Olympia-Orte Goldfieber in Turin
Olympisches Dorf Turin: 100.000 Quadratmeter für 2500 Athleten hier ist genug Platz. Das Olympische Dorf in Turin ist eine kleine Stadt für sich, mit einem 1500 Quadratmeter großen Shoppingcenter für die Athleten, Großrestaurants auf zwei Ebenen und einer Erholungszone. "Dieses Olympische Dorf ist allein den Athleten gewidmet", heißt es auf der Internetseite der Organisatoren. Das 39 Gebäude umfassende Areal wurde nach ökologischen Gesichtspunkten konzipiert: Solarzellen sollen die Energiekosten um mehr als 60 Prozent senken.
Olympisches Dorf Sestriere: Wie im Turiner Pendant soll es den Athleten auch hier an nichts fehlen. Die "Weißen Türme" sind das Markenzeichen Sestrieres - für Olympia wurde ein weiterer errichtet. Neben "Club Med" und "Valtur" gibt es nun auch "Mariani", einen Komplex, der vornehmlich der Beherbergung dient. Rund 2000 Personen werden im Sestrierer Dorf leben, neben den Athleten auch Mitarbeiter der NOKs und freiwillige Helfer. 750 Apartments stehen zur Verfügung. 52 Millionen Euro kosteten Neu- und Umbau.
Stadio Olimpico: Ein Fußballstadion wird zum Zentrum der Winterspiele. Im Stadio Olimpico werden Eröffnungs- und Schlussfeier stattfinden. Das Stadion wurde in den dreißiger Jahren gebaut und bildete bis Ende der Achtziger die fußballerische Heimat der beiden Turiner Proficlubs AC und Juventus. Die Arena wurde für Olympia mit einem neuen Dach versehen. Die Kapazität erhöhte sich durch den Umbau. Passten bisher 27.500 Zuschauer hinein, können dank Zusatztribünen fast 36.000 Auftakt und Ende der XX. Olympischen Winterspiele vor Ort verfolgen.
Bardonecchia: Während der Olympischen Spiele ist es der Bergort mit der größten Einwohnerzahl - rund 3000 Menschen leben normalerweise hier. Der Riesenslalom und die Snowboard-Wettbewerbe werden in dem traditionsreichen Skiort ausgetragen. Sportanlage der Snowboarder ist der Melezet Ski-Komplex. Der Hang wurde neu gebaut, für Olympia gibt es zudem die modernsten Schneekanonen. Zudem werden 500 Athleten, Medienvertreter und bei den Winterspielen Beschäftigte in Bardonecchia, dem dritten Olympischen Dorf, untergebracht.
Cesana San Sicario: Geht es nach der eigenen Einschätzung, haben sich die Olympia-Planer mit der Biathlon-Anlage selbst übertroffen. Der Komplex sei der "sicherste, allermodernste und spektakulärste" seiner Art, heißt es auf der Webseite von "Torino 2006". Auch der Preis des Neubaus kann sich sehen lassen: 25 Millionen Euro hat der Rundkurs gekostet. Die Strecke, vier Kilometer lang, sei zudem mit allen "technischen Voraussetzungen ausgestattet", 30 Plätze stehen am Schießstand zur Verfügung, selbstredend mit elektronischen Scheiben.
Cesana Pariol: Die Maximalgeschwindigkeit wird 130 Kilometer pro Stunde betragen, aber für die Athleten wird das nicht die größte Herausforderung sein. Drei Kurven haben es in sich. "TORO" heißt die Kurvenkombination 6, 7 und 8, die Rodler, Bobfahrer und Skeletonpiloten einige Nerven kosten wird. 19 Kurven gibt es insgesamt auf der 1435 Meter langen und für 70 Millionen Euro neu gebauten Bahn, elf Links- und acht Rechtskehren. Der Höhenunterschied zwischen Start und Ziel beträgt 114 Meter.
San Sicario Fraiteve: Steil, flach, steil - die Strecke für Abfahrt und Super-G hat es in sich. Die Piste für die schnellen Damen liegt auf einer Höhe von 1700 Metern. Hier starten die Athletinnen mit der Abfahrt auf einer Strecke, die als extrem anspruchsvoll gilt. Im oberen Teil wird dank des steil abfallenden Hanges schnell ein hohes Tempo erreicht, im Mittelstück geht es etwas ruhiger zu. Den Schlussteil bildet wieder ein steiler Part, der von einem Sprung in den Zielhang abgeschlossen wird. Die Höhendifferenz beträgt 775 Meter.
Pinerolo: Curling gilt immer noch als exotischer Sport. Die Halle für diesen Wettbewerb in Turin ist allerdings am besten von allen zu erreichen - sie liegt direkt an einem Bahnhof. Gleich neben der Station Torino-Torre Pellice, am Osteingang des Ortes Pinerolo, befindet sich die 14,2 Millionen Euro teure Multifunktionsarena, die während der Olympischen Spiele als Curlinghalle genutzt wird. Das Gebäude mit dem klangvollen Namen "Palazzo Polifunzionale del Ghiaccio" fasst knapp 3000 Zuschauer.
Pragelato und Pragelato Plan: Skisprung, Nordische Kombination, Langlauf der elf Kilometer vom Olympischen Dorf in Sestriere gelegene Ort Pragelato darf die vielleicht publikumsträchtigsten Sportarten der Winterspiele ausrichten. Die Großschanze hat einen K-Punkt ("Kritischer Punkt") von 140 Metern, die kleine ist auf 104 Meter ausgelegt. In 1524 Metern Höhe finden 7500 Zuschauer Platz, an der Langlaufstrecke sind es sogar 8000. Die Baukosten für Langlaufstrecke (Pragelato Plan) und Sprungschanze beliefen sich auf rund 55 Millionen Euro.
Sauze d'Oulx: Freestyle ist mittlerweile als olympische Disziplin etabliert. Erstmals wurden 1992 Medaillen verteilt. Zwölf Jahre später treffen sich Buckelpisten-Akrobaten und Springer in Sauze d'Oulx - und finden paradiesische Bedingungen vor. Fast zehn Millionen Euro ließen sich die Organisatoren den Umbau der Skilandschaft von Sauze d'Oulx kosten. 20 Kilometer vom olympischen Dorf in Bardonecchia entfernt wurden neue Liftanlagen gebaut, ein gemeinsamer Zielbereich von Buckelpiste und Springhügeln sowie Platz für 8400 Zuschauer geschaffen.
Torino Oval Lingotto: Insgesamt 8463 Zuschauer finden in dem 65 Millionen Euro teuren Neubau südöstlich von Turin Platz. Hier werden die insgesamt zwölf Wettbewerbe im Eisschnelllaufen ausgetragen. Die Halle entstand in zweijähriger Bauzeit. Das Bewerbungsverfahren zur Errichtung des Ovals entschieden die Londoner "Hok Sport"-Gruppe und das Mailänder "Studio Zoppini" für sich. Die Architekturbüros waren unter anderem für den Millennium Dome in London und das Olympiastadion von Sydney verantwortlich.
Torino Eposizioni: Da nicht alle Eishockeypartien im Palasport Olimpico ausgetragen werden können, musste weiterer Raum geschaffen werden. Es entstand ein Provisorium. Maximal 6165 Zuschauer fasst die Halle. Die Eishockeyteams werden sich vor den Spielen an ungewohnter Stelle warm machen - das Trainingsfeld befindet sich in einem separaten Pavillon. Moment, ein Pavillon? Esposizioni liegt mitten auf dem Turiner Messegelände. Die Kosten zur Anpassung des Gebäudes beliefen sich auf vergleichsweise bescheidene zehn Millionen Euro.
Torino Palasport Olimpico: Sporthalle, Mediencenter, Backstage-Bereich - der Palasport Olimpico ist eine echte Multifunktions-Arena, in die gut 12.000 Zuschauer passen. Vor der Eröffnungsfeier werden sich die einlaufenden Athleten hier aufhalten. Der japanische Architekt Arata Isozaki gewann die Ausschreibung für den Palasport Olimpico, gleichzeitig durfte er auch das benachbarte Stadio Communale samt des umliegenden Geländes gestalten. Die Kosten für die teure Unternehmung: 88 Millionen Euro.
Torino Palvela: Der Komplex ist Heimat der Eiskunstläufer und der schnellen Kufencracks. Das architektonisch bedeutsame Gebäude mit dem hervorstechenden Segeldach wurde eigens für "Torino 2006" umgebaut. Kosten: rund 53 Millionen Euro. Vor über 40 Jahren fand im Palavela-Komplex die Ausstellung "Italia '61" statt. Anlass war das 100-jährige Jubiläum der Vereinigung des Landes. Jetzt finden 8285 Zuschauer Platz, die Halle ist drei Kilometer vom Olympischen Dorf in Turin entfernt.
Sestriere Colle und Borgata: Was hat ein Firmenpatriarch mit den Olympischen Winterspielen zu tun? Der ehemalige Fiat-Boss Giovanni Agnelli ließ in Sestriere eines der weltweit bekanntesten Skigebiete errichten. Die Um- und Ausbaukosten für die Olympischen Sportstätten in Colle und Borgata beliefen sich auf 7,6 Millionen Euro. Die Abfahrts- und Super-G-Strecke in Borgata ist ein der schwierigsten und schnellsten Pisten der Welt. Gleich nebenan in Colle werden sich die Athleten in Slalom, Riesen- und Kombinationsslalom duellieren.