Olympia 1936 - DER SPIEGEL
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Olympia 1936 Skandal um Dora

War es eine Nazi-Intrige? Oder eine Tragödie? Die jüdische Hochspringerin Gretel Bergmann wurde 1936 von den Olympischen Spielen ausgeschlossen - und durch einen Mann in Frauenkleidern ersetzt. Der Film "Berlin '36" erzählt die Geschichte jetzt als Politdrama, doch die Wahrheit war wohl anders.
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Hochspringerin Ratjen: Bei den Leichtathletik-Meisterschaften im Juli 1937 in Berlin siegte Dora Ratjen mit einer übersprungenen Höhe von 1,63. Im Jahr darauf schaffte sie bei den erstmals ausgetragenen Europameisterschaften der Frauen in Wien sogar 1,70 - Sieg und Weltrekord. Auf der Rückreise von Wien flog auf, dass Dora in Wirklichkeit ein Mann war, ihre Medaille wurde ihr daraufhin aberkannt.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-C10378
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Dora Ratjen: Schon mit 15 Jahren gehörte die 1918 geborene Ratjen zu den besten deutschen Hochspringerinnen, 1934 wurde sie niedersächsische "Gaumeisterin". Gelegentlich sei sie wegen ihres knabenhaften Äußeren"angeulkt worden", erklärte Dora später, aber alle echten Sportmädchen hätten doch eine raue und tiefe Stimme gehabt. Die Aufnahme zeigt Ratjen bei den Deutschen Leichathletikmeisterschaften 1937 in Berlin.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-C10379
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Ratjens Polizeifoto: Am 21. September 1938 wurde Dora Ratjen im Zug von Wien nach Köln festgenommen. Einem Schaffner waren die stark behaarten Hände der jungen Frau aufgefallen. In Magdeburg wurde Ratjen aus dem Zug geholt und erkennungsdienstlich behandelt. Ein Polizeiarzt stellte fest, dass es sich bei Dora Ratjen zweifelsfrei um einen Mann handelte - die Karriere der erfolgreichen Sportlerin war damit von einem Tag auf den anderen beendet.

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Damenhaft: Im grauen Jackenkleid, fleischfarbenen Strümpfen und hellen Damenschuhen hatte sich Dora Ratjen nach ihrem Weltrekord und ihrer Goldmedaille im Hochsprung bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Wien am 21. September 1938 in den Zug Richtung Köln gesetzt.

Foto: fpr: Frank Peter / Frank Peter, www.frank-peter.de
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Diese Frau ist in Mann: Von ihren Eltern war Dora Ratjen immer als Mädchen erzogen worden. Ihnen war zwar klar gewesen, dass "etwas nicht stimmte", doch Sexualität war tabu. Wohl aus Scham wagte Dora deshalb auch später nicht, über ihre Lage zu sprechen. Ihre Enttarnung im September 1938 war für Dora dann auch eine Befreiung, wie aus den Polizeiprotokollen hervorgeht - das bizarre Versteckspiel hatte endlich ein Ende. Die Polizeiaufnahme zeigt Dora/Heinrich Ratjen nach seiner Arretierung am 21. September 1938 nackt, bekleidet nur mit Damenstrümpfen und -schuhen.

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Ärztliches Attest: Mit Datum vom 22. September 1938 stellt der hinzugezogene Polizeivertragsarzt in einem Attest eindeutige männliche Geschlechtsmerkmale fest. Dora Ratjen wird offiziell zum Mann erklärt.

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Filmathletinnen: In dem Kinofilm "Berlin '36" spielt Sebastian Urzendowsky (l.) die Rolle der Dora Ratjen, die hier Marie Ketteler heißt. Karoline Herfurth (r.) mimt als jüdische Sportlerin Gretel Bergmann. Bergmann wie auch die anderen Teamkolleginnen Ratjens sagten später aus, dass ihnen nie aufgefallen sei, dass es sich bei Dora in Wirklichkeit um einen Mann gehandelt habe.

Foto: ddp
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Gretel Bergmann: Aufgrund ihrer jüdischen Abstammung durfte die Leichtathletin 1936 nicht bei den olympischen Spielen in Berlin für Deutschland antreten. Im Jahr darauf emigrierte sie in die USA wo sie bis heute lebt. Im September 2003 besuchte sie noch einmal ihre Heimatstadt Laupheim, die ihr zu Ehren ein neues Leichtathletikstadion benannte. Die heute unter dem Namen Margarete Lambert lebende Frau ist sich sicher, dass die Nazis Dora Ratjens wahres Geschlecht kannten und diese nur antreten ließen, um sie so um ihre Olympiateilnahme zu bringen.

Foto: dpa
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Endlich im Kino: Gretel Bergmann im Juni 2009 mit Regisseur Kaspar Heidelbach und Produzent Gerhard Schmidt vor dem Tribeca Cinema in New York. Die 95-Jährige, die heute mit ihrem Mann im New Yorker Stadtteil Queens lebt, freut sich, dass die Welt nun endlich ihre Geschichte kennenlernt.

Foto: Gerhard Schmidt
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?