Österreichs Kanzler Kern Freundlich, smart - unangefochten?
Seit Mai ist Christian Kern österreichischer Bundeskanzler. Man werde den "Stillstand" und das "geistige Vakuum" der Republik angehen und die "schlechte Laune" vertreiben, versprach er bei seinem Amtsantritt.
Die Wähler mögen ihn mehrheitlich. Die SPÖ, deren Parteichef Kern seit diesem Sommer ebenfalls ist, kann bei den Beliebtheitswerten nicht mithalten. Das bringt Kern gewissermaßen in die Bredouille, die richtige Linie zu finden: sozialdemokratisch, aber auch wieder nicht zu sozialdemokratisch.
Konkurrenz droht von den Konservativen. Außenminister Sebastian Kurz ist sehr beliebt, das wird im Umfeld des Regierungschefs argwöhnisch betrachtet.
Aber auch Kern ist beliebt, er kann gut zuhören. Auch eine Fähigkeit, die manche an ihm schätzen: Fehler eingestehen und korrigieren zu können. Man kann es auch als Sprunghaftigkeit deuten.
In der Flüchtlingskrise muss Kern mit Kanzlerin Angela Merkel zusammenarbeiten. Beide sind sich einig, dass die Flüchtlinge fair verteilt werden müssen in Europa.
Schwieriger ist das Verhältnis zu Ungarn - es war zuletzt wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Flüchtlingsfrage belastet. Orbán bezeichnet Einwanderung als "Gift", Wien hat ihn in der Vergangenheit heftig für seine Abschottungspolitik kritisiert. Nun will man besser zusammenarbeiten.
Inszenierung, das hat Kern verinnerlicht, ist Teil des politischen Geschäfts. Kern wirkt jünger als seine 50 Jahre, er sticht heraus - und bedient clever soziale Netzwerke wie Facebook.