sehen hier einen Geldschein, der am 23. Januar 1999 gültiges Zahlungsmittel war. In der Jahnhalle in Endersbach, einem Stadtteil von Weinstadt im Remstal in der Region Stuttgart fand eine gesellschaftliche Veranstaltung statt. Hier konnte man mit diesem EURO bezahlen.

Es ist der erste EURO, den es als Schein in Deutschland gab, denn die offiziellen EURO-Scheine wurden erst am 1.1.2002 eingeführt.

Der Geldschein stammt aus einer Serie, die bereits am 13. April 1996 in Umlauf war, damals mit einem Wert von 2 Mark. Scheine aus dieser Serie wurden am 23. Januar 1999 überdruckt, hier abgebildet in der Farbe grün. Sie sind "Wieder in Kurs gesetzt" worden.

Gleichzeitig hat eine Umwertung stattgefunden - von "Mark" in "EURO", bei vereinfachtem Umrechnungskurs.

Foto: Klaus Mann
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