Ode ans Tape-Deck Wer hören will, muss spulen
Immer schön den Pegel halten: Während Tape-Decks - wie dieses Gerät von Aiwa - in den siebziger Jahren den Aufnahmepegel noch per Zeiger auswiesen, stellten die meisten Hersteller in den achtziger Jahren auf LED-Anzeige um.
Doppelpack: Gleich zwei Pegel-Anzeigen kombinierte dieses Aiwa-Tapedeck in einem Instrument - für eine perfekte Aussteuerung. SPIEGEL-Redakteur Christoph Schennicke hatte dazu eine glasklare Einstellung: "Filigran wurde bei den Aufnahmen von Hand ausgesteuert. Plus drei Dezibel als Peak war bei Chromdioxid okay, drüber verpönt. Drunter aber auch. Wer nur bis null aussteuerte war das, was man heute einen Warmduscher nennt. Automatische Aussteuerungsregelung kam schon gar nicht in Frage."
Kommando-Zentrale: Drei Motoren, drei Tonköpfe und unzählige Einstellmöglichkeiten - Tape-Decks wie dieses Akai erinnerten eher an die Bodenkontrolle des Space Centers in Houston als an einen Hi-Fi-Baustein für zuhause.
Acht Spuren für ein Halleluja: Während in Europa seit den siebziger Jahren die Kompakt-Kassette den Musikmarkt eroberte, gab zur gleichen Zeit in den USA das sogenannte 8-Track-Tape ein kurzes Gastspiel - wurde aber schnell wieder vom Markt verdrängt.
Der Platzhirsch: Das "Dragon" von Nakamichi war die Krone der Tape-Deck-Schöpfung. 4500 Mark kostete das 1983 eingeführte Gerät, eine astronomische Summe. Dafür gab es feinste Qualität - kein anderes Tape-Deck tastete das Band so präzise ab.
Eigenlob: In seinen Prospekten feierte sich Nakamichi als innovativer Vorreiter der Tape-Deck-Gilde. Die Fans vergötterten den japanischen Hersteller dafür - auch wenn wohl kaum einer wirklich wusste, was sich hinter Features wie "Auto Azimuth Correction" wirklich verbarg.
Vorsprung durch Technik: Während den meisten Konsumenten heute höchstens ein paar technische Rahmendaten wie Akkulaufzeit und Speicherkapazität zugemutet werden können, setzte Tape-Deck-Werbung in den siebziger und Achtziger scheinbar ein Physikstudium oder eine Elektriker-Ausbildung voraus. Selbst bei Mittelklassegeräten wurde in den Anzeigentexten mit Fachtermini nur so um sich geworfen.
Drehwurm: Bei Tape-Puristen waren Auto-Revese-Decks verpönt, weil das hin- und zurücklaufen des Bandes die Feinjustierung des Tonkopfes unmöglich machte, das Tape also in der Regel entweder auf der Hin- oder der Herspur dumpf klang. Nakamichis Antwort auf das Problem: Ein Tapedeck, bei dem sich am Ende einer Seite automatisch die ganze Kassette drehte.
Rundumschlag: All-in-One-Anlagen waren der Renner beim Durchschnittskonsumenten - echten Tape-Anhängern kamen sie jedoch nicht ins Haus.
Leerlauf: Anfang der Achtziger gingen die Tape-Deck-Hersteller mit Features wie "Blank Search", das beim Spulen automatisch die Leerstellen zwischen zwei Songs erkannte und das Band stoppte, auf Kundenfang.
Tape-Deck Revox: Okay, das Nakamichi hatte mehr Sexappeal und etwas zu spät kam es auch, aber mit den professionellen Bandmaschinen im Rücken konnte das Tape-Deck von Revox ebenfalls einiges bieten. Sein Design musste natürlich zu den anderen HiFi-Komponenten des Hauses passen. Wir haben damals in der Werbeagentur das Budget von Revox betreut (noch unter der Oberaufsicht von Herrn Studer) und ich hatte das Vergnügen, die Anzeigen zu texten. Zu einem Revox-Tape-Deck habe ich es allerdings nie gebracht.
Klein, aber oho: Das BX-125E war das zweitkleinste Tape-Deck in der Nakamichi-Familie. SPIEGEL-Redakteur Christoph Schwennicke wurde damit trotzdem zum Halbgott in seiner Kassetten-Religionsgemeinschaft.
Das Bild wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von audioscope.net .
Telefunken Tapedeck: Dieses Schmuckstück von Telefunken habe ich vor Jahren vor der Entsorgung gerettet. Ein Freund hatte es in den Neunzigern von einem Arzt in Berlin Charlottenburg gekauft, sich aber im Zuge des digitalen MP3-Zeitalters entschieden, das Gerät Anfang der 2000er wieder loswerden zu wollen. Hier war ich sogleich zur Stelle und habe es in meinen Besitz genommen. Das Tapedeck von Telefunken ist noch immer im Einsatz und bietet hervorragenden Klang. Leider wird es immer schwieriger mit neuen Kassettenbändern, welche nur noch in geringer Auswahl im Handel erhältlich sind. Hochwertige Kassetten in Metal/Chrom-Qualität erzielen als Restbestände (noch originalverpackt) oder sogenannte Dachbodenfunde bereits enorme Summen in Internet-Auktionen. Die Zeiten sind wohl doch langsam vorbei.
Jedoch habe ich begonnen, alte Aufnahmen zu sichten und bin erstaunt, wie großartig der Klang nach Jahrzehnten noch sein kann. Ein Hoch auf die Bänder!