Schulen für die künftige Elite Steingewordener Größenwahnsinn
NS-Ordensburg Vogelsang: Blick vom Nordost-Hang zum Glockenturm und zu dem Hauptgebäude, dem sogenannten Gemeinschaftshaus mit Hör- und Speisesaal, etwa 1936. Unterhalb des...
...Hauptgebäudes befanden sich die Unterkünfte für die Lehrgangsteilnehmer. Die Hangbauten waren wie in einem Barackenlager linear zum Turmhaus angeordnet. Insgesamt umfasste allein die Fläche der Gebäude 50.000 Quadratmeter. Vogelsang ist nach den Bauten auf dem Reichstagsgelände in Nürnberg die größte Hinterlassenschaft der NS-Herrschaftsarchitektur.
Hanglange: Die NS-Ordensburg Vogelsang auf einer Aufnahme von 1939. Das Bild zeigt nicht nur die zehn Unterkünftsgebäude (in zwei Fünferblöcken), sondern auch schon die Erweiterung am "Westhang". Arbeitsfront-Chef Robert Ley hatte 1935, noch vor dem Abschluss des ersten Bauabschnittes, eine Verdopplung der Kapazitäten der Unterbringung auf 1000 Lehrgangsteilnehmer gefordert. Die vier großen Unterkünfte rechts waren dann 1937 fertiggestellt.
Giganten in Pommern: Die beiden Türme der ehemaligen NS-Ordensburg Krössinsee bilden nach wie vor markante Landmarken in der flachen Ebene Pommerns. Eine "sympathische Anlage" nannte NS-Chefideologe Alfred Rosenberg Krössinsee, mäkelte aber, dass man vom Schlafraum zu den Waschräumen "durch das Freie gehen" müsse.
Lehrstätte und Lazarett: Die Turnhalle der NS-Ordensburg Krössinsee beim damaligen Falkenburg (polnisch Zlocieniec) in Pommern, fotografiert am 13. Oktober 1937 vom Burghof über die Freitreppe. Auch die Burg Krössinsee wurde nur bis 1939 als Schulungszentrum genutzt, während des Krieges war hier weiter eine "Adolf-Hitler-Schule" untergebracht sowie zeitweise auch ein Lazarett.
Verwaltungshochburg: Die NS-Ordensburg Sonthofen im Allgäu, etwa 1939. Sonthofen war als dritte Station in der Reihe der Ordensburgen angedacht. Hier sollten die Lehrgangsteilnehmer vor allem auf Verwaltungsaufgaben in ihren späteren Parteifunktionen vorbereitet werden.
Lob vom Chefideologen: Der Speisesaal in der einstigen NS-Ordensburg Sonthofen, fotografiert 2008. NS-Chefideologe Alfred Rosenberg, der zuvor mit Kritik sowohl an Krössinsee als auch an Vogelsang aufgefallen war, nannte den Entwurf des Architekten Hermann Giesler "gelungen".
Mitte der Architekturachse: Zur NS-Ordensburg Krössinsee gehörte auch eine Freilichtbühne (Foto etwa von 1936), die das Zentrum der Anlage bildete. Um den Feierplatz herum befanden sich die Unterkünfte, die in ihrer Anordnung - ähnlich wie auf der Burg Vogelsang - an ein Barackenlager erinnerten.
Rund um den "Schönen Hof": NSDAP-Reichsleiter Robert Ley hatte 1934, vier Jahre bevor diese Aufnahme entstand, den Bau der Ordensburg Sonthofen in Auftrag gegeben. Der Architekt war im Gegensatz zu Vogelsang und Krössinsee nicht der Kölner Clemens Klotz, sondern Hermann Giesler. Der fanatische Hitler-Bewunderer, der laut Buchautor Franz Albert Heinen noch in den siebziger Jahren ein Bekenntnis zum "Führer" veröffentlichte, plante auch die architektonische Umgestaltung Augsburgs.
Glanz und Glocken: 1938 ließ ein beleuchteter Christbaum vor dem Palas die Allgäuer Ordensburg Sonthofen über die Weihnachtsfesttage erstrahlen. In dem Turmbau hingen 16 Glocken, die mit den Namen der toten Putschisten von 1923 beschriftet und mit dem Hoheitsadler versehen waren. In seiner Rede auf dem Richtfest bezeichnete Robert Ley die bayerische Burg als "die schönste des Reiches".
Feierliche Eröffnung: Die Postkarte zeigt den ersten Spatenstich der Ordensburg Vogelsang in Nordrhein-Westfalen am 16. März 1934. Die Feierlichkeiten auf der Baustelle eröffnete Reichsschulungsleiter Otto Gohdes.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 146-1985-108-07A
Legende der NS-Stätten: Die britische Karte des "Dritten Reiches" im November 1943 zeigt die Standorte der Ordensburgen, Adolf-Hitler-Schulen, Nationalpolitischen Lehranstalten, Universitäten und Hochschulen. In diesen Stätten sollte die gesamte "Volksgemeinschaft" nazifiziert werden, "bis auch der letzte anständige Deutsche Nationalsozialist" geworden sei, forderte...
...Robert Ley, links. Der NSDAP-Reichsorganisationsleiter und Chef der Deutschen Arbeitsfront hatte den Bau der Eliteschulen für die NS-Führungskader initiiert. Ab 1934 wurde mit dem Bau der Ausbildungsstätten begonnen, die später propagandistisch als "Ordensburgen" bezeichnet wurden.
Robert Ley 1937 im Gespräch mit NS-Parteifunktionären auf der Ordensburg Sonthofen im Allgäu.
Hitler in Sonthofen: Anlässlich einer Parteitagung und der offiziellen Einweihung der NS-Ordensburg Sonthofen am 23. November 1937 besichtigte Adolf Hitler zum ersten und einzigen Mal das Bauwerk seines Architekten Hermann Giesler. Der Besuch des "Führers" wurde von der lokalen Presse damals als "Markstein in der Geschichte des Allgäu" gefeiert. Das Foto zeigt Hitler auf dem Feierplatz, als er eine Front der Kreisleiter abschreitet. Ganz links ist der Leiter der Deutschen Arbeitsfront und Initiator der Ordensburgen, Robert Ley, zu sehen.
Gefragter NS-Architekt: Clemens Klotz, rechts, erklärt 1940 in seinem Kölner Atelier sein Modell für das Reichsschulungslager Vogelsang. Der Kölner entwarf außer Vogelsang auch die Ordensburg Krössinsee in Pommern. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs nahm Hitler den Baumeister in die "Gottbegnadeten-Liste" auf, was ihn wie seinen Jugendfreund,...
...den Bildhauer Willy Meller, vom Einsatz an der Front befreite. Die beiden arbeiteten häufig zusammen - der eine entwarf die Gebäude, der andere schuf die Plastiken für die Bauten. Für die Ordensburgen Vogelsang und Krössinsee erhielt Meller derart viele Aufträge, dass er sich zusätzliche Werkstätten in den beiden Orten und in Berlin einrichten musste. Das Foto zeigt Klotz, rechts, und Meller 1942 in seinem Kölner Atelier.
"Der deutsche Mensch": Blick vom Hörsaal in den "Kultraum" der Ordensburg Vogelsang, in dem ab 1936 die Holzplastik "Der deutsche Mensch" des NS-Bildhauers Willy Meller stand. Beiderseits der Skulptur waren die Namen der 16 Mitverschwörer Hitlers und Ludendorffs angebracht, die beim Putschversuch vom 9. November 1923 gestorben waren. Hitler würdigte die Arbeiten Mellers, indem er ihn zum Professor ernannte und ihn als "Künstler im Kriegseinsatz" vom Dienst in der Wehrmacht befreite.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 146-1973-007-37
Ordensburg Vogelsang: "Ordensjunker" marschieren circa 1937 über das Gelände. Von 1936 bis 1939 nutzte die NSDAP die Anlage bei Gemünd/Eifel als Schulungsstätte für den Nachwuchs ihrer Führungskader. Danach übernahm es die Wehrmacht als Truppenquartier.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 146-1985-108-16A
Glaubenserziehung in Vogelsang: Im April 1937 organisierte die NSDAP eine einwöchige Kreisleitertagung auf der Ordensburg Vogelsang. Ein Jahr zuvor hatte der erste Lehrgang in der Eifler Stätte stattgefunden, in der Menschen so geformt werden sollten, "dass sie den Festungen und den Geschützen einer militärischen Macht widerstehen können dadurch, dass sie selbst zu Festungen des Glaubens an Deutschland erzogen werden", sagte Kreisleiter Franz Binz beim ersten Spatenstich.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 146-1985-108-22A
Prunkstück von Vogelsang: Der Entwurf des Architekten Clemens Klotz von 1940 zeigt den Innenhof vor der Südfront des Hauptkomplexes mit dem hohen Palas. "Hier entsteht das Haus des Wissens, das in Zukunft die Hochschule der geistigen Schulung sein soll, die auf Vogelsang betrieben wird", beschrieb die NS-Presse die Funktion des herrschaftlichen Saalbaus. Das "Haus des Wissens" wurde - mit Ausnahme von Fundament und einem rechteckigen Gebäudeteil - nie fertig.
Feierstätte Krössinsee: Blick vom Turm über den ehemaligen "Thingplatz" - eine Freilichtbühne nach dem Vorbild griechischer Theater - zwischen den Unterkünften und dem Sportplatz
Wenig prunkvoll: Der Speisesaal im sogenannten Gemeinschaftshaus der NS-Ordensburg Krössinsee
NS-Verehrung: Der "Kultsaal" in der Ordensburg Sonthofen war mit den Insignien des Nationalsozialismus' ausgestattet, aufgenommen um 1938
"Ewig lebt der Toten Tatenruhm": Für die Gefallenen des Hiter-Putsches wurde in der NS-Ordensburg Sonthofen eine Ehrenhalle eingerichtet
Adelsbesuch: Robert Ley (rechts, mit hellem Mantel) zeigt am 13. Oktober 1937 Eduard VIII., dem Herzog von Windsor, und seiner Delegation die Anlage der Schulungsburg Krössinsee in Pommern. Im Hintergrund ist die mit Rohrschilf eingedeckte Ehrenhalle zu sehen. Im Zentrum dieser freistehenden Säulenhalle stand über einem Hakenkreuz eine Adlerplastik von Willy Meller.
Lichtdurchflutet: Beeindruckend sollte auch der herrschaftliche Speisesaal in der NS-Ordensburg Sonthofen anmuten, der 1500 Personen Platz bot. Der Raum war mit einer 1600 Quadratmeter großen Holzkassettendecke geschmückt - angeblich die größte Europas.
Eintritt in die Partei: Absolventen der Adolf-Hitler-Schule in Sonthofen, die Vorschule der Ordensburgen, werden am 22. März 1940 in die NSDAP aufgenommen. Leiter des Festaktes sind der Chef der Deutschen Arbeitsfront, Robert Ley (links), und der Reichsjugendführer Baldur von Schirach (rechts neben Ley).
Einschulung: Adolf-Hitler-Schüler feiern am 30. März 1940 in der Turnhalle der Ordensburg Sonthofen ihre Überweisung in die NS-Eliteschule in Bayern
Gut erhalten: Das Gelände der ehemaligen NS-Ordensburg Sonthofen, die 1955 in "Generaloberst-Beck-Kaserne" umbenannt wurde, nutzt die Bundeswehr heute als Ausbildungsstätte. Seit 2009 wird die Anlage, die zuletzt weitgehend von einer Schule für Feldjäger und Stabsdienst belegt wurde, für eine weitere militärische Nutzung saniert.
Geisterdorf Wollseifen: Nach Ende des Zweiten Weltkriegs räumten britische Streitkräfte das Dorf und legten auf dem Gelände den Truppenübungsplatz Vogelsang an, hier eine Übungsstraße für den Häuserkampf. Das Camp wurde...
...1950 dem belgischen Militär übergeben. Bis 2005 nutzten die Belgier das Gelände zur Unterbringung ihrer Soldaten und für Truppenübungen. An dem Platz, wo ursprünglich von den Nationalsozialisten der Bau eines Hörsaals geplant war, errichtete die Armee ein Truppenkino mit 800 Sitzplätzen.
Krimi-Hotel in ehemaliger NS-Eliteschule? Wie mit der NS-Stätte in Vogelsang verfahren werden soll, bleibt umstritten. Im Juni 2010 kam die Idee auf, den Kasernenkomplex "Van Dooren" des ehemaligen Truppenübungsplatzes zu einem Krimi-Hotel umzurüsten. Nach dem Vorstellungen des Eifeler Planungsbüros "Ernst & Neuberger Consult" solle es in der neuen Herberge unter anderem ein James-Bond-Zimmer und eine Krimi-Bibliothek geben. Die Öffentlichkeit hatte auf das Vorhaben teils mit Befremden reagiert. Ein Krimi-Hotel dort zu planen, wo während des "Dritten Reichs" der Führungsnachwuchs der NSDAP ausgebildet wurde, empfanden die Bürger und Mitglieder des Vogelsang-Fördervereins als Provokation.
Grenzöffnung: Von 1946 bis 2005 wurde das Gelände der Ordensburg Vogelsang oberhalb der Urfttalsperre als Truppenübungsplatz genutzt, am 1. Januar 2006 wurde das ehemalige militärische Sperrgebiet für die Öffentlichkeit zugänglich
Panzer-Parkplatz: Mittlerweile nutzen polnische Nato-Truppen das Gelände der ehemaligen NS-Ordensburg Krössinsee. Das Foto von 2009 zeigt den Abstellplatz für die Kettenfahrzeuge.