NS-Propagandaflop - DER SPIEGEL
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NS-Propagandaflop Hans im Unglück

Einmal gezeigt - und nie wieder: Die Verfilmung von "Hans im Glück" war eines der großen, von den Nazis protegierten Filmprojekte und verschlang astronomische Produktionskosten. Die Uraufführung des auf hölzerne Dialoge und reichlich Kitsch setzenden Schwanks endete 1936 in einem Fiasko.
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Werbung für den Propagandastreifen: Vor der Premiere von "Hans im Glück" wurde mächtig die Werbetrommel gerührt. Zum Filmstart am 3. Juli 1936 gab es auch das Programmheft "Illustrierter Film-Kurier". Das Titelblatt der Nr. 2466 zeigte neben Erwin Linder als "Hans im Glück" auch Georgia Holl als das "Mädel", in das sich Hans verliebt.

Foto: Verlag für Filmschriften/Christian Unucka
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"Jüdisch versippter" NS-Propagandafilmer: Für "Hans im Glück" schrieb Robert Herlth, hier auf einer undatierten Aufnahme, zusammen mit Walter Röhrig das Drehbuch, entwarf die Bauten und führte Regie. Obwohl Herlth bereits seit der Stummfilmära an der Spitze der deutschen Filmarchitekten stand, durfte er im "Dritten Reich" bisweilen nur mit einer "jederzeit widerruflichen Sondergenehmigung" arbeiten. Der Grund: Herlth war seit 1924 mit einer "Volljüdin" verheiratet und galt deshalb im perfiden NS-Jargon als "jüdisch Versippter".

Foto: Stiftung Deutsche Kinemathek
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Unterhaltung und Propaganda: Walter Röhrig entwarf nicht nur die Kulissen für "Das Cabinett des Dr. Caligari" von 1920. Zusammen mit Robert Herlth war er als Filmarchitekt auch an wegweisenden Filmen wie "Der letzte Mann" (1924) oder "Faust" (1926) beteiligt. Die letzte gemeinsame Arbeit der beiden wurde "Hans im Glück", gedreht 1935. Im "Dritten Reich" entwarf Röhrig neben Bauten für Unterhaltungsfilme auch Szenerien für Propagandastreifen wie "Heimkehr" aus dem Jahr 1941.

Foto: Stiftung Deutsche Kinemathek
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Legendäre Filmkulissen: Der Filmarchitekt Walter Röhrig, der gemeinsam mit Robert Herlth Regie bei "Hans im Glück" führte, ist einer der verantwortlichen Gestalter der berühmten expressionistischen Filmbauten des Horrorfilms "Das Cabinet des Dr. Caligari" von 1920, zu sehen auf diesem Szenenbild. Regie des Stummfilms führte Robert Wiene.

Foto: ddp images
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Hübsch, aber langweilig: Die Landschaftsaufnahmen, die 1935 für "Hans im Glück" unter anderem im Westerwald zwischen Limburg an der Lahn und Montabaur gedreht wurden, waren zwar optisch reizvoll, aber oftmals viel zu lang. Das Publikum reagierte entsprechend ungnädig - und pfiff den Film bei seiner Uraufführung in Berlin gnadenlos aus.

Foto: VZ Medien
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Märchenhafte Filmtricks: Die Filmarchitekten und Regisseure Robert Herlth und Walter Röhrig setzten in "Hans im Glück" auch auf spektakuläre Filmtricks, wie in diesem Szenenbild von 1935. Viele davon erinnerten an ihre Klassiker aus den zwanziger Jahren, wie den damals so außergewöhnlichen Zauberflug des "Faust" aus dem gleichnamigen Film von 1926.

Foto: VZ Medien
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Licht und Schatten: Der Film "Faust - eine deutsche Volkssage" von 1926 ist unter anderem geprägt von den expressionistischen Kulissen Walter Röhrigs und Robert Herlths. Darsteller Gösta Ekman, hier in einem Szenenbild aus dem Film, spielt die Rolle des Faust, neben Emil Jannings als Mephisto. Regisseur des Ufa-Films ist Friedrich Wilhelm Murnau.

Foto: ddp images
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Filmbauten im "Faust": In Friedrich Wilhelm Murnaus "Faust - eine deutsche Volkssage" von 1926 spielt Camilla Horn die Rolle des Gretchen. Das Szenenbild zeigt ihre Hinrichtung als Kindsmörderin. Die Filmbauten sind aus der Zusammenarbeit von Robert Herlth und Walter Röhrig entstanden.

Foto: ddp images
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Grimms Märchen als Heimatfilm: "Hans im Glück" wurde zwar als märchenhaftes Großlustspiel inszeniert, doch steckte im Film vor allem eine durchkomponierte Heimatfilm-Ästhetik, in der Georgia Holl als Hans' Mädel der weiblich-bäuerliche Blickfang sein sollte. Szenenfoto von 1935.

Foto: VZ Medien
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Stars in Nebenrollen: Während die Hauptrolle in "Hans im Glück" von dem unbekannten Theaterschauspieler Erwin Linder übernommen wurde, spielten bekannte Stars in den Nebenrollen, unter anderem Oskar Sima als Schwarzer Fähnrich. Szenenfoto von 1935.

Foto: VZ Medien
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Unerfahrene Hauptdarstellerin: Die Hauptdarstellerin Georgia Holl spielte vier Jahre lang am Alten Theater in Leipzig, bevor sie im Sommer 1935 für "Hans im Glück" gecastet wurde. Filmerfahrung hatte sie zu diesem Zeitpunkt fast keine.

Foto: VZ Medien
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Hans im Liebesglück: Um das kurze grimmsche Märchen von "Hans im Glück" filmadäquat zu verlängern, bauten die Drehbuchschreiber Robert Herlth und Walter Röhrig eine Liebesgeschichte ein: Hans, gespielt von Erwin Linder, trifft auf seiner Wanderung sein "Mädel", gespielt von Georgia Holl, und verliebt sich in sie. Szenenbild von 1935.

Foto: VZ Medien
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High-Tech im Kornfeld: Das Drehteam hatte für diese Filmszene mit großem Aufwand Schienenanlagen in ein Kornfeld montiert, auf denen sich die Kamera den Bewegungen des Hauptdarstellers Erwin Linder exakt anpassen konnte.

Foto: VZ Medien
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Hans mit Gans: Der Müllerbursche Hans, gespielt von Erwin Linder, erlebt auf seiner Wanderung durch das mittelalterliche Deutschland seine - letztendlich eher unvorteilhaften - Tauschhandel. Hier hält er eine eingetauschte Gans auf dem Arm. Auch sie wird er anschließend gegen einen noch unvorteilhafteren Gegenstand eintauschen: Einen Schleifstein. Szenenfoto von 1935.

Foto: VZ Medien
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Szene aus dem Propagandafilm: Lola Chlud 1935 als Wirtin und Erwin Linder als Hans in dem Film "Hans im Glück" unter der Regie von Robert Herlth und Walter Röhrig. Das Märchen der Brüder Grimm diente als Vorlage für den Spielfilm.

Foto: ddp images
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Dreh in Brandenburg: Die aufwändigen und kostspieligen Aufnahmen zu "Hans im Glück" wurden zum Teil im brandenburgischen Schwedt an der Oder gemacht, hier ein Szenenbild mit Lola Chlud als Wirtin und Erwin Linder als Hans, von links.

Foto: ddp
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Das "Mädel": Die Schauspielerin Georgia Holl in der Rolle des Mädchens in dem Film "Hans im Glück" von 1935, unter der Regie von Robert Herlth und Walter Röhrig.

Foto: ddp images
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Berühmte Nebendarsteller: Rudolf Platte, links, neben dem Österreicher Oskar Sima, der die Rolle des Schwarzen Fähnrichs in dem Film "Hans im Glück" von 1935 spielte. Der berühmte Film- und Theaterschauspieler Sima spielte in über 300 Filmen mit - häufig in Nebenrollen. Er starb im Juni 1969.

Foto: ddp images
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Mittelalterliche Stadtkulisse: Eine Szene aus "Hans im Glück" vor mittelalterlicher Kulisse. Robert Herlth und Walter Rörig führten nicht nur Regie, sondern entwarfen auch die - oft äußerst kostspieligen - Bauten, die eine glaubhafte Illusion des Mittelalters vermitteln sollten.

Foto: ddp images
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?