Nylons Prügelei für ein Paar Strümpfe
Farbe am Bein: So farbenfroh wie die Strümpfe auf diesem Bild von 1953 waren die ersten Nylons nicht. Die Farbpalette reichte zu Anfang gerade mal von Champagnerfarben bis Mokka.
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Die Naht: In den fünfziger Jahren besaßen die Strumpfhersteller meist noch keine Rundstrickmaschinen, weshalb die bestrumpften Damenbeine auf der Rückseite von einer auffälligen Naht verziert wurden. Das sah zwar elegant und auch aufreizend aus, hatte aber den Nachteil, dass die Trägerin permanent den richtigen Sitz der Naht prüfen musste.
Rita Hayworth in Nylon: Die Schauspielerin in den vierziger Jahren beim Anprobieren eines Nylonstrumpfes. Hayworth zählte damals zu den wenigen Frauen, die sich die während des Krieges wieder sündhaft teuer gewordenen Nylons überhaupt leisten konnten. Dass es damals gerade Hollywood-Stars waren, die die zarten Strümpfe trugen, überhöhte den Mythos Nylon nur noch mehr.
Engel in Seidenstrümpfen: Marlene Dietrich spielte 1930 in "Der blaue Engel" die verführerische Lola - und präsentierte dabei ihre Beine in feinsten Seidenstrümpfen. Nach diesem Film wollte jede Frau Beine wie sie haben - oder zumindest ihre Beinkleider. Bei den Preisen für Seide blieb allerdings fast allen Frauen nur das Träumen - erst mit der Erfindung der Kunstfasern rückte das eigene Paar sexy Strümpfe in greifbare Nähe.
Bestrumpftes Häschen: Das Playmate Lauren Hill führt bei einer Modenschau anlässlich des vierten Geburtstags des Palms Casino Resort in Las Vegas im November 2005 ein Bunny-Kostüm spazieren. Dazu gehörten schon immer auch ein paar klassische Nylons.
Farbe statt Strumpf: Nylon und Perlon wurden während des Zweiten Weltkriegs als kriegswichtiges Material eingestuft, und Strümpfe aus der Kunstfaser kaum noch hergestellt. Frauen, die auf den eleganten Schimmer, trotzdem nicht verzichten wollten, malten sich ihre Beine kurzerhand an. Zu diesem Zweck gab es spezielle Schminkprodukte wie "Farbstrumpf Coloral Sonnenbraun", wer sich die nicht leisten konnte, griff auf Kaffeesatz zurück. In diesem britischen Kaufhaus konnten sich Damen 1941 die Beine aber auch mit einer speziellen Farbe bepinseln lassen.
Der kleine Unterschied: Eines der berühmtesten bestrumpften Beine gehört mit Sicherheit Anne Bancroft. Sie verführt damit 1967 Dustin Hoffman in "Die Reifeprüfung".
>Hildegard Knef: Die Schauspielerin posierte am 08.09.1954 in New York für das Musical "Seidenstrümpfe". Unter dem Slogan "Der Star unter den Perlonstrümpfen" warb sie auch für eine Strumpffirma, die so den deutschen Frauen etwas Hollywood-Glamour in den Alltag bringen wollte.
Süßes Geschenk: Schauspielerin Marilyn Monroe posierte zu Weihnachten 1951 in einem überdimensionalen Nylonstrumpf vor einem Kamin.
Unterwäsche-Panzer: In den Fünfzigern wurden Nylonstrümpfe zumeist noch von sehr breiten Hüftgürteln gehalten. Fülligeren Frauen empfahl Lilo Aureden - damals die Benimm-Dame der Nation - "die hohen Büstenformer" zu tragen, "die so weit in die Taille hineinreichen, dass sie den Hüftgürtel noch um ein paar Zentimeter überdecken. Dadurch wird das Zuviel, das sich leicht zwischen Büstenhalter und Hüftgürtel bildet, gleichmäßig verteilt."
Die Garantie für Glück: Eine Frau in den fünfziger Jahren hatte, so die landläufige Meinung, ihr ganzes Streben auf das Finden des richtigen Ehemanns zu richten. Dabei helfen sollten ihr - zumindest versprach das die Werbung - die richtigen Perlonstrümpfe.
Kunststoff fürs Bein: Die Bremerin Gonda Sureen gewann im Oktober 1951 den Titel der deutschen Beinkönigin und durfte dafür vier Wochen lang von New York bis Los Angeles durch die USA reisen und ihre Beine zeigen - selbstverständlich verpackt in hübsche Strümpfe, wie hier vor dem Hintergrund der New Yorker Skyline. Wen stört bei diesem Anblick schon noch, dass es bei dem Wettbewerb in Wirklichkeit um die groß angelegte Marktanalyse einer Strumpffirma ging? Durch die Ermittlung der Maße des deutschen "Normalbeins" konnten so endlich genormte Strumpfgrößen erstellt werden.
Faszinierendes Nylon: Eine junge Frau untersucht im April 1949 ihre Nylonstrümpfe. In einer Zeit, in der die empfindlichen Strümpfe noch teuer und kostbar waren, konnte eine Laufmasche schon ein kleines Drama bedeuten. Deswegen gab es die sogenannten Laufmaschendienste, die die guten Stücke wieder reparieren konnten - sehr zum Ärger der Strumpfhersteller.
Sexy Prinzessin: Die britische Thronfolgergattin Diana trug bei einem Besuch im australischen Parlament in Canberra im Januar 1988 aufsehenerregende Strümpfe mit Naht und einer koketten Schleife über der Ferse. Jahre später gestand sie, während ihrer neun Jahre währenden Ehe mit Prinz Charles insgesamt 11.475 Dollar für verführerische Nylons ausgegeben zu haben. Die Ehe der beiden hielt trotzdem nicht.
Hilfe mit dem Halter: Nylonstrümpfe mussten - anders als später Nylonstrumpfhosen - noch kompliziert an einem kratzenden Halter befestigt werden. Da lässt sich diese Junge Britin 1955 doch gerne von ihrer Garderobenfrau helfen.
Nylon-Automat: In den fünfziger Jahren waren die schwedischen Frauen den deutschen Damen zumindest um den Strumpfautomaten voraus. Er machte die Skandinavierinnen bereits 1956 in Sachen Nylonstrümpfe unabhängig von Ladenöffnungszeiten.
Turm am Bein: Ein Model zeigt bei der Herbst/Winter-Show 2000 von Jean-Paul Gaultier in Paris, dass sich der Eifelturm auch am Bein ganz gut macht. Nylons können inzwischen weit mehr als nur gut aussehen. Es gibt High-Tech-Fasern, die Schweiß besonders gut aufsaugen, oder die Beine mit Aloe Vera erfrischen. 2004 kam sogar ein Strumpfmodell auf den Markt, das die Beine mit winzigen Koffeinkügelchen massieren und so die Fettverbrennung anregen sollte.
Wallace Hume Carothers: Der amerikanische Chemiker im Jahre 1920 bei Experimenten in seinem Labor. In den dreißiger Jahren entwickelte er hier die Formel für die "Faser 66". Was eher unspektakulär klingt, war Wahrheit der Stoff für Träume - Nylon. Den Erfolg seiner Erfindung sollte er allerdings nicht mehr erleben: Carothers beging 20 Tage nach der Anmeldung seines Patents Selbstmord - ein in Nylonstrümpfe gehülltes Frauenbein hatte er nie zu Gesicht bekommen.
Die Beinkönigin: Die Finalistinnen bei der Wahl zu "Deutschlands Beinkönigin" 1951 im Münchener Regina-Palast-Hotel. Siegerin wurde die Bremerin Gonda Sureen (ganz links). Sie durfte anschließend die Welt bereisen und die Strümpfe der Firma Arwa, die den Wettbewerb initiiert hatte, vorführen. Was wie eine ziemlich clevere Werbeaktion aussah, war in Wahrheit eine gigantische Marktanalyse. Am Ende der Wahl hatte Arwa genug Daten gesammelt, um daraus die Normgrößen für ihre Strumpfproduktion ableiten zu können.
Strumpflose Göttin: Für Richard Burton waren "Strümpfe und Strumpfhosen die unerotischsten Kleidungsstücke einer Frau". Auch Elizabeth Taylor, die immerhin in den fünfziger und sechziger Jahren als eine der schönsten Frauen der Welt galt, konnte seine Meinung nicht ändern. Trotz der unterschiedlichen Auffassungen zum Thema Strumpf heirateten die beiden - gleich zweimal. Hier flaniert das Ehepaar 1971 über den Flughafen von London.
Herr und Diener: Wie gut selbst Männer mit Strümpfen aussehen können, bewies Tim Curry (r.) 1975 als Frank 'n' Furter in der "Rocky Horror Picture Show".
Brillianten am Bein: In den fünfziger Jahren wurden auch in Deutschland die Nylons immer günstiger - sie wandelten sich vom exklusiven Accessoire zum Alltagsprodukt. Den Mythos von Luxus, Glanz und Glamour hielten ganz besondere Modelle aufrecht, wie etwa diese: Sie waren mit Brillanten besetzt und dadurch die damals teuersten Strümpfe der Welt. Die Firma Arwa führte sie bei einer Strumpfmodenschau in München vor.
Halterlos: Zwei Models führen im Oktober 1966 auf einem Dach einer Berliner Bank die Minikleider des französischen Designers Louis Feraud vor - und mit ihnen die passenden naht- und halterlosen Strumpfhosen. In den Sechzigern verhalf die Minirock-Mode endlich auch den Strumpfhosen zum Durchbruch, denn zu so kurzen Röcken konnte man einfach keine Strümpfe mit Haltern mehr tragen.
Schwarzmarkt: Eine Frau wendet sich im Februar 1951 auf der Londoner Oxford Street an einen Mann, der aus einem Koffer heraus Nylonstrümpfe verkauft. Strümpfe waren zu dieser Zeit in Europa noch sehr teuer - und vor allem schwer zu ergattern.
Luftstrümpfe: Nach dem Zweiten Weltkrieg färbten sich die Frauen in Ermangelung von Nylonstrümpfen die Beine mit spezieller Strumpf-Creme oder Kaffeesatz. Was einst als Notlösung gedacht war, haben findige Kosmetikhersteller inzwischen als wieder Marktlücke entdeckt - Nylons zum Aufsprühen, selbstverständlich in verschiedenen Farbtönen.
Wassertreten: Im April 1938 mussten diese weiblichen Angestellten einer britischen Strumpffabrik bei einem Wassertest des Haus-Chemikers antreten. Offenbar hatten sie aber ihren Spaß dabei.
Wunderwaffe Nylon: Während des Zweiten Weltkriegs wurde Nylon zu einem kriegswichtigen Material erklärt - Fallschirme, Seile, Hängematten und andere Dinge wurden nun für das Militär aus der Kunstfaser gefertigt - Strümpfe aus Nylon dagegen wurden zur Mangelware.
Schwarzes Nylon: Nicht nur Strümpfe wurden aus der Kunstfaser Nylon hergestellt, auch der Rest der Unterwäsche wurde oft aus dem feinen Stoff gefertigt. Dieses Model führte 1950 die Nylon-Unterwäsche der Firma Nadar of Paris in einem Londoner Hotel vor.
Die Modevisionärin: Mary Quant, die Erfinderin des Minirocks, präsentiert vor dem Londoner Buckingham Palast ihren O.B.E.-Orden (Order of the British Empire). Dabei trägt sie - selbstverständlich - ihr Meisterstück. Mit ihrem Mini verhalf sie noch einer anderen neuen Erfindung zum Durchbruch - der Strumpfhose. Unter den besonders kurzen Röcken konnten einfach keine Strümpfe mehr getragen werden.
Haltlos: Strümpfe halten sich heute auch ohne Halter und Hüftgürtel am Bein. Zudem sind sie in allen erdenklichen Farben und mit den verschiedensten Mustern auf dem Markt - wie diese rotgestreiften Modelle bei einer Show des amerikanischen Unterwäschelabels Victoria's Secret im November 2005 in New York.
Forschung fürs Bein: Auch die Genossinnen in der DDR wollten nicht auf schöne Beine verzichten. Zum Glück gab es schöne Strümpfe auch bei der DDR-Handelskette Konsum - die versprach: "Durch wissenschaftliche Forschung schöner und besser".