NPD: Der Schoß war fruchtbar noch - DER SPIEGEL
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NPD Der Schoß war fruchtbar noch

Vor genau 55 Jahren wurde die rechtsradikale Partei gegründet, die erste GroKo gab ihr Auftrieb - unter Führung von Adolf von Thadden schaffte die NPD es beinah bis in den Bundestag. Dann erlebte sie ein Debakel.
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Ausgerechnet ein Adolf: Der große alte Mann der NPD war Adolf von Thadden, adlig und redegewandt. Zunächst war er Vize, ab 1967 dann Parteivorsitzender. Ihm gelang es, Neonazis und Rechtskonservative in der NPD zu vereinen.

Foto: Sven Simon/ ullstein bild
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Der Vorgänger: Bei der Gründung der NPD am 28. November 1964 wurde Fritz Thielen der erste Bundesvorsitzende. Der Betonfabrikant war zuvor in der Deutschen Partei (DP) und gab der neuen NPD ein gemäßigtes, unternehmerisches Gesicht. Drei Jahre blieb er Vorsitzender (Foto einer Rede beim NPD-Bundeskongress in Karlsruhe im Juni 1966).

Foto: AP/ ullstein bild
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Erste Erfolge: Am 20. November 1966 war die Stimmung auf der NPD-Wahlveranstaltung in München prächtig. Wie zwei Wochen zuvor in Hessen zog die Partei auch bei der Bayernwahl in den Landtag ein - 7,4 Prozent der Wähler stimmten für die Nationaldemokraten.

Foto: ullstein bild
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"The new Nazis": Nach der Hessen- und Bayernwahl blickte die ausländische Presse entsetzt nach Deutschland - 21 Jahre nach dem Ende der NS-Zeit war also wieder eine rechtsradikale Partei in deutschen Parlamenten. Die italienische Tageszeitung "Messaggero" schrieb: "Noch sind wir nicht beim 'Sieg Heil' traurigen und unvergessenen Angedenkens angelangt, aber viel fehlt nicht mehr." Das Foto zeigt Schlagzeilen englischer Zeitungen nach der Landtagswahl in Bayern.

Foto: ullstein bild
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Wie, doch keine Nazis? Auch deutsche Zeitungen waren nicht schüchtern im Umgang mit der NPD und bezeichneten sie als Nachfolgeorganisation der NSDAP. Dagegen kündigte die Parteispitze um Fritz Thielen (l.) und Adolf von Thadden (M.) auf dieser Pressekonferenz 1966 Klagen wegen Verleumdung an, auch gegen den SPIEGEL. Die NPD verlor aber alle Prozesse.

Foto: DPA/ ullstein bild
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GroKo als Weihnachtsgeschenk: Am 1. Dezember 1966, nur Wochen nach den Wahlerfolgen der NPD in Bayern und Hessen, wurde Kurt-Georg Kiesinger erster Bundeskanzler einer Großen Koalition. Konservative Unionswähler sahen darin den Trend der Nach-Adenauer-Ära bestätigt: Die CDU nähere sich der SPD an - und löse sich von konservativen Grundüberzeugungen. Der NPD sollte es recht sein, sie gefiel sich nun in der Rolle eines wahren Hüters des Adenauerschen Erbes.

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Großdeutsche Träume: Die frühen Nationaldemokraten gaben sich zumeist bürgerlich, traten in der Öffentlichkeit in Anzug und Krawatte auf. Besonders intensiv warben sie um die Stimmen der Vertriebenen - die NPD stilisierte sich zur einzigen Partei, die sich für ein Deutschland auch östlich der Oder-Neiße-Linie einsetzte.

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Unter Beobachtung: Vor allem die Gewerkschaften forderten immer wieder ein Verbot der NPD. Bundesinnenminister Ernst Benda ließ ab 1968 belastendes Material über die Nationaldemokraten sammeln. Letztlich scheute die Bundesregierung jedoch vor einem Verbotsverfahren zurück. Benda war später langjähriger Präsident des Bundesverfassungsgerichts, das Foto zeigt ihn auf dem Bundesparteitag der CDU 1973.

Foto: slomifoto/ ullstein bild
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Straßenschlachten: Im Bundestagswahlkampf 1969 prügelten NPD-Ordner immer wieder auf Gegendemonstranten ein. Der Ordner Klaus Kolley (r.) griff sogar zur Pistole...

Foto: AP/ ullstein bild
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...und verletzte die Demonstranten Bernd Lunkewitz und Michael Hoke (r.). Durch die Gewalteskapaden der Schlägertrupps verspielte die NPD ihr bürgerliches Image.

Foto: AP/ ullstein bild
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Ikone Rudolf Heß: Nach der Schlappe bei der Bundestagswahl 1969 kokettierte die NPD immer offener mit Bezügen zur NS-Zeit. Gerade Rudolf Heß wurde zur Ikone der Rechtsextremen: als vermeintlicher Friedensstifter, der auf eigene Faust nach London flog, um mit Churchill zu verhandeln. Heß war lange offizieller "Stellvertreter des Führers" und wurde 1946 als einer der Hauptkriegsverbrecher zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach seinem Suizid 1987 im Kriegsverbrechergefängnis Spandau veranstalteten Neonazis jährlich einen Gedenkmarsch zu seinem Grab im fränkischen Wunsiedel.

Foto: Klaus Rose/ ullstein bild
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In der Bedeutungslosigkeit: In der Bundesrepublik etablierte sich ein Drei-Parteien-System mit SPD, Union und FDP. Alle fünf weiteren Parteien auf diesem Hamburger Stimmzettel sind längst untergegangen. Den Rechtsparteien wie der DP oder der Deutschen Reichspartei (DRP) gelang nur selten der Einzug in ein Parlament, sie scheiterten auch bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg.

Foto: ullstein bild
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Hitlerjugend 2.0, Anfang der Fünfzigerjahre: Sie wollten einfach weitermachen wie vor '45 - die Reichsjugend kleidete sich nicht nur wie einst die Hitlerjugend, sie hatte auch dasselbe ideologische Fundament. Hier wurde der nationalsozialistische Nachwuchs für die Sozialistische Reichspartei herangezüchtet, die sich in der Tradition der NSDAP sah. Mit dem Parteiverbot 1952 musste sich auch die Reichsjugend auflösen. Und gründete sich in der Wiking-Jugend neu.

Foto: Alfred Strobel/ SZ Photo
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Liberale Mimikry: Nicht nur die DRP versuchte, mit nazistischem Gedankengut in der BRD parteipolitischen Anschluss zu finden. Werner Naumann, im Nationalsozialismus persönlicher Referent von Reichspropagandaminister Josef Goebbels, wählte eine andere Strategie: Gemeinsam mit anderen ehemaligen NS-Funktionären versuchte er, die FDP zu kapern. Der britische Geheimdienst stoppte 1954 den sogenannten "Naumann-Kreis".

Foto: Ralph Crane/ The LIFE Picture Collection/ Getty Images
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Bürgerliche Rechte: Im Vergleich zur SRP war die Deutsche Partei (DP) gemäßigter, eher nationalkonservativ. Im ersten Jahrzehnt der Bundesrepublik zog sie regelmäßig ins Bonner Parlament ein und stellte mit Hans-Christoph Seebohm (Foto) sogar den Verkehrsminister. Die Partei wollte die Wiedervereinigung, inklusive der Ostgebiete.

Foto: ullstein bild
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